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	<title>Sprache</title>
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	<title>Sprache</title>
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		<title>Karl Valentin: Der Mann, der dem Unsinn Sinn gab</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Jun 2025 20:47:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Walhalla]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Er drehte an der Sprache, bis sie sich selbst widersprach – und traf damit oft mitten ins Schwarze. Karl Valentin, ein Clown mit Tiefgang und feinem Störgefühl fürs Normale.<span id="more-6553"></span></p>
<p><strong>„Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“</strong></p>
<p>Am 4. Juni 1882 wurde Karl Valentin in München geboren. Er schuf eines der eigensinnigsten Werke der deutschen Sprach- und Komikgeschichte.</p>
<p>Valentin war kein gewöhnlicher Komiker. Er war ein Sprachzerleger, ein Logikverdreher, ein Philosoph im Dialektkostüm. Aus harmlosen Alltagsbeobachtungen schälte er den Irrsinn der Welt. Er ließ seine Figuren stottern, streiten, missverstehen – und hielt uns damit einen Spiegel vor, der oft komischer war als das Original.</p>
<p><strong>„Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“</strong></p>
<p>Karl Valentin war kein Systemkritiker im klassischen Sinn – aber ein genauer Beobachter. Seine Figuren verheddern sich in Sprache, in Vorschriften, in sich selbst. Gerade darin lag seine Wirkung. Bertolt Brecht bewunderte ihn. Loriot und Gerhard Polt ließen sich von ihm prägen. Auch Thomas Mann zählte zu seinen Bewunderern.</p>
<p>Im Jahr 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, schrieb Valentin einen Text mit dem harmlosen Titel „Kriegs-Erklärung“. Er entwarf darin eine groteske Alternative zur Gewalt: Zwei Länder führen keinen blutigen Krieg mehr, sondern ein Tauziehen mit je 1000 starken Männern, mitten auf einem Feld. Wer verliert, zahlt Lösegeld – aber niemand stirbt.</p>
<p>„Keine Blutstropfen – – nur Schweißtropfen – – werden bei diesem Kriege fließen!!!“<br />
Was wie ein kurioser Gedankengang klingt, ist in Wahrheit ein subversiver Appell für den Frieden, verpackt in der scheinbar harmlosen Logik eines Komikers. In einer Zeit, in der Kritik lebensgefährlich sein konnte, formulierte Valentin einen leisen, aber unüberhörbaren Gegenentwurf zum Wahnsinn des Krieges.</p>
<p>Auch im Film brachte Karl Valentin seinen absurden Humor zur Geltung: reduziert, sprachverliebt, oft mit minimalen Mitteln. Seine Kurzfilme wirken wie auf die Leinwand gebrachte Sprachspiele – komisch, zeitkritisch und ihrer Zeit voraus.</p>
<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wandte sich das Publikum von Karl Valentin ab. Sein sprachkritischer, hintergründiger Humor passte nicht zur Stimmung der Zeit: Die Menschen suchten Leichtigkeit, Aufbruch, Ablenkung – nicht die Konfrontation mit Absurdität und Widerspruch.</p>
<p>Valentin zog sich zurück. Seine Wohnung in München war zerstört, er lebte zuletzt in seinem Haus in Planegg bei München. Dort verbrachte er seine letzten Jahre in großer materieller Not, unterernährt, gesundheitlich geschwächt und weitgehend isoliert.</p>
<p>Am 9. Februar 1948 starb Karl Valentin an einer Lungenentzündung, vermutlich infolge von Grippe und Schwäche. Sein Tod blieb nahezu unbeachtet – sein Werk dagegen wirkt bis heute.</p>
<p><strong>„Wer am Ende ist, kann von vorne anfangen. Denn das Ende ist der Anfang von der anderen Seite.“</strong></p>
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		<title>Acht Taler und ein Traum – Jean Pauls Weg in die Literatur</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/6516</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Mar 2025 10:27:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten die inspirieren]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Ich mag ja auch nicht viel – acht Taler sollen mich zufrieden stellen.“ Jean Pauls Weg begann mit Schulden und einem verzweifelten Brief an seine Mutter. Am Ende schrieb er sich in die Herzen der Deutschen – und sogar in die Musik von Schumann, Mahler und Reinecke.<span id="more-6516"></span></p>
