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	<title>Geschichten die inspirieren</title>
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		<title>Johannes Brahms – Vom Hafenklavier zum Konzertsaal</title>
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		<pubDate>Wed, 07 May 2025 17:35:31 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p class="p1">Er gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Romantik – ein Brückenbauer zwischen klassischer Form und innerer Tiefe. Wer war dieser Mann, der von den Hafenkneipen bis zur Ehrenbürgerschaft Wiens aufstieg – still, uneitel, unerbittlich gegen sich selbst? Ein Blick auf Leben, Werk und Wesen eines Komponisten, der Musik schuf, die bleibt.<span id="more-6540"></span></p>
<p class="p1">Wer den späten Brahms kennt – mit Vollbart, strenger Stirn und Wiener Ehrenbürgerschaft –, ahnt kaum, wie früh dieser Mann gelernt hat, für sich selbst zu sorgen. Und wie schmal der Grat war, auf dem er sich nach oben arbeitete.</p>
<p class="p1">Geboren 1833 in Hamburg als Sohn eines Musikers, erhielt Johannes Brahms bereits mit sieben Jahren Klavierunterricht. Schon bald überforderte er seinen Lehrer – nach drei Jahren wurde er an Eduard Marxsen verwiesen, der in dem blonden, schüchternen Jungen sofort ein Ausnahmetalent erkannte: nicht nur als Pianist, sondern auch als Komponist.</p>
<p class="p1">Mit dreizehn spielte Brahms in den Hafenkneipen seiner Nachbarschaft – oft nur für ein warmes Essen und ein paar Münzen. Draußen stritten die Seemänner, drinnen klirrten die Bierkrüge, während Prostituierte und Gelegenheitsdiebe ihrer Arbeit nachgingen. Brahms saß am Klavier, spielte Gassenhauer, fast mechanisch – ein Gedichtband auf dem Notenständer als stiller Trost. Diese frühen Jahre prägten ihn tief.</p>
<p class="p1"><b>Ein Schüler des Lebens</b></p>
<p class="p1">Johannes Brahms war ein Arbeiter, ein Suchender und ein Zweifler – ein Mann mit feinem Gespür für Größe. Er bewunderte andere: nicht nur Beethoven, sondern auch den Walzerkönig Johann Strauß. Er gestand einmal, er würde alles dafür geben, hätte er selbst „An der schönen blauen Donau“ komponiert. Diese Fähigkeit zur Anerkennung – frei von Neid – war wohl eine seiner edelsten Eigenschaften.</p>
<p class="p1">Besonders Joseph Haydn verehrte Brahms innig – nicht nur als Genie, sondern als Vorbild an Disziplin und Reife. In einem Gespräch äußerte er:</p>
<p class="p1">„Die Leute verstehen heute von Haydn fast nichts mehr. […] In meinem Alter entwickelte er sich ein zweites Mal zu ungeheurer Größe. Das war ein Kerl! Wie miserabel sind wir dagegen.“</p>
<p class="p1">Auch über seinen eigenen Bildungsweg sprach Brahms offen – ohne Beschönigung:</p>
<p class="p1">„Keiner hat eine ordentliche Schule durchgemacht. Schumann ging den einen, Wagner den anderen, ich den dritten Weg. Aber gelernt hat keiner was Rechtes.“</p>
<p class="p1">Und er fügte selbstkritisch hinzu:</p>
<p class="p1">„Ja, nachgelernt haben wir. Na, das ist Fleiß; bei einem mehr, beim anderen weniger! Schauen Sie sich meine ersten Sachen an – man sieht ganz deutlich, wie ich nach und nach zulernte.“</p>
<p class="p1">Trotz seines Erfolges blieb Brahms kritisch – gegenüber sich selbst wie auch anderen. Seine Fähigkeit, Größe anzuerkennen und Schwächen zu benennen, zeugt von Charakterstärke und tiefer Integrität.</p>
<p class="p1"><b>Inspiration trifft Disziplin</b></p>
<p class="p1">Brahms vertraute nicht auf bloße Eingebung. Für ihn war eine gute Idee erst dann etwas wert, wenn sie durch Arbeit geformt wurde.</p>
<p class="p1">„Das, was man eigentlich Erfindung nennt, also ein wirklicher Gedanke, ist sozusagen höhere Eingebung, Inspiration.“</p>
<p class="p1">Diese Inspiration verstand er als Geschenk – aber eines, das ihn zu etwas verpflichtete. Er durfte es nicht einfach hinnehmen, sondern musste es sich durch unermüdliche Arbeit zu eigen machen.</p>
<p class="p1">Oft begann er ein Werk mit wenigen Takten, ließ es dann ruhen – manchmal über Wochen oder Monate. Wenn er später zurückkehrte, hatte die Idee in ihm weitergearbeitet. Erst dann begann für ihn die eigentliche Komposition.</p>
<p class="p1"><b>Begegnung mit den Schumanns: Musik, Nähe, Schmerz</b></p>
<p class="p1">1853 kam es zur schicksalhaften Begegnung mit Clara und Robert Schumann. Robert erkannte in Brahms ein „Genie“ und setzte alles daran, ihn zu fördern. Clara war tief berührt – von seiner Musik, aber auch von seinem stillen, sensiblen Wesen.</p>
<p class="p1">„Er spielte uns Sonaten, Scherzos von sich, alles voll überschwänglicher Phantasie, Innigkeit der Empfindung und meisterhaft in der Form. [&#8230;] Es ist wirklich rührend, wenn man diesen Menschen am Klavier sieht mit seinem interessant jugendlichen Gesichte, das sich beim Spielen ganz verklärt [&#8230;]. Eine schöne Zukunft steht dem bevor.“</p>
<p class="p1">– Clara Schumann, Tagebuch, 1853</p>
<p class="p1">Brahms verliebte sich in Clara – doch aus Respekt vor Robert und vielleicht auch aus Schüchternheit wagte er nie, diese Gefühle ganz auszusprechen. Stattdessen blieb er in der Nähe, half, unterstützte – und schwieg.</p>
<p class="p1">Als Robert Schumann 1854 in eine Heilanstalt eingewiesen wurde, durfte Clara ihn nicht mehr besuchen. Brahms übernahm die Rolle des Mittlers – zwischen Klinik und Familie, zwischen Wahnsinn und Alltag. Er brachte Briefe, Nachrichten, Musik – und hielt eine zerbrechende Verbindung aufrecht. Für den jungen Mann war das eine seelische Belastung, die ihn tief erschütterte.</p>
<p class="p1">Clara Schumann blieb zeitlebens seine Vertraute, auch wenn sich ihre Beziehung nie erfüllte. Mit der Zeit verlor Brahms viele Freunde – manche durch Streit, andere durch den Tod. Der Verlust Claras im Jahr 1896 traf ihn besonders. In ihrem Andenken schrieb er die Vier ernsten Gesänge (Op. 121) – sein letztes vollendetes Werk: tiefgründig, zurückhaltend, fast testamentarisch. Es verwendet Texte aus der Bibel – aus dem Prediger und dem 1. Korintherbrief – jedoch nicht im dogmatischen Sinne, sondern als existenzielles Nachdenken über Vergänglichkeit und Trost.</p>
<p class="p1"><b>Aufstieg in Wien </b></p>
<p class="p1">In den 1860er-Jahren wurde Wien zur neuen Heimat für Johannes Brahms. Er liebte das Kaffeehausleben, die Wiener Küche, das lebendige Treiben – und die Nähe zur musikalischen Geschichte, die hier überall spürbar war. Zwischen geselligen Runden und konzentrierter Arbeit fand er in dieser Stadt endlich seinen Platz.</p>
<p class="p1">Hier wurden seine Werke populär, seine Orchesterstücke gefeiert. Brahms blieb uneitel, zurückhaltend und führte weiterhin ein einfaches Leben. Repräsentative Ämter und Ehrungen nahm er nur zögerlich an, öffentliche Auftritte waren ihm eher lästig als willkommen. Er kleidete sich schlicht, manchmal sogar nachlässig und spottete selbstironisch über sein Äußeres.</p>
<p class="p1">Während draußen die Welt leicht und heiter wirkte, schrieb Brahms in dieser Zeit sein „Deutsches Requiem“ – eines der ergreifendsten Werke der Romantik. Ein Werk voller Trost und Tiefe, das zeigte, wie viel Wärme hinter seiner oft brummigen Fassade verborgen lag.</p>
<p class="p1"><b>Ein stiller Riese</b></p>
<p class="p1">Johannes Brahms war kein Revolutionär. Kein Charismatiker. Aber er war ein Mann, der wusste, woher er kam – und wohin er wollte. Aus dem Jungen, der für eine Mahlzeit spielte, wurde ein Meister, der anderen jungen Komponisten half, ihren Platz zu finden. Für Antonín Dvořák setzte er sich besonders ein, empfahl ihn seinem Verleger und förderte ihn mit echtem Interesse – ohne jedes Geltungsbedürfnis.</p>
<p class="p1">Er komponierte langsam, feilte mit Akribie. Seine Erste Symphonie ließ über zwanzig Jahre auf sich warten. Als sie 1876 endlich uraufgeführt wurde, war er 43. Doch was dann folgte, war ein spätes Feuerwerk: vier Symphonien, zwei Klavierkonzerte, ein Violinkonzert, das Klarinettenquintett – Werke, die heute zum Herzstück der Romantik gehören.</p>
<p class="p1">Als sich sein Gesundheitszustand zunehmend verschlechterte, drängten ihn Freunde zum Arzt. Brahms bat gut gelaunt: „Aber erzählen Sie mir nichts Unangenehmes.“ Der Arzt hielt sich daran – und verschwieg ihm die Diagnose: Leberkrebs. Doch Brahms ahnte, dass sein Ende nahte- innerhalb kürzester Zeit verlor er viel Gewicht. Am 3. April 1897 verstarb er in Wien.</p>
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		<title>Immanuel Kant: Still verwurzelt, grenzenlos gedacht</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/6530</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Apr 2025 16:55:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="p1">Wie ein Leben in Ordnung und Wiederholung zum Fundament großer Gedanken wurde.<span id="more-6530"></span></p>
<p class="p1"><b>Ein Spaziergang als Zeitmesser</b></p>
<p class="p1">Was wäre, wenn man an einem Spaziergänger erkennen könnte, wie spät es ist? In Königsberg, im 18. Jahrhundert, war das Realität. Jeden Nachmittag um exakt halb vier trat ein schmaler, streng wirkender Mann aus dem Haus und ging seine Runde. Immer die gleiche Strecke, immer im gleichen Tempo. Wer wissen wollte, wie viel Uhr es war, brauchte nur einen Blick auf Immanuel Kant zu werfen.</p>
