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	<title>Wartburg</title>
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	<title>Wartburg</title>
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		<title>Elisabeth von Thüringen: „Man muss die Menschen nur froh machen!“</title>
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		<pubDate>Mon, 08 May 2023 08:40:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Elisabeth stieg mit Jutta und Isentrud nach Eisenach hinab. Sie trug einen Korb voller Brot, Jutta und Isentrud Wein und Fleisch. Alle drei verdeckten die Körbe mit ihren weiten Mänteln, damit niemand von der Burg sich ärgern sollte. Wie sie am Ende des Weges bei einer Biegung angelangt waren, rief Isentrud erschrocken: „Kommt dort nicht<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5402" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
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		<title>Martin Luther hat „dem Volk aufs Maul geschaut“</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5286</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Feb 2023 12:56:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p style="font-weight: 400;">Als Deutschland in eine Vielzahl kleiner Staatsgebilde aufgespalten war, erschuf Luther ein Lebensbuch für viele Menschen und legte zugleich den Grundstein einer einheitlichen <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" target="_blank" rel="noopener">Sprachkultur</a></em>. Kein anderes Buch hat den Stellenwert in der Geschichte der deutschen Sprache wie die <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5819" target="_blank" rel="noopener">Bibel</a></em>.<span id="more-5286"></span></p>
<p style="font-weight: 400;">Unheilverkündende Wolken färben den Himmel schwarz. Sturmböen und Starkregen peitschen über das Land. Ein einsamer Reisender ist den Naturgewalten im freien Flur ausgeliefert und versucht, dem Unwetter zu trotzen. Martin Luther reist zu Fuß von einem Besuch bei seinen Eltern zurück zur Universität Erfurt. Hier studiert er seit 1501 die „sieben freien Künste“ (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie) mit dem Ziel, Jurist zu werden. In seiner Nähe schlägt ein Blitz ein, der Luftdruck schleudert ihn zu Boden. Die Elemente sind in Aufruhr und die Hoffnung Luthers, das Gewitter heil zu überstehen, ruht in den Händen der Heiligen Anna. „Hilf du, Heilige Anna, ich will ein Mönch werden!&#8220; Es war der 2. Juli 1505, Luthers Schicksalstag. Am 17. Juli begibt sich Martin Luther, zum Zorn seines Vaters, in den Augustinerorden in Erfurt. Er studiert Theologie und promoviert zum Doktor der Heiligen Schrift. Sein Kampf um die deutsche Sprache und den großen geistigen und religiösen Fragen beginnt. Denn ein Bibeltext „muss gleichzeitig verständlich zu uns sprechen und den Eindruck seines hohen Alters und seiner sakralen Dimension vermitteln“.</p>
<p style="font-weight: 400;">So wie Luther hatten auch vorangegangene Bibelübersetzer ihr Ringen mit dem Vokabular sowie mit den Kirchenmännern und Gelehrten. „Also ging es Sankt Hieronymo auch; da er die Biblia dolmetscht, da war alle Welt sein Meister, er allein war es, der nichts konnte, und es urteilten über das Werk des guten Mannes diejenigen, so ihm nicht genug gewesen wären, daß sie ihm die Schuhe hätten sollen wischen.“, urteilt Luther. Kirchenvater Hieronymus schuf um das Jahr 390 die Vulgata, die lateinische Bibel der römischen Kirche.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>„Hier stehe ich und kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen!“</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Schon 200 Jahre vor Luther, also spätestens ab 1330, waren deutsche Übersetzungen der kompletten Bibel als Handschriften sowie in 18 verschiedenen <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5819" target="_blank" rel="noopener">Druckausgaben</a></em> im Umlauf. Somit ist die Bibelübersetzung ins <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" target="_blank" rel="noopener">Deutsche</a></em> nichts Neues. Jedoch gab es zu dieser Zeit keine einheitliche deutsche Sprache und so sind 14 Exemplare in oberdeutschen Sprachvarianten und vier in niederdeutschen gedruckt. Außerdem basierten die vorlutherischen Ausfertigungen auf der lateinischen Vulgata, in die sich im Laufe der Jahrhunderte Fehler und Anpassungen einschlichen und die in ihrer gestelzten Sprache eher Geistlichen diente.</p>