<p class="p1">Mai 1781. Ein junger Mann betritt Leipzig. Die Universitätsstadt pulsiert, Händler preisen ihre Waren an, Studenten debattieren angeregt in den Kaffeehäusern. Zwischen ihnen bewegt sich Johann Paul Friedrich Richter, Sohn eines Pfarrers und einer Tuchmacherstochter. Er trägt keine vornehme Kleidung, kein Zeichen von Reichtum oder Ansehen. Nur ein Wunsch treibt ihn an: zu studieren, zu lernen, sich aus der Enge seiner Herkunft zu befreien. Doch die Realität holt ihn bald ein.</p>
<p class="p1">Seine Ankunft in Leipzig war nicht einfach. Die Reise hatte er mit knappen Mitteln bestritten, voller Hoffnungen, aber auch von Zweifeln geplagt. Bald merkte er, dass Wissen allein nicht ausreicht, wenn der Magen leer ist und die Gläubiger vor der Tür stehen.</p>
<p class="p1">„Wenn Sie nur wüßten, wie ungern ich daran gehe, Sie mit Geldbitten zu belästigen! Aber könnte ich anders! Und doch will ich gar nicht viel, weil ich Ihren Geldmangel kenne, und weis, wie viele Unterstüzung meine Brüder noch brauchen.</p>
<p class="p1">Ich will nicht von Ihnen Geld um meinen Speiswirt zu bezalen, dem ich 24 rtl. schuldig bin, oder meinen Hauswirt, dem ich 10 rtl., oder andre Schulden, die über 6 rtl. ausmachen &#8211; zu allen diesen Posten verlang‘ ich von Ihnen kein Geld; ich will sie stehen lassen bis zu Michael, wo ich diese Schulden und die noch künftig zu machende, unfehlbar zu bezalen in Stand gesezt sein werde &#8211; Also zu dieser grossen Summe verlange ich von Ihnen keine Beihülfe &#8211; aber zu folgenden müssen Sie mir Ihre Hülfe nicht abschlagen. Ich mus alle Wochen die Wäscherin bezalen, die nicht borgt, ich mus zu früh Milch trinken; ich mus meine Stiefel vom Schuster besolen lassen, der ebenfals nicht borgt, mus meinen zerrissenen Biber ausbessern lassen vom Schneider, der gar nicht borgt &#8211; mus der Aufwärterin ihren Lohn geben, die natürlich auch nicht borgt &#8211; und dies mus ich nur iezt alles bezalen, und bis auf Michael noch weit mehr.</p>
<p class="p1">Nun sehen Sie, zur Bezalung dieser Sachen werden Sie mir doch wol hülfiche Hand leisten können &#8211; ich wüste gar nicht was ich anfangen solte, wenn Sie mich stekken liessen. Glauben Sie denn, daß ich Sie mit Bitten plagen würde, wenn ich es nicht höchst nötig hätte. Ich mag ia auch nicht viel; acht Taler sächsisch Geld sollen mich zufrieden stellen, und gewis werd‘ ich dan Ihre Hülfe nicht mehr so nötig haben. Denn das dürfen Sie nicht glauben, daß mein Mittel, Geld zu erwerben, nichts tauge; weil es etwan noch nicht angeschlagen hat. O Nein! durch eben dieses getraue ich mich zu erhalten, und es komt nur auf den Anfang an. Von diesem Mittel mehr zu schreiben verbietet mir der enge Raum meines Briefs [&#8230;] Übrigens verlass‘ ich mich darauf, daß Sie mich nicht länger in der Not stecken lassen, und mir mit dem nächsten Posttag schreiben. Acht Taler, wie gesagt, verlang‘ ich blos, und diese werden Sie doch auftreiben können. &#8211; Schreiben Sie mir ia bald, ich bin</p>
<p class="p1">Ihr geh. Sohn J. P. F. Richter&#8220;</p>
<p class="p1">Die wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Familie hatten sich seit dem Tod des Vaters 1779 stetig verschlechtert. Die Mutter zog mit ihren Kindern nach Hof, wo sie in bescheidensten Verhältnissen lebten. Trotzdem bestand der Wunsch, dass der begabte Sohn studieren sollte. Doch Theologie, das Fach, für das er sich auf Wunsch des Vaters eingeschrieben hatte, fesselte ihn nicht. Stattdessen vertiefte er sich in Philosophie, Literatur und die Schriften Rousseaus, Voltaires und Shaftesburys.</p>
<p class="p1">Sein Name sollte eines Tages in aller Munde sein – doch zu diesem Zeitpunkt war er nur einer von vielen jungen Männern, die in Leipzig ihr Glück suchten. Die Schulden wuchsen, seine Hoffnungen schwanden. Als die Not unerträglich wurde, griff er zur Feder und schrieb am 21. August 1782 jenen flehenden Brief an seine Mutter.</p>