<p class="p1">Doch dieser tägliche Spaziergang war mehr als eine Angewohnheit. Er war Ausdruck eines Lebens, das bis ins letzte Detail strukturiert war – mit einem Tagesplan, der fast nie durchbrochen wurde. Kant lebte wie ein Uhrwerk. Ordnung war für ihn nicht bloß ein Prinzip, sondern Voraussetzung für geistige Klarheit.</p>
<p class="p1"><b>Ein Knopf bringt ihn aus dem Takt</b></p>
<p class="p1">Diese Klarheit war allerdings empfindlich. Besonders im Alter brachte ihn das kleinste Geräusch oder eine unvorhergesehene Veränderung aus dem Gleichgewicht. Selbst während seiner Vorlesungen benötigte Kant absolute Ruhe – äußerlich wie innerlich. Um sich zu konzentrieren, hatte er sich angewöhnt, seinen Blick auf einen bestimmten Zuhörer zu richten, meist den, der ihm direkt gegenübersaß.</p>
<p class="p1">Eines Tages bemerkte Kant, dass diesem jungen Mann ein Knopf am Rock fehlte. Unbewegt schaute er während seiner gesamten Vorlesung auf die leere Stelle – und konnte ungestört referieren. Wochenlang war das sein Fixpunkt. Doch dann erschien der Student mit angenähtem Knopf wieder an seinem Platz. Und Kant – eigentlich für seine Präzision und Gedankenlogik berühmt – verlor den Faden. Er sprang in seinen Beweisführungen, seine Argumente wurden unscharf, der innere Zusammenhang fehlte. Nach der Stunde bat Kant den Studenten zu sich. Der junge Mann begann sich sofort zu entschuldigen, weil er so lange versäumt hatte, den Knopf anzunähen. Doch Kant unterbrach ihn: „Nein, nein – das meine ich nicht. Ich wünschte vielmehr, Sie ließen den Knopf wieder entfernen. Denn er stört mich.“</p>
<p class="p1"><b>Die Natur als Farbberater</b></p>
<p class="p1">Auch seine äußere Erscheinung folgte festen Prinzipien. Schon als junger Dozent vertrat Kant die Ansicht, man solle sich nie ganz aus der Mode stellen – es sei Pflicht, anderen keinen widerlichen oder auffallenden Anblick zu bieten. Als Orientierung empfahl er die Natur. In der Wahl der Farben solle man sich nach den Blumen richten. Die Natur bringe nichts hervor, das dem Auge nicht wohltut. So gehörte zu einem braunen Oberkleid eine gelbe Weste – das lehre die Aurikel. Kant kleidete sich stets ordentlich und geschmackvoll, später bevorzugte er melierte Stoffe. Eine Zeitlang trug er sogar Kleidungsstücke mit goldener Schnur am Saum. Nur der Hut – der blieb immer gleich.</p>
<p class="p1"><b>Ein aufmerksamer Gastgeber</b></p>
<p class="p1">Trotz aller Strenge zeigte Kant auch eine gesellige, ja warmherzige Seite. Als Gastgeber war er aufmerksam und verbindlich, ohne Förmlichkeit. Er kannte die Lieblingsspeisen seiner Gäste, ließ sie eigens zubereiten und freute sich aufrichtig über deren Appetit. Wer an seinem Tisch saß, fühlte sich nicht als Besucher, sondern wie zu Hause. Es durfte offen gesprochen, gelacht und gewünscht werden – Kant sorgte dafür, dass sich niemand verstellen musste.</p>
<p class="p1">Und dennoch: Belustigungen, Schwärmereien oder laute Zerstreuung lagen ihm fern. Seine einzige echte Erholung war das Billardspiel – ruhig, konzentriert, kontrolliert. Ein Spiel, das genau zu ihm passte.</p>
<p class="p1"><b>Vom Sohn eines Riemenschneiders zum Philosophen</b></p>
<p class="p1">Immanuel Kant wurde am 22. April 1724 in Königsberg in Ostpreußen geboren, als Sohn eines Riemenschneiders. Er war das vierte von elf Kindern, von denen nur wenige ein höheres Lebensalter erreichten. Nach dem Gymnasium studierte er an der dortigen Universität Naturwissenschaften, Mathematik und Philosophie. Mit 22 Jahren arbeitete er als Hauslehrer auf dem Land, kehrte jedoch 1755 nach Königsberg zurück. Er promovierte und begann zu lehren – zunächst ohne feste Anstellung. Erst 1770 erhielt er eine Professur.</p>
<p class="p1">Dann begann die Zeit seiner großen Werke: Kritik der reinen Vernunft (1781), Kritik der praktischen Vernunft (1788) und Kritik der Urteilskraft (1790) begründeten eine neue Epoche des Denkens. Kant setzte sich mit den Grundfragen des menschlichen Denkens und der menschlichen Sittenlehre auseinander. Er starb am 12. Februar 1804 – kurz vor seinem 80. Geburtstag. Für die damalige Zeit war das ein bemerkenswert hohes Alter.</p>
<p class="p1"><b>Freiheit in der Begrenzung</b></p>
<p class="p1">Anders als viele seiner Zeitgenossen, die auf Reisen nach Inspiration suchten, verließ Kant Königsberg nur selten – und Ostpreußen nie. Er schöpfte nicht aus äußeren Reizen oder wechselnden Eindrücken, sondern aus der Ruhe des Gewohnten. In der Wiederholung, der Ordnung und der Begrenzung fand er die Freiheit zum Denken.</p>
<p class="p1">Mehrfach wurden ihm Berufungen an andere Universitäten angeboten – zum Teil mit dem dreifachen Bezügen. Doch Kant blieb. In der Vorrede zu einem seiner Werke begründete er seine Ortsverbundenheit mit den folgenden Worten:</p>
<p class="p1">Königsberg sei „eine große Stadt, die eine Universität zur Kultur der Wissenschaften und dabei noch die Lage zum Seehandel hat, welche durch Flüsse aus dem Innern des Landes sowohl mit angrenzenden als auch entlegenen Ländern von verschiedenen Sprachen und Sitten einen Verkehr begünstigt – eine solche Stadt wie etwa Königsberg am Pregelflusse, kann schon für einen schicklichen Platz zur Erweiterung sowohl der Menschenkenntnis als auch der Weltkenntnis genommen werden, wo diese, auch ohne zu reisen, erworben werden kann.“</p>
<p class="p1"><b>Die Vernunft geht spazieren</b></p>
<p class="p1">Vielleicht war es sein stilles Gleichmaß, das zu seiner Langlebigkeit beitrug – und die Art, wie er atmete. Denn auf seinen täglichen Spaziergängen sprach Kant mit niemandem. Nicht aus Unhöflichkeit, sondern aus Prinzip: Er wollte ausschließlich durch die Nase atmen. Selbst Gespräche hätten das gestört.</p>
<p class="p1">Heute weiß die Wissenschaft, dass Kant damit seiner Zeit weit voraus war. Beim Ein- und Ausatmen durch die Nase entsteht Stickstoffmonoxid – ein Molekül, das die Sauerstoffaufnahme verbessert, die Blutgefäße schützt, die Immunabwehr stärkt und sogar vor Thrombosen schützt. Wer durch den Mund atmet, verzichtet auf all diese Vorteile – und umgeht obendrein das natürliche Filtersystem der Nase.</p>
<p class="p1"><b>Sapere aude! – Kants Vermächtnis</b></p>
<p class="p1">Kant wurde zum geistigen Wegbereiter der Aufklärung. In seinem Aufsatz „Was ist Aufklärung?“ griff er den Wahlspruch des römischen Dichters Horaz auf: „Sapere aude!“ – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Erst durch Kant wurde dieser Satz zum Leitspruch einer ganzen Epoche. Seine Ethik, aufgebaut auf dem kategorischen Imperativ, wirkt bis heute nach: in der Idee der Menschenwürde, der moralischen Selbstverantwortung und dem Anspruch, das Richtige um seiner selbst willen zu tun. Kants berühmteste Formulierung lautete:</p>
<p class="p1">„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ (Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, 1785)</p>
<p class="p1"><b>Im Gleichgewicht</b></p>
<p class="p1">Immanuel Kant war kein verschlossener Grübler. Er war offen für die Natur, ein aufmerksamer Gastgeber und jemand, der seinen Mitmenschen mit feinem Gespür begegnete. Gleichzeitig lebte er mit einer seltenen Disziplin – strukturiert, gleichmäßig, konzentriert. Was von außen streng wirkt, war für ihn der Rahmen, in dem er denken und wirken konnte. Und vielleicht liegt genau darin seine Zeitlosigkeit: in der Verbindung von geistiger Tiefe, gelebter Vernunft und menschlicher Zuwendung.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wilhelm Conrad Röntgen – Der Nobelpreisträger ohne Schulabschluss</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/6522</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Mar 2025 09:22:23 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[X-Strahlen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="p1">Am 8. November 1895, an einem kalten Herbstnachmittag, schloss Wilhelm Conrad Röntgen sorgsam die Fenster seines Würzburger Labors. Kein Lichtstrahl durfte eindringen – für sein Experiment brauchte er völlige Dunkelheit.<span id="more-6522"></span></p>
<p class="p1">Er prüfte ein letztes Mal die Drähte, die zu einer Vakuumröhre führten, und schirmte diese mit schwarzer Pappe ab. Als er das Licht löschte und den Strom einschaltete, geschah etwas Unerwartetes: An der Wand erschien ein schwaches, grünliches Leuchten. Röntgen war irritiert. Er schaltete die Röhre aus – Dunkelheit. Wieder ein – das Leuchten war zurück.</p>
<p class="p1">Der Lichtschein ging von einer Platte aus, die er mit Leuchtsalz bestrichen hatte. Doch wie konnte sie reagieren, wenn die Röhre vollständig abgeschirmt war? Er baute eine Mauer aus dicker Pappe, legte Bücher dazwischen – das Leuchten blieb.</p>
<p class="p1">Als er die Hand vor den Schirm hielt, sah er durch sie hindurch: Knochen, klar umrissen. Ungläubig starrte er auf seine eigene Hand – das ging durch und durch, nur nicht durch den Knochen.</p>
<p class="p1">Stunde um Stunde experimentierte Röntgen weiter. Schraubenzieher, Kaffeetassen, Uhrenketten – er durchleuchtete alles, was ihm in die Hände kam. Nur Blei stoppte die geheimnisvollen Strahlen.</p>
<p class="p1">Tief in der Nacht eilte er nach Hause. „Du wolltest doch um sieben hier sein!“, rief seine Frau Bertha. Röntgen lachte leise. Was war schon die Zeit, wenn man gerade das Unsichtbare sichtbar gemacht hatte?</p>
<p class="p1"><b>Die Welt erfährt von den geheimnisvollen Strahlen</b></p>