<div id="attachment_5324" style="width: 271px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7858-Bearbeitet-Bearbeitet.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5324" class="wp-image-5324 size-medium" src="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7858-Bearbeitet-Bearbeitet-261x300.jpg" alt="" width="261" height="300" srcset="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7858-Bearbeitet-Bearbeitet-261x300.jpg 261w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7858-Bearbeitet-Bearbeitet.jpg 667w" sizes="(max-width: 261px) 100vw, 261px" /></a><p id="caption-attachment-5324" class="wp-caption-text">Luthers 95 Thesen gegen den Ablassmissbrauch an der Tür der Schlosskirche in Wittenberg. (Thesenanschlag)</p></div>
<p style="font-weight: 400;">Ungeachtet seines Standes und Ranges, sollte jeder Gläubige die Bibel lesen können und dürfen. Der Einzelne gewinne seiner Meinung nach in der Freiheit des Glaubens eine Eigenidentität, die er bisher in dieser Form nicht hatte. Als Christenmensch sei der „gemeine Mann“ ebenbürtig, gleichberechtigt und Einzelseele vor Gott. Hierarchie und Obrigkeitsstrukturen lehnte Luther konsequent ab.</p>
<p>So kämpfte Luther gegen die Fehlentwicklungen der damaligen römisch-katholischen Kirche. Vor allem der Betrug mit dem Ablasshandel, an dem sich die Kirche bereicherte und u. a. den Bau des Petersdoms finanzierte, missfielen ihm sehr. Luther, der die Päpste &#8222;Teufelsdiener&#8220; nannte, erklärte: Wer Gott reden hören will, der lese die heilige Schrift, wer den Teufel reden hören will, der lese des Papstes Dekrete und Bullen.&#8220;</p>
<p>Seine Übersetzung der Bibel basiert auf dem griechischen Urtext und versprach, das Wort Gottes rein und unverfälscht zu verkünden.</p>
<p>&#160;</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Luther als Katalysator der deutschen Sprache</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Doch um die biblische Botschaft sinnentsprechend korrekt und eingängig unters Volk zu bringen, war ein überregionaler Sprachausgleich vonnöten. Niederdeutsch, Oberdeutsch, Mitteldeutsch und etliche Dialekte erschwerten die allgemeine Verständlichkeit. Beispielsweise hieß es im Niederdeutschen „minne“ und im Oberdeutschen „Liebe“.</p>
<p style="font-weight: 400;">Hölzerne Formulierungen übersetzte Luther in eine lebensnahe und bildhafte, in eine dem Volk einleuchtende <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" target="_blank" rel="noopener">Sprache</a></em>.</p>
<p style="font-weight: 400;">„Man muß die Mutter im Haus, die Kinder auf den Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden und danach dolmetschen; so verstehen sie es denn und merken, dass man deutsch mit ihnen redet.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Schwierigkeiten der passenden Wortfindung beschreibt Luther im „Sendbrief vom Dolmetschen“: „Und ist uns wohl oft begegnet, dass wir vierzehn Tage, drei vier Wochen haben ein einziges Wort gesucht und gefragt, haben´s dennoch zuweilen nicht gefunden&#8230;“</p>