<p class="p1">Doch die erhoffte Rettung blieb aus. Im November 1784 musste Jean Paul sein Studium abbrechen und Leipzig ohne Abschluss verlassen. Er kehrte nach Hof zurück. Jahre später, im Jahr 1796, wagte er den nächsten Schritt: In drei Tagesmärschen wanderte er knapp 130 Kilometer von Hof nach Weimar – ins Herz der deutschen Klassik. Nach nur drei Wochen verließ er Weimar wieder. „Hier sind wenig Herzen, die ihn ganz verstehen.“, schrieb Caroline Herder, die ihm freundlich gesonnen war.</p>
<p class="p1">Was in Leipzig mit Entbehrung und Mangel seinen Anfang nahm, führte letztlich durch Zielstrebigkeit und den festen Glauben an sich selbst zu einer bemerkenswerten literarischen Laufbahn. Mit 30 Jahren gelang ihm der Durchbruch: „Die unsichtbare Loge“ erschien, und mit ihr begann der Aufstieg eines Mannes, der sich fortan Jean Paul nannte – aus Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau.</p>
<p class="p1">Jean Pauls Schriften nehmen eine Sonderstellung zwischen Klassizismus und Romantik ein, geprägt von Witz, Tiefe und einer ganz eigenen erzählerischen Handschrift. So fanden seine Werke nicht nur ein breites Publikum, sondern Wertschätzung auch in höchsten Kreisen – wie etwa bei Königin Luise von Preußen.</p>
<p class="p1">Nicht zuletzt inspirierte er auch Komponisten: Carl Reinecke vertonte seine Gedichte, Robert Schumann komponierte die Papillons nach einem Romanfragment aus den „Flegeljahren“, und Gustav Mahler griff in seiner 1. Symphonie – ursprünglich mit dem Untertitel „Titan“ – Jean Pauls gleichnamigen Roman als atmosphärischen Ausgangspunkt auf.</p>
<p class="p1">Jean Pauls Werk entzieht sich bis heute jeder literarischen Schublade – und genau darin liegt seine bleibende Faszination. Sprache, Denken und Erzählweise verbinden sich bei ihm zu einer Literatur, die sich dem Gewöhnlichen entzieht und immer wieder neu entdeckt werden kann.</p>
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		<item>
		<title>Martin Luther hat „dem Volk aufs Maul geschaut“</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5286</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Feb 2023 12:56:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p style="font-weight: 400;">Als Deutschland in eine Vielzahl kleiner Staatsgebilde aufgespalten war, erschuf Luther ein Lebensbuch für viele Menschen und legte zugleich den Grundstein einer einheitlichen <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" target="_blank" rel="noopener">Sprachkultur</a></em>. Kein anderes Buch hat den Stellenwert in der Geschichte der deutschen Sprache wie die <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5819" target="_blank" rel="noopener">Bibel</a></em>.<span id="more-5286"></span></p>
<p style="font-weight: 400;">Unheilverkündende Wolken färben den Himmel schwarz. Sturmböen und Starkregen peitschen über das Land. Ein einsamer Reisender ist den Naturgewalten im freien Flur ausgeliefert und versucht, dem Unwetter zu trotzen. Martin Luther reist zu Fuß von einem Besuch bei seinen Eltern zurück zur Universität Erfurt. Hier studiert er seit 1501 die „sieben freien Künste“ (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie) mit dem Ziel, Jurist zu werden. In seiner Nähe schlägt ein Blitz ein, der Luftdruck schleudert ihn zu Boden. Die Elemente sind in Aufruhr und die Hoffnung Luthers, das Gewitter heil zu überstehen, ruht in den Händen der Heiligen Anna. „Hilf du, Heilige Anna, ich will ein Mönch werden!&#8220; Es war der 2. Juli 1505, Luthers Schicksalstag. Am 17. Juli begibt sich Martin Luther, zum Zorn seines Vaters, in den Augustinerorden in Erfurt. Er studiert Theologie und promoviert zum Doktor der Heiligen Schrift. Sein Kampf um die deutsche Sprache und den großen geistigen und religiösen Fragen beginnt. Denn ein Bibeltext „muss gleichzeitig verständlich zu uns sprechen und den Eindruck seines hohen Alters und seiner sakralen Dimension vermitteln“.</p>