<p class="p1">Acht Wochen lang arbeitete Röntgen fast ununterbrochen – allein, im Dunkeln, mit Neugier und Ausdauer. Er ließ sich das Essen dorthin bringen, sogar ein Bett soll er im Labor aufgestellt haben. Dann, am 28. Dezember 1895, wandte er sich mit einer schlichten Mitteilung an die Physikalisch-Medizinische Gesellschaft in Würzburg. Der Titel: „Vorläufige Mittheilung über eine neue Art von Strahlen“. Der Bericht wurde sofort veröffentlicht und schon am 6. Januar 1896 in alle Welt gesendet.</p>
<p class="p1">Ein weltweites Echo folgte. Überall begannen Wissenschaftler, mit den mysteriösen „X-Strahlen“ zu experimentieren.</p>
<p class="p1">Bereits am 13. Januar 1896 hielt Röntgen vor Kaiser Wilhelm II. seinen ersten Vortrag. Zehn Tage später stellte er seine Entdeckung offiziell der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft in Würzburg vor. Er sprach mit sachlicher Ruhe, fast beiläufig:</p>
<p class="p1"><i>„Ich fand durch Zufall, daß diese Strahlen durch schwarzes Papier gingen. Ich nahm Papierhette, Holz, und immer noch glaubte ich, das Opfer einer Täuschung zu sein. Dann nahm ich die Photographie zur Hilfe, und der Versuch gelang.“</i></p>
<p class="p1">Nach dem Vortrag trat Geheimrat von Kölliker, ein angesehener Anatom und Physiologe, ans Rednerpult. Er war bewegt:</p>
<p class="p1"><i>„Ich glaube, daß die Entdeckung für die experimentelle Naturwissenschaft – vielleicht auch für die ganze Medizin – von weittragender Bedeutung werden kann.“</i></p>
<p class="p1">Er schlug vor, die X-Strahlen künftig „Röntgenstrahlen“ zu nennen – der Vorschlag wurde mit großem Beifall aufgenommen.</p>
<p class="p1">Röntgen selbst blieb zurückhaltend. Später erinnerte er sich:</p>
<p class="p1"><i>„Ich hatte von meiner Arbeit niemand etwas gesagt: Meiner Frau teilte ich nur mit, dass ich etwas mache, von dem die Leute, wenn sie es erfahren, sagen würden: ‚Der Röntgen ist wohl verrückt geworden´.“</i></p>
<p class="p1"><b>Werdegang mit Hindernissen</b></p>
<p class="p1">Wilhelm Conrad Röntgen wurde 1845 in Lennep als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers geboren. Er besuchte die Technische Schule in Utrecht und stand kurz vor dem Abitur, als er von der Schule verwiesen wurde. Ein Mitschüler hatte die Karikatur eines Lehrers auf den Ofenschirm gezeichnet – Röntgen wurde verdächtigt, der Urheber zu sein. Er verpetzte seinen Mitschüler nicht, sondern schwieg – und wurde der Schule verwiesen.</p>
<p class="p1">Seine Eltern engagierten Privatlehrer, damit er den Abschluss über ein externes Examen nachholen konnte. Doch ausgerechnet der betroffene Lehrer saß in der staatlichen Prüfungskommission und sorgte dafür, dass Röntgen durchfiel.</p>
<p class="p1">Trotz dieses Rückschlags setzte er seine Ausbildung fort. An der Universität Zürich, wo kein Abitur verlangt wurde, begann er sein Studium. Später bewarb er sich um eine Stelle an der Universität Würzburg, wurde jedoch wegen des fehlenden Abschlusses abgelehnt.</p>
<p class="p1">Er ging daraufhin nach Straßburg und arbeitete dort als Assistent eines Physikprofessors. In dieser Zeit veröffentlichte er zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten – allein zwischen 1870 und 1895 erschienen 58 Beiträge von ihm in Fachzeitschriften.</p>
<p class="p1">Im Jahr 1888 erhielt er schließlich doch den Ruf nach Würzburg – als Direktor des Physikalischen Instituts. Später wurde er sogar Rektor der Universität. Der Forscher, der einst an bürokratischen Hürden scheiterte, hatte sich mit wissenschaftlicher Arbeit und Ausdauer durchgesetzt.</p>
<p class="p1"><b>Auszeichnungen – und der Verzicht auf Ruhm</b></p>
<p class="p1">Für die Entdeckung der Strahlen erhielt Wilhelm Conrad Röntgen im Jahr 1901 als erster Physiker den Nobelpreis für Physik. Der Preis war mit 50.000 schwedischen Kronen dotiert. Am 10. Dezember nahm er die Auszeichnung aus der Hand des schwedischen Kronprinzen entgegen. Das Preisgeld vermachte er testamentarisch der Universität Würzburg zur Förderung wissenschaftlicher Arbeit.</p>
<p class="p1">Röntgen meldete kein Patent auf seine Entdeckung an, obwohl zahlreiche deutsche und internationale Firmen Interesse an einer Zusammenarbeit zeigten. Auf eine Anfrage erklärte er, dass seine Entdeckung der Allgemeinheit gehören solle – ganz in der Tradition deutscher Forschung.</p>
<p class="p1">Die Stadt Lennep ernannte ihn 1901 zum Ehrenbürger. Er erhielt den Königlich Bayerischen Kronenorden, mit dem der persönliche Adel verbunden war – diesen Adelstitel lehnte Röntgen ab.</p>
<p class="p1">Wilhelm Conrad Röntgen blieb bescheiden und öffentlichkeitsscheu: Er forschte, weil es ihn interessierte, getrieben von Neugier, nicht von Ehrgeiz. Er wollte keine Ehrungen, kein Aufsehen – doch seine Entdeckung veränderte die Medizin, die Wissenschaft und unser Bild vom Unsichtbaren. Röntgen starb 1928 als einer der erfolgreichsten Physikprofessoren der Geschichte, auch ohne Abitur.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Acht Taler und ein Traum – Jean Pauls Weg in die Literatur</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/6516</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Mar 2025 10:27:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Ich mag ja auch nicht viel – acht Taler sollen mich zufrieden stellen.“ Jean Pauls Weg begann mit Schulden und einem verzweifelten Brief an seine Mutter. Am Ende schrieb er sich in die Herzen der Deutschen – und sogar in die Musik von Schumann, Mahler und Reinecke.<span id="more-6516"></span></p>
<p class="p1">Mai 1781. Ein junger Mann betritt Leipzig. Die Universitätsstadt pulsiert, Händler preisen ihre Waren an, Studenten debattieren angeregt in den Kaffeehäusern. Zwischen ihnen bewegt sich Johann Paul Friedrich Richter, Sohn eines Pfarrers und einer Tuchmacherstochter. Er trägt keine vornehme Kleidung, kein Zeichen von Reichtum oder Ansehen. Nur ein Wunsch treibt ihn an: zu studieren, zu lernen, sich aus der Enge seiner Herkunft zu befreien. Doch die Realität holt ihn bald ein.</p>
<p class="p1">Seine Ankunft in Leipzig war nicht einfach. Die Reise hatte er mit knappen Mitteln bestritten, voller Hoffnungen, aber auch von Zweifeln geplagt. Bald merkte er, dass Wissen allein nicht ausreicht, wenn der Magen leer ist und die Gläubiger vor der Tür stehen.</p>
<p class="p1">„Wenn Sie nur wüßten, wie ungern ich daran gehe, Sie mit Geldbitten zu belästigen! Aber könnte ich anders! Und doch will ich gar nicht viel, weil ich Ihren Geldmangel kenne, und weis, wie viele Unterstüzung meine Brüder noch brauchen.</p>
<p class="p1">Ich will nicht von Ihnen Geld um meinen Speiswirt zu bezalen, dem ich 24 rtl. schuldig bin, oder meinen Hauswirt, dem ich 10 rtl., oder andre Schulden, die über 6 rtl. ausmachen &#8211; zu allen diesen Posten verlang‘ ich von Ihnen kein Geld; ich will sie stehen lassen bis zu Michael, wo ich diese Schulden und die noch künftig zu machende, unfehlbar zu bezalen in Stand gesezt sein werde &#8211; Also zu dieser grossen Summe verlange ich von Ihnen keine Beihülfe &#8211; aber zu folgenden müssen Sie mir Ihre Hülfe nicht abschlagen. Ich mus alle Wochen die Wäscherin bezalen, die nicht borgt, ich mus zu früh Milch trinken; ich mus meine Stiefel vom Schuster besolen lassen, der ebenfals nicht borgt, mus meinen zerrissenen Biber ausbessern lassen vom Schneider, der gar nicht borgt &#8211; mus der Aufwärterin ihren Lohn geben, die natürlich auch nicht borgt &#8211; und dies mus ich nur iezt alles bezalen, und bis auf Michael noch weit mehr.</p>
<p class="p1">Nun sehen Sie, zur Bezalung dieser Sachen werden Sie mir doch wol hülfiche Hand leisten können &#8211; ich wüste gar nicht was ich anfangen solte, wenn Sie mich stekken liessen. Glauben Sie denn, daß ich Sie mit Bitten plagen würde, wenn ich es nicht höchst nötig hätte. Ich mag ia auch nicht viel; acht Taler sächsisch Geld sollen mich zufrieden stellen, und gewis werd‘ ich dan Ihre Hülfe nicht mehr so nötig haben. Denn das dürfen Sie nicht glauben, daß mein Mittel, Geld zu erwerben, nichts tauge; weil es etwan noch nicht angeschlagen hat. O Nein! durch eben dieses getraue ich mich zu erhalten, und es komt nur auf den Anfang an. Von diesem Mittel mehr zu schreiben verbietet mir der enge Raum meines Briefs [&#8230;] Übrigens verlass‘ ich mich darauf, daß Sie mich nicht länger in der Not stecken lassen, und mir mit dem nächsten Posttag schreiben. Acht Taler, wie gesagt, verlang‘ ich blos, und diese werden Sie doch auftreiben können. &#8211; Schreiben Sie mir ia bald, ich bin</p>
<p class="p1">Ihr geh. Sohn J. P. F. Richter&#8220;</p>
<p class="p1">Die wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Familie hatten sich seit dem Tod des Vaters 1779 stetig verschlechtert. Die Mutter zog mit ihren Kindern nach Hof, wo sie in bescheidensten Verhältnissen lebten. Trotzdem bestand der Wunsch, dass der begabte Sohn studieren sollte. Doch Theologie, das Fach, für das er sich auf Wunsch des Vaters eingeschrieben hatte, fesselte ihn nicht. Stattdessen vertiefte er sich in Philosophie, Literatur und die Schriften Rousseaus, Voltaires und Shaftesburys.</p>
<p class="p1">Sein Name sollte eines Tages in aller Munde sein – doch zu diesem Zeitpunkt war er nur einer von vielen jungen Männern, die in Leipzig ihr Glück suchten. Die Schulden wuchsen, seine Hoffnungen schwanden. Als die Not unerträglich wurde, griff er zur Feder und schrieb am 21. August 1782 jenen flehenden Brief an seine Mutter.</p>