<p style="font-weight: 400;">Luthers Grundsatz beim Übersetzen war, dass der Übersetzer nicht am Wortlaut seiner Vorlage verharrt, sondern deren Sinn wiedergeben muss. „Wer deutsch reden will, der muss nicht der hebräischen Wort´ Weise führen, sondern muss darauf sehen, wenn er den hebräischen Mann verstehet, dass er den Sinn fasse und denke also: Lieber, wie redet der deutsche Mann in solchem Fall?“ Luther kämpfte mit dem rechten Ausdruck, wie er auch mit seinen Gegnern kämpfte. „Denn wer dolmetzschen will, muss große vorrat an worten haben.“</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>„Übersetzer dürfen nicht allein sein“</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">„Translatores non debent esse soli, denn ei´m einigen fallen nicht allzeit gut et propria verba zu.“ (Übersetzer dürfen nicht allein sein; denn einem einzelnen fallen nicht allezeit gute und passende Wörter ein.) Schon beim „September-Testament“ 1522, das Luther in wenigen Wochen allein auf der <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/724" target="_blank" rel="noopener">Wartburg</a></em> übersetzte, zog er vor dem Druck als Fachmann für das Griechische Philipp Melanchton heran. Ebenso unterstützten ihn die Wittenberger Theologie-Professoren Matthäus Aurogallus sowie Caspar Cruziger als Experten für das Hebräische. Trotz dieser und viele weiterer „Gehülfen“ lag die letzte Entscheidung bei Luther selbst. „Was wir darüber gelitten, getan und dran gewandt, das soll niemand erkennen, denn des die Gaben sind und der durch uns unwürdige, elende, arme Werkzeug solchs gewirkt hat. Dem sei allein die Ehre, Lob und Dank in Ewigkeit. AMEN.“</p>
<div id="attachment_5325" style="width: 235px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/Wartburg1-Bearbeitet.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5325" class="wp-image-5325 size-medium" src="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/Wartburg1-Bearbeitet-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" srcset="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/Wartburg1-Bearbeitet-225x300.jpg 225w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/Wartburg1-Bearbeitet.jpg 576w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a><p id="caption-attachment-5325" class="wp-caption-text">Auf der Wartburg übersetzte Martin Luther unter dem Decknamen Junker Jörg vom 4. Mai 1521 bis März 1522 das Neue Testament. in die deutsche Sprache.</p></div>
<p style="font-weight: 400;"><strong>„Sendbrief vom Dolmetschen“ </strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Der Sendbrief vom Dolmetschen ist eine Art Offener Brief, den Luther um 1530 auf der Veste Coburg verfasste. Als Flugschrift, eine Art Fürsprache für verständliches Deutsch, erläutert und rechtfertigt Luther seine Vorgehensweise beim Übersetzen der Bibel.</p>
<p style="font-weight: 400;">„Wer am Wege bauet, der hat viel Meister. Also gehet mir&#8217;s auch. Diejenigen, die noch nie haben recht reden können, geschweige denn dolmetschen, die sind allzumal meine Meister, und ich muss ihrer aller Jünger sein. (&#8230;) Darum gehöret große Geduld dazu, wenn jemand etwas öffentlich Gutes tun will; denn die Welt will Meister Klüglin bleiben und muss immer das Ross vom Schwanz her aufzäumen, alles meistern und selbst nichts können. Das ist ihre Art, davon sie nicht lassen kann.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Dank Luthers tiefer Vertrautheit mit dem Wort und seinem lebendigen Sprachgefühl wurde seine Bibelübersetzung für Jahrhunderte zu einem deutschen Volksbuch, das die Menschen im Leben und im Sterben begleitete. Zu seinen Lebzeiten wurden ca. 500.000 Lutherbibeln gedruckt &#8211; in Deutschland lebten zu dieser Zeit 12-15 Millionen Menschen und eine Bibel hatte den Gegenwert von 2,5 Rindern.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Leser lernten Sprachformen kennen, die nicht mit denen identisch waren, die sie in ihrer alltäglichen Redeweise verwendeten und so bildete sich eine relativ einheitliche Schrift- und Hochsprache heraus. Das Einheitsdeutsch setzte sich schließlich nach ca. 300 Jahren durch und biblische Ausdrücke bürgerten sich auch im weltlichen Bereich ein. Zu den geflügelten Worten der Lutherbibel zählen der Lückenbüßer, Feuereifer, Herzenslust aber auch der Schandfleck oder das Lästermaul. Metaphern wie „Perlen vor die Säue werfen“, der „Wolf im Schafspelz“ oder „die Zähne zusammenbeißen“ gehen ebenfalls auf Luther zurück.</p>