<p style="font-weight: 400;">So wie Luther hatten auch vorangegangene Bibelübersetzer ihr Ringen mit dem Vokabular sowie mit den Kirchenmännern und Gelehrten. „Also ging es Sankt Hieronymo auch; da er die Biblia dolmetscht, da war alle Welt sein Meister, er allein war es, der nichts konnte, und es urteilten über das Werk des guten Mannes diejenigen, so ihm nicht genug gewesen wären, daß sie ihm die Schuhe hätten sollen wischen.“, urteilt Luther. Kirchenvater Hieronymus schuf um das Jahr 390 die Vulgata, die lateinische Bibel der römischen Kirche.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>„Hier stehe ich und kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen!“</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Schon 200 Jahre vor Luther, also spätestens ab 1330, waren deutsche Übersetzungen der kompletten Bibel als Handschriften sowie in 18 verschiedenen <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5819" target="_blank" rel="noopener">Druckausgaben</a></em> im Umlauf. Somit ist die Bibelübersetzung ins <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" target="_blank" rel="noopener">Deutsche</a></em> nichts Neues. Jedoch gab es zu dieser Zeit keine einheitliche deutsche Sprache und so sind 14 Exemplare in oberdeutschen Sprachvarianten und vier in niederdeutschen gedruckt. Außerdem basierten die vorlutherischen Ausfertigungen auf der lateinischen Vulgata, in die sich im Laufe der Jahrhunderte Fehler und Anpassungen einschlichen und die in ihrer gestelzten Sprache eher Geistlichen diente.</p>
<div id="attachment_5324" style="width: 271px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7858-Bearbeitet-Bearbeitet.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5324" class="wp-image-5324 size-medium" src="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7858-Bearbeitet-Bearbeitet-261x300.jpg" alt="" width="261" height="300" srcset="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7858-Bearbeitet-Bearbeitet-261x300.jpg 261w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7858-Bearbeitet-Bearbeitet.jpg 667w" sizes="(max-width: 261px) 100vw, 261px" /></a><p id="caption-attachment-5324" class="wp-caption-text">Luthers 95 Thesen gegen den Ablassmissbrauch an der Tür der Schlosskirche in Wittenberg. (Thesenanschlag)</p></div>
<p style="font-weight: 400;">Ungeachtet seines Standes und Ranges, sollte jeder Gläubige die Bibel lesen können und dürfen. Der Einzelne gewinne seiner Meinung nach in der Freiheit des Glaubens eine Eigenidentität, die er bisher in dieser Form nicht hatte. Als Christenmensch sei der „gemeine Mann“ ebenbürtig, gleichberechtigt und Einzelseele vor Gott. Hierarchie und Obrigkeitsstrukturen lehnte Luther konsequent ab.</p>
<p>So kämpfte Luther gegen die Fehlentwicklungen der damaligen römisch-katholischen Kirche. Vor allem der Betrug mit dem Ablasshandel, an dem sich die Kirche bereicherte und u. a. den Bau des Petersdoms finanzierte, missfielen ihm sehr. Luther, der die Päpste &#8222;Teufelsdiener&#8220; nannte, erklärte: Wer Gott reden hören will, der lese die heilige Schrift, wer den Teufel reden hören will, der lese des Papstes Dekrete und Bullen.&#8220;</p>
<p>Seine Übersetzung der Bibel basiert auf dem griechischen Urtext und versprach, das Wort Gottes rein und unverfälscht zu verkünden.</p>
<p>&#160;</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Luther als Katalysator der deutschen Sprache</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Doch um die biblische Botschaft sinnentsprechend korrekt und eingängig unters Volk zu bringen, war ein überregionaler Sprachausgleich vonnöten. Niederdeutsch, Oberdeutsch, Mitteldeutsch und etliche Dialekte erschwerten die allgemeine Verständlichkeit. Beispielsweise hieß es im Niederdeutschen „minne“ und im Oberdeutschen „Liebe“.</p>
<p style="font-weight: 400;">Hölzerne Formulierungen übersetzte Luther in eine lebensnahe und bildhafte, in eine dem Volk einleuchtende <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" target="_blank" rel="noopener">Sprache</a></em>.</p>