<p class="p1">Doch die erhoffte Rettung blieb aus. Im November 1784 musste Jean Paul sein Studium abbrechen und Leipzig ohne Abschluss verlassen. Er kehrte nach Hof zurück. Jahre später, im Jahr 1796, wagte er den nächsten Schritt: In drei Tagesmärschen wanderte er knapp 130 Kilometer von Hof nach Weimar – ins Herz der deutschen Klassik. Nach nur drei Wochen verließ er Weimar wieder. „Hier sind wenig Herzen, die ihn ganz verstehen.“, schrieb Caroline Herder, die ihm freundlich gesonnen war.</p>
<p class="p1">Was in Leipzig mit Entbehrung und Mangel seinen Anfang nahm, führte letztlich durch Zielstrebigkeit und den festen Glauben an sich selbst zu einer bemerkenswerten literarischen Laufbahn. Mit 30 Jahren gelang ihm der Durchbruch: „Die unsichtbare Loge“ erschien, und mit ihr begann der Aufstieg eines Mannes, der sich fortan Jean Paul nannte – aus Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau.</p>
<p class="p1">Jean Pauls Schriften nehmen eine Sonderstellung zwischen Klassizismus und Romantik ein, geprägt von Witz, Tiefe und einer ganz eigenen erzählerischen Handschrift. So fanden seine Werke nicht nur ein breites Publikum, sondern Wertschätzung auch in höchsten Kreisen – wie etwa bei Königin Luise von Preußen.</p>
<p class="p1">Nicht zuletzt inspirierte er auch Komponisten: Carl Reinecke vertonte seine Gedichte, Robert Schumann komponierte die Papillons nach einem Romanfragment aus den „Flegeljahren“, und Gustav Mahler griff in seiner 1. Symphonie – ursprünglich mit dem Untertitel „Titan“ – Jean Pauls gleichnamigen Roman als atmosphärischen Ausgangspunkt auf.</p>
<p class="p1">Jean Pauls Werk entzieht sich bis heute jeder literarischen Schublade – und genau darin liegt seine bleibende Faszination. Sprache, Denken und Erzählweise verbinden sich bei ihm zu einer Literatur, die sich dem Gewöhnlichen entzieht und immer wieder neu entdeckt werden kann.</p>
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		<title>Mit Farben gegen Krankheiten: Das Leben des Paul Ehrlich</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/6510</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Mar 2025 20:23:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Bakteriologie]]></category>
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		<category><![CDATA[Zauberkugel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Paul Ehrlichs lebenslange Leidenschaft für Farben führte zu bahnbrechenden medizinischen Entdeckungen, darunter die Entwicklung des ersten wirksamen Syphilis-Medikaments und bedeutende Beiträge zur Immunologie, die die moderne Medizin nachhaltig prägten.<span id="more-6510"></span></p>
<p>Reglos stand Paul Ehrlich vor dem Käfig der Mäuse, während die Kirchenglocken von Frankfurt eine späte Stunde verkündeten. Er konnte sich nicht losreißen von dem Anblick der gesunden Tiere, die noch Tage zuvor dem sicheren Tod geweiht gewesen waren. Präparat 606 hatte gewirkt. Es war der Durchbruch, den er so lange gesucht hatte: eine Substanz, die Krankheitserreger im Körper zerstören konnte, ohne dem Menschen zu schaden.​</p>
<p>Geboren am 14. März 1854 im oberschlesischen Strehlen, fiel Paul Ehrlich schon früh durch seine unbändige Neugier auf. Während andere Kinder spielten, experimentierte er mit Farben und untersuchte, wie sich Farbstoffe auf verschiedene Materialien auswirkten. Diese kindliche Faszination ließ ihn nie los – sie trieb ihn an, als er in Breslau, Straßburg und Leipzig studierte. Bald wurde er zum Sonderling unter den Medizinstudenten. „Ehrlich färbt am längsten“, spottete man über ihn. Doch der junge Forscher nahm es mit Humor – und färbte weiter.​</p>
<p>Sein Arbeitstisch glich einer Malerwerkstatt: Gläser mit bunten Lösungen, Pinsel, Pipetten, mikroskopische Präparate – und überall Farbflecken. Doch nicht nur seine Forschungsmaterialien hinterließen Spuren. Farbflecken waren ebenso charakteristisch für ihn wie der allgegenwärtige schwere Zigarrenrauch, der den Raum erfüllte, und die nächtliche Lektüre von Kriminalromanen.​</p>
<p>Schließlich führten ihn diese Experimente zu einer seiner ersten großen Entdeckungen: Er entwickelte spezielle Färbetechniken, mit denen Krankheitserreger sichtbar gemacht werden konnten. Ohne ihn hätte Robert Koch den Tuberkuloseerreger kaum identifizieren können.​</p>
<p>Der Preis für seine Hingabe war hoch. Bei seinen Arbeiten infizierte er sich mit Tuberkulose und musste zur Heilung nach Ägypten reisen.​</p>
<p><strong>Der Wissenschaftler mit der Speisekarte voller Formeln</strong></p>
<p>Wenn Ehrlich eine Idee packte, musste sie sofort festgehalten werden – und wenn gerade kein Papier zur Hand war, schrieb er auf alles, was er finden konnte: Manschetten, Tischdecken, Wände, weiß gestrichene Türen und sogar auf dem Fußboden. Einmal kam er aus einem Restaurant zurück – mit einer Speisekarte voller chemischer Formeln. Während seine Begleiter über das Menü nachdachten, hatte er plötzlich eine neue Idee für eine Farbstoffverbindung und begann, sie direkt auf der Karte zu skizzieren. Später stellte sich heraus: Die Formel war korrekt.​</p>
<p><strong>Die Geburt der Zauberkugel</strong></p>
<p>1908 erhielt er den Nobelpreis für Medizin, doch Ruhm interessierte ihn wenig. Er forschte unermüdlich weiter. 1909 präsentierte Paul Ehrlich sein Präparat 606 offiziell. Die Welt staunte: Zum ersten Mal gab es ein Medikament, das gezielt eine Krankheit bekämpfte – die Syphilis. Ehrlich bezeichnete solche idealen Therapeutika als „Zauberkugeln“ – Arzneistoffe, die spezifisch Krankheitserreger im menschlichen Körper abtöten, ohne dem Patienten zu schaden. Seine Methode wurde zum Grundstein der modernen Chemotherapie.</p>
<p><strong>Bleibendes Vermächtnis</strong></p>
<p>Paul Ehrlichs unerschütterliche Neugier und sein unermüdlicher Forschergeist führten ihn trotz des anfänglichen Spotts seiner Kollegen zu bahnbrechenden Entdeckungen, die die Medizin revolutionierten. Sein Leben und Werk erinnern uns daran, dass wahre Innovation oft gegen den Strom schwimmt und die Welt verändern kann.​</p>
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		<title>Michelangelo – Der Künstler, der den Stein zum Leben erweckte</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/6499</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Mar 2025 15:05:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten die inspirieren]]></category>
		<category><![CDATA[Walhalla]]></category>
		<category><![CDATA[Bildhauer]]></category>
		<category><![CDATA[Bildhauerei]]></category>
		<category><![CDATA[Florenz]]></category>
		<category><![CDATA[Genie]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Künstler]]></category>
		<category><![CDATA[Maler]]></category>
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		<category><![CDATA[Marmor]]></category>
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		<category><![CDATA[Renaissance]]></category>
		<category><![CDATA[Sixtinische Kapelle]]></category>
		<category><![CDATA[Vatikan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zwischen künstlerischer Hingabe und fremdbestimmtem Schicksal. Vom jungen Bildhauer in Florenz zum Meister der Sixtinischen Kapelle stellte er sich Herausforderungen, widersetzte sich Päpsten und schuf unsterbliche Kunst.<span id="more-6499"></span></p>
<p><i>&#8222;Schon wächst ein Kropf mir über diesem Placken&#8230;</i><br />
<i>ans Kinn ist mir der Leib wie angebacken.</i><br />
<i>Den Bart reck&#8216; ich gen Himmel, mit dem Nacken rückwärts gelehnt&#8230;</i><br />
<i>der Pinsel, immer überm Aug&#8216;, ein schön Mosaiko kleckt auf die Planken &#8230;</i><br />
<i>nicht einen Strich seh&#8216; ich, den ich gezogen.&#8220;</i></p>
<p>Vier Jahre lag der Meißel still, während Michelangelo auf einem Gerüst arbeitete, die Decke der Sixtinischen Kapelle über sich. Mit gekrümmten Rücken, schmerzenden Gliedern und brennenden Augen, in die die Farben tropften, schuf er eines der größten Meisterwerke der Kunstgeschichte. Und doch empfand er diesen Auftrag als Qual. Er war Bildhauer, kein Maler. Vergeblich hatte er versucht, den Papst davon zu überzeugen, Raffael für diese Arbeit einzusetzen. Doch Julius II. ließ nicht mit sich verhandeln. Michelangelo konnte sich der Pflicht nicht entziehen – und wurde so zum Maler gegen seinen Willen. Die Unterschrift seiner Briefe in den vier folgenden Jahren verriet seine innere Auflehnung: <i>„Michelangelo, Bildhauer in Rom“</i>, schrieb er trotzig, obwohl er den Meißel für lange Zeit aus der Hand gelegt hatte.</p>
<p>Und doch, so sehr er diesen Auftrag verabscheute, tat er, was er immer tat: Er wollte nicht nur gute Arbeit leisten – er war bereit, mehr zu geben, als man von ihm erwartete. Während andere Meister vielleicht mit Kompromissen gearbeitet hätten, wollte Michelangelo Perfektion. Doch seine Akribie wurde zur Geduldsprobe für den Papst. Julius II. fragte immer wieder ungeduldig, wann das Werk endlich vollendet sei. Michelangelo antwortete stets dasselbe: <i>„Wann ich kann.“</i></p>
<p>Er arbeitete bis zur Erschöpfung, nahm sich kaum Pausen und vergaß oft die Zeit. Mahlzeiten waren für ihn Nebensache, manchmal begnügte er sich mit einem Stück Brot. Er schlief selten lange, oft in seiner Kleidung, weil er sich ganz auf seine Arbeit konzentrierte. Der Druck war groß, seine Entschlossenheit größer.</p>