<p>„Für meine lieben Deutschen bin ich geboren, ihnen will ich dienen!“, bekannte der Reformator und Phillip Melanchton verkündete bei Luthers Begräbnis: „Auch wenn er gestorben ist &#8211; er lebt!“. <img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/9c71c11258aa47b8a1af7408a677ec96" alt="" width="1" height="1" /></p>
<div id="attachment_5327" style="width: 214px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7883-Bearbeitet.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5327" class="wp-image-5327" src="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7883-Bearbeitet-225x300.jpg" alt="" width="204" height="272" srcset="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7883-Bearbeitet-225x300.jpg 225w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7883-Bearbeitet.jpg 576w" sizes="auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px" /></a><p id="caption-attachment-5327" class="wp-caption-text">Altar Schlosskirche Wittenberg.</p></div>
<div id="attachment_5326" style="width: 280px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7871-Bearbeitet.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5326" class="wp-image-5326" src="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7871-Bearbeitet-300x225.jpg" alt="" width="270" height="203" srcset="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7871-Bearbeitet-300x225.jpg 300w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7871-Bearbeitet-768x576.jpg 768w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7871-Bearbeitet.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px" /></a><p id="caption-attachment-5326" class="wp-caption-text">Innenansicht der Schlosskirche Wittenberg in der Luther am 22.02.1546 begraben wurde.</p></div>
<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5286" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Walther von der Vogelweide: Tugendhaftigkeit zahlt sich aus</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5264</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Jan 2023 19:06:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der singende Berichterstatter gilt als der bedeutendste deutschsprachige Lyriker des Mittelalters. An den Höfen von Kaisern, Königen und Fürsten war er zu Gast – trotzdem hatten seine Reisen mit den Erfolgstourneen berühmter Künstler unseres Jahrhunderts wenig gemeinsam.<span id="more-5264"></span></p>
<p>Die bitterkalte Nacht war vorüber. Reif hatte den hart gefrorenen Boden überzogen und krachte unter jedem Fußtritt. Ein einsamer Reiter zog frierend die Schultern hoch. Den Hut tief in die Stirn gedrückt, das Wams an vielen Stellen geflickt, die Schuhe abgetragen und der Ackergaul, auf dem diese traurige Gestalt saß, war schwer und behäbig. Das beste Stück, das er mit sich führte, war die Laute. Sie hing neben dem linken Bein des Reiters, war aus tadellosem Holz geschnitzt und mit frischen Saiten bespannt.</p>
<p>Ein Mann, mit Pfeil und Bogen auf dem Rücken und zwei prächtigen Fuchsbälgen in den Händen, näherte sich dem fremden Reiter und rief: „Was sagt ihr dazu, Herr! Daraus lässt sich ein warmer Pelzmantel machen!“ Wehmütig strich der Reiter über das weiche Fell der Füchse und fragte nach dem Preis. Abschätzend, fast mitleidig maß der Jäger Mann und Pferd. „Für euch, Herr: drei Solidi. Sehr billig!“ Seufzend ließ der Sänger die Füchse wieder los.</p>
<p>Da erblickten beide in einigen Hundert Metern Entfernung einen sich nähernden Reitertrupp. „Irre ich mich …?“, rief der betuchte Reiter und sein Blick ruhte auf dem fahrenden Sänger. „Herr Bischof von Passau“, sagte dieser. „Ihr irrt Euch nicht!“ Da rief der Kirchenfürst: „Also doch! Walther von der Vogelweide! Was treibt Ihr?“ Wehmütig schildert der Sänger, dass am Hofe Herzog Leopolds kein Platz mehr für ihn sei und wie ungern er Österreich verlassen müsse, um in die Fremde zu ziehen.</p>