<p style="font-weight: 400;">„Man muß die Mutter im Haus, die Kinder auf den Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden und danach dolmetschen; so verstehen sie es denn und merken, dass man deutsch mit ihnen redet.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Schwierigkeiten der passenden Wortfindung beschreibt Luther im „Sendbrief vom Dolmetschen“: „Und ist uns wohl oft begegnet, dass wir vierzehn Tage, drei vier Wochen haben ein einziges Wort gesucht und gefragt, haben´s dennoch zuweilen nicht gefunden&#8230;“</p>
<p style="font-weight: 400;">Luthers Grundsatz beim Übersetzen war, dass der Übersetzer nicht am Wortlaut seiner Vorlage verharrt, sondern deren Sinn wiedergeben muss. „Wer deutsch reden will, der muss nicht der hebräischen Wort´ Weise führen, sondern muss darauf sehen, wenn er den hebräischen Mann verstehet, dass er den Sinn fasse und denke also: Lieber, wie redet der deutsche Mann in solchem Fall?“ Luther kämpfte mit dem rechten Ausdruck, wie er auch mit seinen Gegnern kämpfte. „Denn wer dolmetzschen will, muss große vorrat an worten haben.“</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>„Übersetzer dürfen nicht allein sein“</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">„Translatores non debent esse soli, denn ei´m einigen fallen nicht allzeit gut et propria verba zu.“ (Übersetzer dürfen nicht allein sein; denn einem einzelnen fallen nicht allezeit gute und passende Wörter ein.) Schon beim „September-Testament“ 1522, das Luther in wenigen Wochen allein auf der <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/724" target="_blank" rel="noopener">Wartburg</a></em> übersetzte, zog er vor dem Druck als Fachmann für das Griechische Philipp Melanchton heran. Ebenso unterstützten ihn die Wittenberger Theologie-Professoren Matthäus Aurogallus sowie Caspar Cruziger als Experten für das Hebräische. Trotz dieser und viele weiterer „Gehülfen“ lag die letzte Entscheidung bei Luther selbst. „Was wir darüber gelitten, getan und dran gewandt, das soll niemand erkennen, denn des die Gaben sind und der durch uns unwürdige, elende, arme Werkzeug solchs gewirkt hat. Dem sei allein die Ehre, Lob und Dank in Ewigkeit. AMEN.“</p>
<div id="attachment_5325" style="width: 235px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/Wartburg1-Bearbeitet.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5325" class="wp-image-5325 size-medium" src="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/Wartburg1-Bearbeitet-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" srcset="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/Wartburg1-Bearbeitet-225x300.jpg 225w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/Wartburg1-Bearbeitet.jpg 576w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a><p id="caption-attachment-5325" class="wp-caption-text">Auf der Wartburg übersetzte Martin Luther unter dem Decknamen Junker Jörg vom 4. Mai 1521 bis März 1522 das Neue Testament. in die deutsche Sprache.</p></div>
<p style="font-weight: 400;"><strong>„Sendbrief vom Dolmetschen“ </strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Der Sendbrief vom Dolmetschen ist eine Art Offener Brief, den Luther um 1530 auf der Veste Coburg verfasste. Als Flugschrift, eine Art Fürsprache für verständliches Deutsch, erläutert und rechtfertigt Luther seine Vorgehensweise beim Übersetzen der Bibel.</p>