<p>Dabei hatte alles ganz anders begonnen. Mit 14 Jahren betrat er die Kunstschule im Garten Lorenzos des Prächtigen zu Florenz – und es war für ihn das Paradies. Und als er zum ersten Mal ein Stück Marmor und das Steinmetzwerkzeug in den Händen hielt, fühlte er sich, als erlebe er den ersten Schöpfungstag. Sein erstes Werk, eine Faunfigur, entstand mit jugendlicher Hingabe. Aber der Faun lachte mit kräftigen Zähnen – für Lorenzo den Prächtigen eine Unstimmigkeit:</p>
<p><i>&#8222;Du hast diesen Faun alt gemacht, aber ihm alle Zähne gelassen. Weißt du nicht, dass alten Leuten immer einer oder zwei fehlen?&#8220;</i></p>
<p>Michelangelo ließ sich das nicht zweimal sagen. Am nächsten Tag war ein Zahn mitsamt der Wurzel entfernt. Beeindruckt von dieser Beharrlichkeit nahm Lorenzo ihn in seinen Palast auf.</p>
<p>Was als paradiesische Freiheit begann, verwandelte sich bald in ein Leben harter Arbeit und großer Verpflichtungen. Michelangelo war keiner, der aus sicherer Distanz seine Kunst entwarf. Seine Bildhauerarbeit begann nicht in seiner Werkstatt, sondern in den Marmorbrüchen von Carrara und Pietrasanta. Er prüfte selbst das Gestein, überwachte die Arbeit der Steinmetzen, half beim Abseilen der Blöcke, legte Straßen für den Abtransport und charterte Barken für den Versand nach Rom. Manchmal wusste er selbst nicht mehr, warum er bei allen Arbeiten <i>„bei der Baumwurzel“</i> anfing – er hätte doch ruhig in Florenz über Plänen und Berechnungen sitzen können. Aber nein, er stand mitten unter den Arbeitern, prüfte jede Bewegung. Jedes Stück Stein war für ihn bereits Gestalt – ein Lebewesen. Die Arbeiter lachten oft, wenn er plötzlich rief:</p>
<p><i>&#8222;Achtet auf seine Füße!&#8220;</i><br />
<i>&#8222;Verletzt nicht die Schultern!&#8220;</i><br />
<i>&#8222;Ungeschickte Teufel! Ihr habt die Nase abgeschlagen!&#8220;</i></p>
<p>Michelangelo Buonarroti war nicht der Typ, der sich still an Vorgaben hielt oder sich alles gefallen ließ. Er war eigensinnig, voller Temperament und kannte keine Nachsicht, wenn es um seine Kunst ging. 1506 kam es zum offenen Konflikt mit Papst Julius II. Michelangelo, der sich ungerecht behandelt fühlte, verließ Rom im Zorn und floh nach Florenz. Julius ließ das nicht auf sich sitzen – und drohte den Florentinern sogar mit Krieg, sollten sie Michelangelo nicht ausliefern. Erst unter diesem Druck kam es in Bologna zur Aussöhnung zwischen den beiden.</p>
<p>Doch Frieden fand Michelangelo nie. Er bekam immer neue Aufträge, die er nicht ablehnen konnte. Seine eigene Kunst, die Werke, die ihm am Herzen lagen, blieben liegen. Er wollte seine Skulpturen vollenden, doch Fürsten, Kaufleute, Kardinäle und Päpste rissen an ihm. Jeder wollte ein Meisterwerk von ihm, und so sprang er von einem gewaltigen Projekt zum nächsten, oft widerwillig.</p>
<p>Nach vier Jahren harter Arbeit hatte Michelangelo die Sixtinische Kapelle vollendet. Allerdings empfand er kaum Genugtuung. In einem Brief an seinen Vater schrieb er knapp:</p>
<p><i>&#8222;Ich habe die Ausmalung der Kapelle beendet. Der Papst ist außerordentlich zufrieden. Meine anderen Angelegenheiten gelingen nicht nach Plan und Wunsch.&#8220;</i></p>
<p>Das Unvollendete bedrängte ihn mehr, als ihn das Vollendete beglückte. Michelangelo wusste um die Macht der Kunst, um das Talent, das in ihr lag. Einmal sagte er:</p>
<p><i>&#8222;Wer diese große Kunst beherrscht, möge wissen, dass ihm eine unvergleichliche Macht untertan ist.&#8220;</i></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Felix Mendelssohn: Frühreif, vielseitig, unvergessen</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/6490</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Feb 2025 15:10:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten die inspirieren]]></category>
		<category><![CDATA[Walhalla]]></category>
		<category><![CDATA[Bach Renaissance]]></category>
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					<description><![CDATA[„Ich fand ihn auf einem Schemel an einem kleinen Tisch sitzend und mit größter Ernsthaftigkeit schreibend. Auf mein Befragen, was er täte, antwortete er ernst: ‘Ich beende gerade mein neues Quartett für Klavier und Saiteninstrumente.’ Über seine Schulter blickend sah ich eine wunderschöne Partitur, wie von einem gelernten Kopierer geschrieben. Dann, die Quartette vergessend, gingen<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/6490" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
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		<title>Carl Spitzweg: Meister der Gesellschaftssatire</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/6486</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Feb 2025 15:05:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten die inspirieren]]></category>
		<category><![CDATA[Walhalla]]></category>
		<category><![CDATA[Apotheker]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Carl Spitzweg hätte ein Apothekerleben geführt – weil sein Vater es so wollte. Er absolvierte die Pharmazie-Ausbildung an der Universität München, studierte Botanik, Geologie und Toxikologie und schloss 1832 mit Auszeichnung ab. Doch sein Herz schlug nicht für Rezepturen, sondern für die Kunst.<span id="more-6486"></span>Ein Kuraufenthalt nach einer Krankheit wurde zum Wendepunkt. Dort lernte er den Landschaftsmaler Christian Heinrich Hansonn kennen, der ihn bestärkte, die Malerei nicht nur als Hobby zu sehen.</p>
<p>Spitzweg fasste einen mutigen Entschluss: Nach nur einem Jahr als Apotheker gab er seinen Beruf auf und widmete sich ganz der Kunst. Er setzte sich ein Ultimatum von 15 Jahren – wenn er bis zu seinem 40. Lebensjahr nicht von der Malerei leben konnte, würde er zur Pharmazie zurückkehren.</p>
<p>Dabei ging es ihm weniger um Ehrgeiz als um eine klare Selbstverpflichtung: Wollte er Künstler sein, dann richtig. Ohne akademische Ausbildung brachte er sich das Malen selbst bei und entwickelte einen ganz eigenen Stil. 1835 wurde er Mitglied im Münchner Kunstverein, erste Verkäufe folgten. Seine kleinformatigen, humorvollen Gemälde trafen den Geschmack der aufstrebenden Bürgerschicht.</p>
<p>Sein Apothekerwissen zahlte sich dennoch aus: Er wusste, wie Farben haltbar gemacht werden, ein Vorteil für seine Kunst. Spitzweg war ein Meister der Beobachtung und des subtilen Witzes. Seine Bilder sind keine bloßen Biedermeier-Idyllen – sie sind treffsichere Karikaturen seiner Zeit.</p>
<p>In „Der arme Poet“ spielt er augenzwinkernd mit dem romantischen Ideal des verarmten Künstlers, in „Der Bücherwurm“ mit dem übertriebenen Wissensdrang. Er malte Menschen mit Eigenarten, kleine Missgeschicke, bürgerliche Doppelmoral – aber immer mit einem Augenzwinkern. Viele seiner Werke entstanden auf Zigarrenkistendeckeln, voller Witz und Detailreichtum. Heute gilt er als Meister der subtilen Satire – ein Künstler, der mit Pinsel und Ironie zugleich malte.</p>
<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/6486" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
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		<item>
		<title>Thomas Edison: Der Mann, der das Scheitern leuchten ließ</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Feb 2025 14:59:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#8222;Ich bin nicht tausendmal gescheitert. Ich habe erfolgreich tausend Möglichkeiten entdeckt, wie die Glühbirne nicht zum Leuchten gebracht wird.” – Mit dieser bemerkenswerten Einstellung trotzte Thomas Alva Edison jedem Rückschlag.<span id="more-6483"></span></p>
<p>In den späten 1870er-Jahren, während die Welt schlief, brannte in Menlo Park, New Jersey, ein Licht: Edisons Labor. Nächtelang, mit kaum mehr als vier Stunden Schlaf, arbeitete er besessen daran, einen Glühfaden in einem mit Gas gefüllten Glaskolben zum Leuchten zu bringen.</p>
<p>Tausende von Versuchen scheiterten, doch für Edison waren diese Fehlschläge keine Niederlagen, sondern wertvolle Lektionen über die Naturgesetze.</p>
<p>Seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus: Edison entwickelte eine praktische Glühlampe, die das Zeitalter der Elektrizität einläutete und unseren Alltag erhellte. Doch Edisons Innovationsgeist endete nicht bei der Glühlampe. Er erfand den Phonographen, der die Welt der Musik revolutionierte, und den Kinetographen, der das Zeitalter des Kinos einleitete.</p>
<p>Mit über 1.000 Patenten prägte er die moderne Welt maßgeblich. Seine Geschichte zeigt uns, dass wahre Genialität darin besteht, niemals aufzugeben und aus jedem Fehlschlag zu lernen.</p>
<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/6483" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
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		<title>Albrecht Dürer: Der Künstler, der die Welt neu sah</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/6327</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Oct 2024 11:49:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Albrecht Dürer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="p1">Albrecht Dürer revolutionierte die Kunstwelt des 16. Jahrhunderts mit seinen meisterhaften Malereien, Zeichnungen und Kupferstichen, die neue Maßstäbe für Realismus und Ausdruck setzten. Trotz seiner unermüdlichen Leidenschaft für die Kunst war sein Leben oft ein harter Kampf um Anerkennung und Durchsetzung gegen gesellschaftliche Normen.<span id="more-6327"></span></p>
<p class="p1"><b>Das erste Kinderselbstbildnis: Der junge Albrecht und der Traum von der Malerei</b></p>