<p>„Habt Ihr keinen Wintermantel, Herr Walther?“, fragt der Bischof. „Je weniger man mit sich führt, desto leichter reist es sich“, versuchte dieser zu scherzen. „Damit dürft Ihr nicht spaßen, Herr Walther!“ Nun trat der Jäger abermals hervor und pries seine Fuchsbälge an. Da wies der Bischof seinen Sekretarius an, fünf Solidi aus der Reisekasse an den Sänger auszuzahlen. So verzeichnete der Schreiber des Bischofs Wolfger von Passau, er habe auf Befehl seines Herrn im Orte Zeiselmauer bei Tulln dem Sänger Walther von der Vogelweide fünf Solidi ausbezahlt, damit sich dieser einen warmen Wintermantel kaufen könne. Es war der 12. November 1203.</p>
<p><strong>Über die Tugend des Herzens</strong></p>
<p>So wie Walther von der Vogelweide reisten in jener Zeit auch andere singende Berichterstatter von Hof zu Hof und verdienten sich so ihr täglich Brot. So gelangten Lyrik und Literatur im deutschsprachigen Raum um das Jahr 1200 zu einem Höhepunkt.</p>
<p>Drei lyrische Typen waren zu dieser Zeit vertreten: der Minnesang als Inbegriff der Liebesdichtung, die Sangspruchdichtung mit ihrer politischen Orientierung und die Leichdichtung mit religiösem Kern. In allen drei Gattungen der Lyrik erschuf Walther von der Vogelweide herausragende Werke. Über 100 Texte sind von ihm überliefert. Als seine bekanntesten Werke gelten „Under der linden“, „Saget mir ieman: waz ist minne“ und der „Reichston“ ein politisches Großgedicht.</p>
<p>Walther von der Vogelweide lebte schätzungsweise von 1170 bis 1230. Sein Lebensweg lässt sich nur anhand seiner Werke und denen seiner Kollegen, die ihn in ihren Dichtungen lobend erwähnen und somit verewigten, rekonstruieren. Er galt als vielseitiger und kluger Berichterstatter.</p>
<p>Freilich verstand er es, Liebeslieder zu singen und den Damen Komplimente zu machen. Doch geistige Vorzüge, weibliche Anmut und Liebenswürdigkeit schätze er höher als die vergängliche Schönheit. Die Tugend als eine Eigenschaft des Herzens, die nicht aus einer einzigen Tat bestehe, übertreffe seiner Meinung nach alles. Denn wie es im Herzen aussehe, darauf komme es an.</p>
<p>Als die größte Tapferkeit preist Walther die Selbstbeherrschung. Insbesondere vor Trunksucht und dem Missbrauch der Zunge warnt er. Der brave Mann erkenne fremden Verdienst gerne an und halte sich von Neid und Hass fern. Reumütig bekennt der Dichter jedoch, seinen Feind nicht lieben zu können, wie es die christliche Lehre fordert. „wie solt ich den geminnen der mir übele tuot?“ („Wie soll ich den lieben können, der mir Übles tut?“)</p>
<p><strong>Gottes Huld, Ehre und Gut</strong></p>
<p>Sinnierend auf einem Stein sitzend, kostbar und bunt eingekleidet, mit einer Krone auf dem Kopf, ist der Dichter in den mittelalterlichen Liedersammlungen abgebildet. So vergisst man leicht, dass er ein Mensch war, der nicht nur kritisch die Missstände seiner Zeit beleuchtete, sondern sie auch am eigenen Leibe spürte:</p>
<p>„Keinen Rat wusste ich zu geben, wie man drei Schätze erlangen könnte, ohne dass einer von ihnen verlorenginge. Zwei von denen sind Ansehen und vergänglicher Besitz, Gnade bei Gott ist der dritte, von höherem Wert als die beiden anderen. Die wünsche ich mir in einen Kasten. Aber wahrhaftig, das ist leider unmöglich, dass Besitz und Ansehen vor der Welt und dazu noch Gnade bei Gott zusammen in ein Herz kommen. Weg und Steg sind ihnen verlegt: Treulosigkeit lauert im Hinterhalt, Gewalttat treibt Straßenraub; Frieden und Recht sind todwund. Die drei haben keinen Geleitschutz, wenn Friede und Recht nicht vorher genesen.“</p>
<p>Lange beschäftigt ihn die Frage, wie diese drei Schätze gewonnen werden können, nach denen sich die Menschen seiner Zeit sehnen.</p>
<p>In einem seiner ältesten politischen Gedichte empfiehlt Walther „gotes hulde, êre und gout“ (Gottes Huld, Ehre und Gut) und als moralischen Grundsatz für Kaiser rät er: „frume, gotes hulde und werltlich êre“ (Rechtschaffenheit, Gottes Huld und weltliche Ehre). So sollten Gottes Huld und Ehre das menschliche Handeln leiten. Die Ehre bezeichnet er als Tugend und Schmuck dieser Welt, insbesondere des Ritterstandes. Der Dichter orientiert sein Handeln an diesen Werten. Denn Besitz ohne die rechte Gesinnung, ohne Ehre und Gottvertrauen berge die Gefahr von Schande und Sünde.</p>