<p style="font-weight: 400;">„Wer am Wege bauet, der hat viel Meister. Also gehet mir&#8217;s auch. Diejenigen, die noch nie haben recht reden können, geschweige denn dolmetschen, die sind allzumal meine Meister, und ich muss ihrer aller Jünger sein. (&#8230;) Darum gehöret große Geduld dazu, wenn jemand etwas öffentlich Gutes tun will; denn die Welt will Meister Klüglin bleiben und muss immer das Ross vom Schwanz her aufzäumen, alles meistern und selbst nichts können. Das ist ihre Art, davon sie nicht lassen kann.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Dank Luthers tiefer Vertrautheit mit dem Wort und seinem lebendigen Sprachgefühl wurde seine Bibelübersetzung für Jahrhunderte zu einem deutschen Volksbuch, das die Menschen im Leben und im Sterben begleitete. Zu seinen Lebzeiten wurden ca. 500.000 Lutherbibeln gedruckt &#8211; in Deutschland lebten zu dieser Zeit 12-15 Millionen Menschen und eine Bibel hatte den Gegenwert von 2,5 Rindern.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Leser lernten Sprachformen kennen, die nicht mit denen identisch waren, die sie in ihrer alltäglichen Redeweise verwendeten und so bildete sich eine relativ einheitliche Schrift- und Hochsprache heraus. Das Einheitsdeutsch setzte sich schließlich nach ca. 300 Jahren durch und biblische Ausdrücke bürgerten sich auch im weltlichen Bereich ein. Zu den geflügelten Worten der Lutherbibel zählen der Lückenbüßer, Feuereifer, Herzenslust aber auch der Schandfleck oder das Lästermaul. Metaphern wie „Perlen vor die Säue werfen“, der „Wolf im Schafspelz“ oder „die Zähne zusammenbeißen“ gehen ebenfalls auf Luther zurück.</p>
<p>„Für meine lieben Deutschen bin ich geboren, ihnen will ich dienen!“, bekannte der Reformator und Phillip Melanchton verkündete bei Luthers Begräbnis: „Auch wenn er gestorben ist &#8211; er lebt!“. <img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/9c71c11258aa47b8a1af7408a677ec96" alt="" width="1" height="1" /></p>
<div id="attachment_5327" style="width: 214px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7883-Bearbeitet.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5327" class="wp-image-5327" src="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7883-Bearbeitet-225x300.jpg" alt="" width="204" height="272" srcset="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7883-Bearbeitet-225x300.jpg 225w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7883-Bearbeitet.jpg 576w" sizes="auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px" /></a><p id="caption-attachment-5327" class="wp-caption-text">Altar Schlosskirche Wittenberg.</p></div>
<div id="attachment_5326" style="width: 280px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7871-Bearbeitet.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5326" class="wp-image-5326" src="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7871-Bearbeitet-300x225.jpg" alt="" width="270" height="203" srcset="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7871-Bearbeitet-300x225.jpg 300w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7871-Bearbeitet-768x576.jpg 768w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2023/02/IMG_7871-Bearbeitet.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px" /></a><p id="caption-attachment-5326" class="wp-caption-text">Innenansicht der Schlosskirche Wittenberg in der Luther am 22.02.1546 begraben wurde.</p></div>
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			</item>
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		<title>Ein Jahrhunderte währender Streit: Wie schreibt man deutsch?</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Oct 2022 19:16:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p class="auszug">Fraktur, Antiqua oder Minuskel, welche dieser Schriften kann wirklich als „deutsche Schrift“ bezeichnet werden? Welche Schrift fließt leicht aus der Feder und schont das Auge? In den letzten Jahrhunderten diskutierten Gelehrte, Politiker und Buchdrucker diese Fragen.</p>
<p><span id="more-4855"></span></p>
<p>Die Grundlage für unsere heutige Schreib– und Druckschrift basiert auf dem lateinischen Alphabet und besteht aus je 26 Majuskeln und Minuskeln sowie Buchstabenkombinationen mit Umlauten und Akzentzeichen. Zuvor prägten unzählige Schriftformen die gedruckten und handgeschriebenen Werke. Den gebrochenen Schriften, Frakturschriften, haftet bis heute das Odium des Deutschnationalen an, obwohl sie seit dem 16. Jahrhundert die am meisten verwendete Druckschrift im deutschsprachigen Raum war. Volkstümliche Drucke erschienen in Fraktur. Dichter, die auf eine große Verbreitung ihrer Werke Wert legten, ließen sie in Fraktur drucken.</p>