<p class="p1">Es war ein stiller Nachmittag in der Goldschmiedewerkstatt von Albrecht Dürers Vater. Der junge Albrecht prüfte sein Spiegelbild und sein Zeichenbrett. Zu sehen war sein Ebenbild: helle Haare, nachdenkliche Augen und die feinen Falten seines Kittels. Albrecht wusste, dass dieses Bild seinen Vater überzeugen könnte, ihm die Erlaubnis zur Malerausbildung zu geben. Es war das erste Kinderselbstbildnis der Welt. Doch er war vorsichtig. Er schob das Bild tief unter den Leinenschrank der Mutter. Sicher versteckt, bis der richtige Moment kommen würde. Ein „Nein“ des Vaters konnte nicht so leicht rückgängig gemacht werden.</p>
<p class="p1">In den folgenden Tagen arbeitete Albrecht noch fleißiger in der Werkstatt. Sein Vater, ein angesehener Goldschmied, hatte die Verantwortung für 18 Kinder. Nur drei von ihnen sollten das Erwachsenenalter erreichen. „Und da ich nun säuberlich arbeiten kunnt, trug mich mein Lust mehr zu der Malerei, dann zum Goldschmiedehandwerk. Das hielt ich meinen Vater für.“ Der Vater staunt heimlich über seine Fähigkeiten – er wird ihn wohl einmal übertreffen.</p>
<p class="p1"><b>Der Vater erkennt Albrechts Talent</b></p>
<p class="p1">Eines Tages brachte Albrechts Mutter die versteckte Zeichnung mit den Vesperbroten in die Werkstatt. Der Vater sah die Zeichnung lange an, sagte jedoch kein Wort. Das Talent seines Sohnes war offensichtlich. Wenn sich einer recht beweisen will, wird er stark am Widerstand. Auch wenn ihn das Bild beeindruckte, wollte er es Albrecht nicht leicht machen. Albrecht, dessen Herz für die Malerei brannte, saß mit rotem Kopf über einem Becher, den er mit Ranken und Blumen verzierte. Er ärgerte sich: „Was muss auch die Mutter die Spinnenwebjagd bis unter den Spind betreiben!“</p>
<p class="p1">Doch Albrechts Beharrlichkeit war unerschütterlich. Er wusste, dass der Weg zum Erfolg nicht einfach sein würde und dass er das Vertrauen seines Vaters erst gewinnen musste. Diese Beharrlichkeit entstammte sowohl seiner tiefen Leidenschaft für die Malerei als auch dem Vorbild seines Vaters. Der Vater, ein angesehener Goldschmied, hatte mit viel Anstrengung und Verantwortung für seine große Familie gesorgt, und Albrecht hatte früh gelernt, wie wichtig harte Arbeit und Entschlossenheit waren, um sich in einer schwierigen Welt zu behaupten.</p>
<p class="p1">Am Abend, als Vater und Sohn spazieren gingen, sprach der Vater über das Bild. „Was hat es mit dem Blatt auf sich, dass deine Mutter unterm Spind gefunden hat? War’s dort versteckt, weil’s dich gereut hat und du eingesehen hast, dem Herrgott die Schöpfung nachzuschaffen, wird oft ein klägliches Spiegelbild – oder war es dir nur ums geheimthun?“ Albrecht antwortete zögernd: „Ich wollte nur den rechten Augenblick wahrnehmen, bis ich’s dem Vater zeigen kann &#8211; Tag und Nacht seh ich nur noch in Bildern“. Zwei Jahre später trat Albrecht bei Meister Wolgemut in die Lehre.</p>
<p class="p1"><b>Aufbruch in die Fremde</b></p>
<p class="p1">Nach seiner Ausbildung ging Dürer, wie es der Zunftbrauch verlangte, auf Wanderschaft: „Und da ich ausgedient hatt, schickt mich mein Vater hinweg, und bliebe vier Jahr aussen, bis dass mich mein Vater wieder fodert”, schrieb er später. Diese Reisen durch Colmar, Basel und Straßburg prägten seinen künstlerischen Stil und erweiterten seinen Blick auf die Welt.</p>
<p class="p1">Zwei Monate nach seiner Rückkehr heiratete Dürer Agnes, die ihn kinderlos bis zu seinem Tod begleitete.</p>
<p class="p1"><b>Neue Horizonte</b></p>
<p class="p1">Reisen in fremde Länder bedeuteten damals eine tiefgreifende Aufrüttelung. Mit Leidenschaft drang Dürer in unbekannte Gedankenwelten vor und brachte reiche Beute mit nach Hause.</p>
<p class="p1">Die Briefe aus Venedig und das Tagebuch der niederländischen Reise zeigen, wie lebhaft und scharf Dürer beobachtete, wie viele Menschen er traf und wie nachdenklich er die Vielfalt des Lebens betrachtete. Er wollte alles sehen, was es an Neuem gab – nicht nur die Kunstwerke, die ihn fachlich interessierten, sondern alles, was seine Fantasie anregen konnte. In Italien bewunderte er die Werke der großen Renaissance-Meister wie Andrea Mantegna und Giovanni Bellini. In Brüssel staunte er über die „wunderlich künstlichem Ding“, die mexikanischen Goldschätze, Teile der Cordezbeute, und bewunderte „der subtilen Ingenia der Menschen in fremden Landen“.</p>
<p class="p1"><b>Der Weg in die Selbstständigkeit</b></p>
<p class="p3">1497 machte sich Dürer selbstständig. Die Anerkennung für seine Werke kam nicht leicht, da die Malerei in seiner Heimat immer noch als bloßes Handwerk angesehen wurde. Doch Dürer hatte höhere Ziele: Er wollte der Malerei mehr Geltung verleihen und sie als eigenständige, ernstzunehmende Kunst etablieren.</p>
<p class="p3">Mit seiner Arbeit kämpfte er gegen die Vorstellung an, dass Künstler nur Handwerker seien, und setzte sich dafür ein, dass die Malerei als geistige und schöpferische Leistung anerkannt wird.</p>
<p class="p3">In seinem berühmten Selbstbildnis im Pelzrock, in dem er sich bewusst wie ein Edelmann inszeniert, schrieb er: „So schuf ich, Albrecht Dürer aus Nürnberg, mich selbst mit zugehörigen Farben im Alter von 28 Jahren.&#8220; Der gerade Blick und die Hand im Bild verdeutlichen seinen Anspruch auf eine höhere Anerkennung als Künstler.</p>
<p class="p3"><b>Kunst für alle: Dürer als vielseitiger Künstler und Mensch</b></p>
<p class="p3">Dürer passte seine Kunst an unterschiedliche Zielgruppen an und stimmte Ton und Technik darauf ab. Für aristokratische Inhalte nutzte er erlesene Techniken, wie Kupferstiche, während volkstümliche Werke oft in Holz geschnitten wurden. Ein Beispiel dafür sind „Die vier Apostel“, die für das Beratungszimmer der Nürnberger Losungen bestimmt waren – ein Werk, das die Stadtregenten als verantwortliche Politiker ansprach, nicht als Ästheten.</p>
<p class="p3">Gleichzeitig setzte sich Dürer dafür ein, dass Kunst nicht nur einer Elite vorbehalten blieb. Seine volkstümlichen Holzschnitte und Drucke waren erschwinglich und brachten Kunst in die Häuser einfacher Menschen.</p>
<p class="p3">Joachim Camerarius, Rektor des Nürnberger Gymnasiums, beschrieb Dürer so: „Die Natur hatte ihm in Bau und wuchs einen ansehnlich Körper gegeben, passend zu der schönen Seele, die er umschloss. (&#8230;) In seiner Rede lag ein solcher Wohllaut und ein solcher Reiz, dass den Zuhörer nichts unangenehmer war, als wenn er aufhört, zu sprechen. Seine Seele war von glühendem Verlangen nach vollendeter Schönheit, der Sitten und der Lebensführung erfüllt, und er zeichnete sich darin so aus, dass er mit Recht ein vollkommener Mann genannt werden konnte.“</p>
<p class="p3">Diese Beschreibung gibt uns einen Eindruck von Dürers Persönlichkeit – von seiner äußeren Erscheinung bis zu seinem inneren Streben nach Schönheit und Vollkommenheit. Seine Vielseitigkeit spiegelte sich darin wider, seine Kunst für jeden zugänglich zu machen und dabei hohe ästhetische Standards zu wahren.</p>
<p class="p3"><b>Die Geheimnisse in Dürers Symbolik</b></p>
<p class="p3">Dürer war bekannt für die tiefgründige Symbolik in seinen Werken – oft unscheinbar, aber bedeutungsvoll. Ein Beispiel dafür ist der Drache auf der Rückseite des Porträts seiner Mutter.</p>
<p class="p3">Viele seiner Kunstwerke sind reich an Symbolik, die sowohl religiöse als auch philosophische Themen anspricht. Auch seine Darstellung von Tieren, Pflanzen und anderen natürlichen Motiven trägt oft symbolische Bedeutungen, die den Betrachter dazu einladen, über das Offensichtliche hinaus zu denken. Werke wie „Melencolia I“ sind voller allegorischer Symbole, die den Betrachter dazu anregen, die vielschichtigen Bedeutungen zu entschlüsseln.</p>
<p class="p3">Eine seiner berühmtesten Darstellungen, die religiöse und moralische Aspekte kombiniert, ist der Kupferstich „Ritter, Tod und Teufel“ (1513). Dieses Werk zeigt symbolisch den tugendhaften Ritter, der mutig seinem Weg folgt, unbeirrt von Versuchungen und Bedrohungen, die ihn umgeben.</p>
<p class="p3">Erasmus von Rotterdam sagte einmal, Dürer habe „das gar nicht darstellbare auf die Leinwand“ gebracht, „ja fast die Sprache selbst“. Diese Bewunderung seiner Zeitgenossen zeigt, wie meisterhaft Dürer es verstand, komplexe und unsichtbare Inhalte durch seine Kunst greifbar zu machen.</p>
<p class="p3"><b>Die Natur als Quelle der Kunst</b></p>
<p class="p3">Albrecht Dürer betrachtete die Natur als die ultimative Quelle künstlerischer Inspiration. Für ihn war Kunst nicht nur eine handwerkliche Fähigkeit, sondern ein Mittel, um die Schönheit der Schöpfung einzufangen und sichtbar zu machen. In seinen eigenen Worten sagte er: „Denn wahrhaftig steckt die Kunst in der Natur, wer sie herausreißen kann, der hat sie.“ Diese Überzeugung prägte seine Arbeiten und seine Herangehensweise an die Kunst.</p>
<p class="p3">Ein berühmtes Beispiel für seine Hingabe an die Natur ist sein Werk „Der junge Feldhase“. Die Geschichte dahinter zeigt, wie tief seine Liebe zur Natur reichte. Dürer sehnte sich oft danach, der Enge Nürnbergs zu entfliehen, und wanderte hinaus in die Natur. Eines Tages begegnete ihm ein Bauernpaar, das seine Waren erfolgreich verkauft hatte – bis auf einen kleinen Feldhasen. Das Tier fiepte kläglich, und Dürer, von Mitleid ergriffen, kaufte es. Bei Einbruch der Dämmerung kehrte er mit dem Hasen im Arm nach Hause zurück. Am nächsten Morgen war es nicht einfach, das scheue Tier ruhig zu halten. Doch schließlich ließ sich der Hase durch grüne Blätter besänftigen, und Dürer zeichnete mit viel Geduld und Hingabe das weiche Fell, die klugen Augen und die zarten Pfoten. „Der Feldhase“ wurde eines seiner herrlichsten Werke – ein Zeugnis seiner tiefen Verehrung für das Göttliche in der Schöpfung.</p>