<p><strong>Ritter Gerhard Atze erschießt das Ross</strong></p>
<p>Viele seiner Erlebnisse sind über Lieder und Gedichte bis heute präsent. Bei einem Zusammentreffen mit einem Ritter gerät Walthers ausgeprägter Sinn für Recht und Ordnung gehörig aus dem Gleichgewicht. Denn mehr noch als seine Armut schmerzen ihn Ungerechtigkeit und Missachtung.</p>
<p>Aus dem „Spottlied auf den treulosen Ritter Atze“ lässt sich eine Begebenheit um das Jahr 1207 rekonstruieren. Der auf der <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5402" target="_blank" rel="noopener">Wartburg</a></em> lebende Ritter Atze kreuzt bei Eisenach Walthers Weg. Ein Knall erschallt und das Pferd des Sängers fällt tot um.</p>
<p>Zur Rede gestellt, erklärt der aufgebrachte Ritter, dass dem Pferd recht geschehen sei, da es doch die Schuld daran trägt, dass er zum Krüppel geworden ist. Warum? Was für eine Frage! Ein Pferd habe ihm den Finger abgebissen. Was das mit Walthers Pferd zu tun habe? Das sei doch klar: Blutsverwandt waren die Tiere! Auf Walthers Schadenersatzforderung reagiert der Ritter uneinsichtig und der Sänger war um seinen kostbaren, überlebensnotwendigen Besitz betrogen.</p>
<p>In der Erwartung, die neuesten Nachrichten wie von einem modernen Zeitungsreporter überbracht zu bekommen, versammelten sich kurz darauf Ritter und edle Damen des Thüringer Hofes auf der <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/724" target="_blank" rel="noopener">Wartburg</a></em>. Walther überrascht seine Zuhörer, indem er ihnen vorträgt, was ihm persönlich unter den Nägeln brennt: „Mir hat Herr Gerhard Atze in Eisenach ein Ross erschossen …“ Er erhebt Anklage und fordert den Landgrafen auf, seiner Pflicht Recht zu sprechen, nachzukommen.</p>
<p>Doch Atze kommt ungeschoren davon. Walther wird das Recht auf Schadensersatz versagt und er erlebt wieder einmal, wie hart ihm das Leben mitspielt. Was nützen Beifall und Ruhm, wenn er doch immer wieder wie ein armer Bettler an seinen Lohn erinnern muss und auf die Gnade der Mächtigen angewiesen bleibt?</p>
<p><strong>„Ich habe mein Lehen!“</strong></p>
<p>Etwa sechs Jahre nach dem Streit mit Ritter Atze fand Walther in Friedrich von Hohenstaufen einen Gönner, der seine Dienste besser zu schätzen wusste als andere Fürsten. Ein Jahr nachdem Friedrich von Hohenstaufen zum Kaiser gekrönt worden war, überließ er dem singenden Berichterstatter ein eigenes Gut als Lehen.</p>
<p>Als Lehensmann des Kaisers genoss Walther das Ansehen eines Ritters und hatte Anspruch auf kaiserlichen Rechtsschutz. Die Willkür eines Atze konnte ihm nichts mehr anhaben.</p>
<p>Walthers Wunsch, Hausherr zu sein und selbst Gäste zu begrüßen, ging endlich in Erfüllung. Das fortwährende Reisen, sein „Gauklerleben“ zwischen der Seine in Nordfrankreich, der Trave in Schleswig-Holstein, Ungarn und Oberitalien nahm ein Ende. Frostbeulen, angemessene Kleidung und regelmäßige Mahlzeiten – diese Sorgen gehörten nun der Vergangenheit an. <img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg06.met.vgwort.de/na/2d047d6d1bc44b18a02c41efa3d6fce5" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Die Wartburg</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Oct 2017 10:51:52 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Geistesgrößen wie Johann Wolfgang von Goethe, Martin Luther, Richard Wagner, Franz Liszt, die heilige Elisabeth und viele weitere berühmte Persönlichkeiten verweilten und wirkten auf der Wartburg und hinterließen Ihre Spuren. So wurde diese Burg zu einem ganz besonderen Ort und ist eng mit der deutschen Geschichte verbunden. Seit 1999 zählt die Wartburg als &#8222;ein hervorragendes Denkmal<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/724" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
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