<p class="p3">Dürer empfand Freude daran, die Natur in all ihren Facetten darzustellen, sei es das weiche Fell eines jungen Feldhasen oder die beeindruckenden Details eines Baumstamms. Die Hingabe, mit der er die Details und Eigenheiten der Natur auf Papier brachte, war Ausdruck seiner tiefen Verehrung für das Göttliche in der Schöpfung. In dieser Arbeit fand Dürer nicht nur künstlerische Erfüllung, sondern auch eine spirituelle Verbindung – eine Annäherung an das, was er als vollkommen ansah.</p>
<p class="p3"><b>Das Vermächtnis des Meisters</b></p>
<p class="p3">In seiner letzten Lebensphase widmete sich Dürer kunsttheoretischen Schriften. Seine Werke über Mathematik, Proportionslehre und Festungsbau galten jahrhundertelang als Standardwerke. 1524 verfasste er die Chronik seiner Familie, und viele seiner etwa 600 Reime sind religiöse Ermahnungen.</p>
<p class="p3">In seinem Buch „Unterweisung der Messung“ beschreibt Dürer die Arbeit des Künstlers als eine Form, dem Schöpfer Ehre zu erweisen. Für ihn bestand die Kunst darin, die göttliche Schöpfung nachzuahmen und dabei handwerkliche Perfektion zu erreichen. Er betonte die Wichtigkeit von Präzision und Fleiß, um der göttlichen Ordnung nahezukommen. So sah Dürer den Künstler als Mitschöpfer, der durch seine Werke die Schönheit der Natur widerspiegelt und Gott Respekt zollt.</p>
<p class="p3">Albrecht Dürer wirkte „ausgedörrt wie ein Bündel Stroh“ auf seinen Freund, den Humanisten Willibald Pirckheimer. Innerhalb weniger Wochen erlag der erst 56-jährige Dürer überraschend einer Krankheit, die Pirckheimer als „ein heiß Fieber mit einer großen Ohnmacht, Unlust und Hauptweh“ beschrieb, vermutlich Malaria. Am 6. April 1528, kurz vor seinem 57. Geburtstag, verstarb Deutschlands berühmtester Renaissance-Maler in seiner Geburtsstadt Nürnberg. Die stolze Reichsstadt ehrte ihn mit einem Grab auf dem Johannisfriedhof. 34 Jahre zuvor hatte der junge Dürer diese Ruhestätte der Nürnberger Patrizier in einem Bild verewigt – das älteste erhaltene Landschafts-Aquarell Dürers.</p>
<p class="p3"><b>Die Welt im Wandel</b></p>
<p class="p3">Dürers Zeitalter war geprägt von Entdeckungen und tiefgreifenden Veränderungen. Alte Strukturen brachen auf, und Neues entstand. Dürer kämpfte nicht nur für neue künstlerische Ausdrucksformen, sondern auch dafür, dass Künstler als Denker und Schöpfer anerkannt wurden. Mit Leidenschaft und visionärer Kraft revolutionierte er die Kunst und beanspruchte ihren Platz als bedeutende kulturelle Kraft seiner Zeit.</p>
<p class="p3">Sein Erbe findet sich nicht nur in Museen, sondern auch als Tattoo auf der Haut vieler Menschen, die seine „Betenden Hände“ als Symbol für Hoffnung und Glaube tragen.</p>
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		<title>Der „Voltaire der Deutschen“: Christoph Martin Wieland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Nov 2023 18:17:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p class="p1">Wielands Name steht für die moderne deutsche Prosa, für die deutschsprachige Oper und für politischen Journalismus. Durch seine Übersetzungen von Shakespeare, Horaz und Cicero prägte er die deutsche Sprache und er war Begründer der Weimarer Klassik.<span id="more-5617"></span></p>
<p class="p1"><span class="s1">„</span>Bin ich gewesen, was ich sein wollte? Hab ich gewirkt, was ich wirken wollte? Hab ich mit den Kräften, die mir die Natur verlieh, als ein treuer Weltbürger so gut Haus gehalten, wie es mir unter den Umständen, die nicht von meiner Willkür abhingen, möglich war? War mein Zweck rein? War er der beste unter allen, die ich mir vorsetzen konnte? Hab ich ihn auf dem geradesten Wege, durch die einfachsten, sichersten und edelsten Mittel zu erreichen gesucht? Kann ich, wenn ich mein ganzes langes Leben hinter mir zurückschaue, mit mir selbst zufrieden sein? (&#8230;)“<span class="s2">. Diese Zeilen, die Wieland in seinem Roman „Agathodämon“ schreibt, sind bezeichnend für das Leben und Werk des Autors selbst.</span></p>
<p><em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" target="_blank" rel="noopener">Christoph Martin Wieland</a></em> gilt als einer der vielseitigsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Publizisten des 18. Jahrhunderts. Als erster Bestseller-Autor Deutschlands war er zeitweise der meistgelesene und bestbezahlte Schriftsteller seiner Epoche.</p>
<p>Wielands literarische Produktivität war beeindruckend: Er verfasste elf Romane, zahlreiche Essays, 40 Verserzählungen und Versepen, <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" target="_blank" rel="noopener">übersetzte Werke</a></em> von zehn Autoren, schrieb Dramen und Libretti, Märchen und Novellen. Als Journalist und Herausgeber hinterließ er zudem etwa 14.000 Briefe. Bereits zu seinen Lebzeiten wurden seine Werke in 13 Sprachen übersetzt.</p>
<blockquote>
<p class="p4">„Kinder und Bücher zugleich machen, ist zu toll – nicht wahr? (&#8230;) Also fahren wir in Gottes Namen immer fort, beides zu machen, so lang´s Zeug hält, und wir Freude daran haben.“</p>
</blockquote>
<p class="p4">In den 36 glücklichen Ehejahren schenkte ihn seine Frau Anna Dorothea vierzehn Kinder.</p>
<p class="p4">Obwohl Wieland maßgeblich die <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" target="_blank" rel="noopener">deutsche Alltagssprache</a></em> und die deutsche Kultur prägte, ist er heute, im Zeitalter der Massenliteratur, einer der am wenigsten bekannten deutschen Schriftsteller. Als hätte er diese Entwicklung vorausgesehen, sagte Wieland selbst gegen Ende seines Lebens, dass sein Name „im 19. Jahrhundert nichts bedeuten werde“.</p>
<p class="p7"><b>Die Übersetzungen</b></p>
<p class="p4">Ein bedeutender Teil von Wielands Werk sind seine Übersetzungen. In Biberach übersetzte Wieland zwischen 1761 und 1766 insgesamt 22 Dramen von Shakespeare. Dadurch erreichten diese Werke ein breites Publikum und wurden in Deutschland bekannt. Als eine Art Nebeneffekt bereicherte er bei der Übersetzung die deutsche Sprache. Zu Wielands Wortschöpfungen gehören zum Beispiel: Abschied nehmen, kaltherzig, humoristisch, Todesstimme, Anziehungskraft, heimatlos, Beobachter, scharfzüngig.</p>
<p class="p4">„Shakespearen zu übersetzen war in jenen Tagen ein kühner Gedanke, weil selbst gebildete Literatoren die Möglichkeit leugneten, daß ein solches Unternehmen gelingen könne. Wieland übersetzte mit Freiheit, erhaschte den Sinn seines Autors, ließ beiseite, was ihm nicht übertragbar schien, und so gab er seiner Nation einen allgemeinen Begriff von den herrlichsten Werken einer andern, seinem Zeitalter die Einsicht in die hohe Bildung vergangener Jahrhunderte.“, äußert Goethe in „Zu brüderlichen Andenken Wielands“</p>
<p class="p4">Während seiner Weimarer Zeit widmet sich Wieland Horaz, Lukian und Xenophon sowie Euripides und Aristophanes. Zuletzt, im Alter von 73 Jahren hegt er den Wunsch, „irgendeine große, schwere und mühselige, aber mir mit allem dem angenehme und zu meinen gewohnten Studien passende Geistesarbeit zu unternehmen“. So beginnt er 1806 mit der Übersetzung sämtlicher Briefe Ciceros, in der Hoffnung, „daß sie mir durch Lust und Liebe zur Sache und durch die mit der Ausführung selbst notwendig verbundene unvermerkte Steigerung meiner Kräfte vielleicht so weit gelingen dürfte, daß ich die Welt mit dem Troste verlassen könnte, die letzten Jahre oder Tage meines Lebens nicht ohne alles Verdienst&#8230;zugebracht zu haben.“</p>
<p class="p4"><b>Professor Primarius Philosophiae</b></p>
<p class="p4">Bevor Wieland an den Weimarer Hof kommt, ist er erster Professor für Philosophie an der Universität in Erfurt. Er soll zur Reform und Modernisierung der Universität beitragen und nicht wenige Studenten ließen sich allein wegen Wielands Namen nach Erfurt locken. Zu seiner ersten Vorlesung am 03.07.1769 kamen 300 Studenten. Die, für die damalige Zeit ungewöhnlich hohe Anzahl sank schnell herab. Denn Wieland war zwar „modern“, jedoch nicht gerade anspruchslos. Er las über „die Geschichte der Menschheit“, „die Geschichte der Philosophie“, über „Theorie und Geschichte der schönen Künste“, über „Krankheiten und Laster der menschlichen Seele“, über die antike Atomlehre und Werke Ciceros und Horaz.</p>
<p class="p4">Doch Erfurt wird für Wieland zu „einem verhaßtem Neste“, die sittenlosen Studenten sind ihm zuwider und über die Universität schreibt er am 17. Februar 1770 an Sophie La Roche: „..daß man leichter Mohren weiß waschen, als die Erfurter Universität empor bringen könnte. Man soll den Pelz waschen, aber er soll nicht nass werden.“</p>
<p class="p4">Nicht ungelegen kommt also Anfang 1772 die Einladung der Weimarer Regentin <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4873">Anna Amalia</a></em>. Wieland ist zu dieser Zeit der bekannteste deutsche Autor und führender Intellektueller. Er soll Mentor werden für ihre Söhne, den 14-jährigen Thronfolger Carl August und den 13-jährigen Konstantin.</p>
<p class="p4">Am 22. März 1772 schreibt Wieland an <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4873" target="_blank" rel="noopener">Anna Amalia</a></em>: „Bei den Prinzen hängt alles davon ab, daß sie es sich zur Gewohnheit machen, nie zu vergessen, daß sie Menschen sind, und daß sie folglich überall ihresgleichen sehen.“ Am 18. September 1772 zieht Wieland als Prinzenerzieher nach Weimar.</p>
<blockquote>
<p class="p4">„Es gibt eine Art von Ehrgeiz, die zu den Pflichten eines jeden Mannes von Ehre gehört; und das ist der Ehrgeiz, es richtig zu machen.“ Wieland am 19. Juli 1772 an Anna Amalia.</p>
</blockquote>
<p class="p4"><b>Wieland als Prinzenerzieher</b></p>
<p class="p4">Bei Wielands Ankunft besteht Weimar aus etwa 6000 Einwohnern, zwei Kirchen und einem Schloss. Abgesehen von einer großen Bibliothek unterscheidet es sich nicht von vielen anderen deutschen Kleinstädten. Herzogin Anna Amalia regiert seit 1759 anstelle ihres unmündigen Sohnes Carl August. Bis zu seinem Regierungsantritt 1775, soll Wieland den zukünftigen Herrscher auf seine Aufgabe vorbereiten.</p>
<p class="p4">Sein Ziel war, Carl August zu einem aufgeklärten Herrscher mit Herz und Gefühl für seine Untertanen heranzubilden. An <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4873" target="_blank" rel="noopener">Anna Amalia</a></em> schrieb er: „Der wirkliche Ruhm eines Herrschers besteht darin, sich selbst und sein Land gut regieren zu können, alle seine Pflichten zu erfüllen, sein Volk so glücklich wie möglich zu machen, von denen, die mächtiger sind als er soweit wie erreichbar unabhängig zu bleiben, seine Wünsche zu mäßigen, schließlich Philosoph und Christ zu sein und nie den Augenblick zu vergessen, an dem er Gott, dem allerhöchsten Herrscher, Rechenschaft darüber abgeben muss, in welcher Weise er von seiner Macht, Gutes und Böses zu tun, Gebrauch gemacht hat“.</p>
<p class="p4">Carl August wurde zu einem der fortschrittlichsten und populärsten Regenten seiner Zeit. Als erstes deutsches Land erhielt Sachsen-Weimar-Eisenach 1816 eine landesständische Verfassung, die u. a. die Pressefreiheit und das Recht der freien Meinungsäußerung gewährte. Im Jahr 1821 erließ er ein fortschrittliches Einkommenssteuergesetz und er erlaubte die Gründung der Burschenschaft 1815 und die Abhaltung des Wartburgfests 1817. Carl August machte Weimar zu einem Musterstaat.</p>
<p class="p4"><b>Die Geburtsstunde der Weimarer Klassik</b></p>
<p class="p4">Wieland hegte große Pläne für das ländliche Weimar. Die Kleinstadt sollte ein neues kulturelles Zentrum werden, das weit über die Grenzen des Fürstentums Bedeutung erlangt. So verwirklicht er kurz nach seiner Ankunft zwei Pläne. Er gründet eine literarisch politische Zeitschrift „Der Teutsche Merkur“und er schreibt für den Weimarer Hof die erste deutschsprachige Oper, „Alceste“, vertont von Anton Schweizer.</p>
<p class="p4">Durch Wielands Wirken wird Weimar für <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1314" target="_blank" rel="noopener">Goethe</a></em> attraktiv genug, um 1775 der Einladung durch Herzog Carl August zu folgen. Wieland und <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1314" target="_blank" rel="noopener">Goethe</a> </em>holen 1776 Herder nach Weimar, 1799 folgt <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/3354" target="_blank" rel="noopener">Schiller</a></em>. Diese einzigartige Konstellation wird später die Weimarer Klassik genannt.</p>
<p class="p4">„Sein Äußeres hat mich überrascht. Was er ist, hätte ich nicht in diesem Gesicht gesucht &#8211; doch gewinnt es sehr durch den augenblicklichen Ausdruck seiner Seele, wenn er mit Wärme spricht“, schreibt <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/3354">Schiller</a></em> von seinem ersten Treffen mit Wieland.</p>
<p class="p4">Nach dem Tod Wielands bezeugt <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1314">Goethe</a></em> in seiner Autobiografie „Aus meinem Leben -Dichtung und Wahrheit“: „Wieland besaß unter allen das schönste Naturell.“</p>
<p class="p4"><b>„Der Teutsche Merkur“</b></p>
<p class="p4"><span class="s1">„</span>Ich bin entschlossen eine Art von Journal zu entrepeniren, welches einige Ähnlichkeit mit dem „Merkur de France“ haben soll. Prosaische Original-Aufsätze, Litterarische Nachrichten, Recensionen und Revisionen unrichtiger Urtheile über interessante Schriften, sollen die Haupt-Artikel davon ausmachen.“ Zudem sollte das neue Journal so geschrieben sein, „daß es nicht für Gelehrte allein, sondern auch für Damen und Edelleute interessant würde“.</p>
<p class="p4">„Der Teutsche Merkur“ (1773-1789) und „Der Neue Teutsche Merkur“ (1790-1810) widmeten sich aktuellen literarischen, politischen und wirtschaftlichen Ereignissen. „Das Attische Museum“ (1796-1802) und „Das Neue Attische Museum“ (1805-1809) war hauptsächlich der Antike gewidmet.</p>
<p class="p4">Die erste Rubrik, die konstant über zwei Jahre jeden Monat erschien, war die von Wieland initiierte Reihe über historisch bedeutende Persönlichkeiten. Auch andere Gelehrte, zum Beispiel Johann Gottfried Herder schrieben regelmäßig Beiträge für dieses Format.</p>
<p class="p4">„Der Teutsche Merkur“ war die langlebigste Kulturzeitschrift jener Jahre und das einflussreichste und meist diskutierte deutsche Periodikum. Vor allem während der Französischen Revolution war „Der Neue Teutsche Merkur“ eine der wichtigsten Zeitschriften, in denen das Pro und das Contra der Ereignisse intensiv und ausgewogen erörtert wurden. Seine Leser sollten sich eine eigene Meinung bilden, denn darin sah Wieland die Aufgabe des politischen Journalismus. „Der Himmel verhüte, dass ich von irgend einem denkenden Wesen verlange, mit mir überein zu stimmen, wenn er von der Richtigkeit meiner Behauptungen oder Meynungen nicht überzeugt ist; oder daß ich jemahls fähig werde, jemandem meinen Beyfall deßwegen zu versagen, weil er nicht meiner Meynung ist.“, schreibt Wieland in „Der Neue Teutsche Merkur“ im Mai 1794.</p>
<p class="p4">Am 06. Oktober 1808 lädt sich Napoleon „zu Jagd und Tafel“ selbst nach Weimar ein. Beim abendlichen Ball im Schloss lässt er nach Wieland schicken, dem Mann, der seinen Aufstieg vorausgesagt hatte. Der greise Dichter erscheint ohne Perücke, ungepudert und schlicht gekleidet. Beide unterhielten sich anderthalb Stunden wie alte Bekannte. Napoleon würdigte den greisen Dichter und bezeichnete ihn als „Voltaire Deutschlands“.</p>
<p class="p4"><b>Die „Freyheit der Presse“</b></p>
<p class="p4">Die Ereignisse in Frankreich führten zu einer Einschränkung der Pressefreiheit in Deutschland. Doch für Wieland war die Freiheit der Presse die Grundbedingung aller politischen Freiheit. So schrieb er in „Der Teutsche Merkur“ im September 1785:</p>
<p class="p4">„Freyheit der Presse ist Angelegenheit und Interesse des ganzen Menschen-Geschlechtes. Dieser Freyheit hauptsächlich haben wir den gegenwärtigen Grad von Erleuchtung, Kultur und Verfeinerung, dessen unser Europa sich rühmen kann, zu verdanken. Man raube uns diese Freyheit, so wird das Licht, dessen wir uns jetzt erfreuen, bald wieder verschwinden; Unwissenheit wird bald wieder in Dummheit ausarten, und Dummheit wird uns wieder dem Aberglauben und dem tyrannischen Despotismus preisgeben.“</p>
<p class="p4"><b>„Die irdische Verstrickung lösen“</b></p>
<p class="p4">Im Januar 1813 bekam Wieland einen leichten Schlaganfall, von dem er sich zunächst zu erholen schien. Doch dann verschlimmert sich sein Zustand. Er spricht im Fieber, zitiert Shakespeares bekannten Vers „Sein oder Nichtsein&#8230;“ auf Deutsch und Englisch. Kurz vor Mitternacht des 20. Januar tat er seinen letzten Atemzug.</p>
<p class="p1">Ganz Weimar war von der Todesnachricht bewegt. Viele Bürger, Freunde und Verehrer statteten ihm einen letzten Besuch ab.</p>
<p class="p4">„Unsre größte Angelegenheit ist, zu wissen, wer wir selbst sind, wo wir sind, und wozu wir sind. Hierin führen uns unsre Sinne mit Hilfe unsrer Vernunft gerade so weit, aber nicht einen Schritt weiter, als nötig ist, um einzusehen, dass wir in diesem kurzen Dasein unsern Wünschen und Bestrebungen kein höheres Ziel setzen können, als selbst glücklich zu sein und so viel Glück als möglich um uns her zu verbreiten. Weiter reicht unser Vermögen nicht.“<span class="Apple-converted-space">  </span>(Geschichte des Agathon, III. Teil)</p>
<p>&#160;</p>
<p class="p4">Auf meinem Gan Jing World-Kanal: https://ganjing.one/BettinasJungbrunnen findet ihr ein kurzes Video über Christoph Martin Wieland.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/61e027dbb3654b4e8bd337bca4664f27" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Elisabeth von Thüringen: „Man muss die Menschen nur froh machen!“</title>
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		<pubDate>Mon, 08 May 2023 08:40:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Elisabeth stieg mit Jutta und Isentrud nach Eisenach hinab. Sie trug einen Korb voller Brot, Jutta und Isentrud Wein und Fleisch. Alle drei verdeckten die Körbe mit ihren weiten Mänteln, damit niemand von der Burg sich ärgern sollte. Wie sie am Ende des Weges bei einer Biegung angelangt waren, rief Isentrud erschrocken: „Kommt dort nicht<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5402" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
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