<p>Tatsächlich wurde die Frakturschrift 1941 von den Nationalsozialisten verboten, nachdem sie zuvor von ihnen propagiert worden war. Durch die fortwährende Ideologisierung der Fraktur ist der Umgang mit ihr fast vollständig verloren gegangen. Ganze Bibliotheksbestände aus Jahrhunderten drohen in Vergessenheit zu geraten, weil kaum jemand noch in der Lage ist, sie zu lesen.</p>
<p><strong>Verbot der Fraktur</strong></p>
<p>Am 17. August 1934, im Jahr nach der Machtergreifung, bekräftigte Adolf Hitler die dauerhafte Vormachtstellung der deutschen Fraktur gegenüber der lateinischen Antiqua. Er reagierte damit auf die zunehmende Verwendung der Antiqua für <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5286" target="_blank" rel="noopener">deutschsprachige</a></em> Texte im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Während im Jahr 1861 noch 78 Prozent aller in Deutschland gedruckten Bücher in Fraktur gesetzt wurden, waren es 1891 nur noch 59 Prozent und im Jahr 1928 lediglich 57 Prozent.</p>
<p>Nachdem allerdings die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg Polen, Frankreich, die Niederlande und Belgien besetzt hatte und Hitler die Feldzüge in Jugoslawien und Griechenland sowie den späteren Einmarsch in die Sowjetunion plante, warf er seine Vorstellung von der Dominanz der Fraktur recht schnell über Bord.</p>
<p>Die Fraktur behinderte die Verständigung mit der Bevölkerung in den besetzten Gebieten. Die von den Deutschen erlassenen Gesetze und Befehle waren schwer lesbar und konnten somit nicht befolgt werden. Zudem erschwerte sie die Briefzensur. In einem Rundschreiben vom 3. Januar 1941 wurde angeordnet, dass die Antiqua-Schrift künftig als Normalschrift zu bezeichnen sei.</p>
<p>Jahrzehnte zuvor plagte die Fraktur ein Akzeptanzproblem in den Volksschulen, denn sie galt als zu schwer zu erlernen. Am 4. Mai 1911 erreichte der vorangegangene Schriftstreit zwischen der Antiqua und der Fraktur im deutschen Reichstag einen neuen Höhepunkt. Das preußische Kultusministerium erteilte den Auftrag, eine einfachere, aber dezidiert „deutsche“ Schreibschriftvariante zu entwerfen, die auch als Erstschrift für Schulanfänger geeignet sei. Den ausgeschriebenen Wettbewerb konnte der Berliner Grafiker und Pädagoge Ludwig Sütterlin für sich entscheiden. Die Sütterlinschrift wurde 1917 unter dem Titel „Neuer Leitfaden für den Schreibunterricht“ präsentiert und 1934 für das gesamte Reich verbindlich. Fraktur und Antiqua wurden als Druckschrift weiterhin verwendet.</p>
<p><strong>Maximilian I. und die Schöpfung der Fraktur</strong></p>
<p>Doch wie entstand die Fraktur? Kaiser Maximilian I. war ein Kenner und Liebhaber der Kalligrafie. Er zog im 15. Jahrhundert die noch junge Kunst des Buchdrucks <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5819" target="_blank" rel="noopener">Johannes Gutenbergs</a></em> heran, um seine Macht durch schöne Schriftwerke zur Schau zu stellen. Für prächtige Bauwerke fehlten ihm die finanziellen Mittel.</p>
<p>Die kaiserlichen Drucke sollten seiner national bewussten Geisteshaltung entsprechen und demnach wurde auf die Verwendung der lateinischen Schrift, die humanistischen Minuskel, verzichtet. Schreibmeister und Kalligrafen entwarfen Vorlagen, die der Kaiser korrigierte. Am 30. Dezember 1513 war der Druck des Gebetsbuches für Maximilian I. beendet. Damit war die erste Fraktur entstanden – das Buch kann als eine der größten Schöpfungen der deutschen Buchkunst bezeichnet werden.</p>
<p><strong>Grimm: „Ungestalte und hässliche Schrift“</strong></p>
<p>Im Laufe der Jahrhunderte gab es Fürsprecher und Kritiker der Fraktur. Als Streiter für die ausschließliche Verwendung der lateinischen Schrift setzte sich <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1470" target="_blank" rel="noopener">Jakob Grimm</a></em> ein. In der Vorrede zum „<em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5286" target="_blank" rel="noopener">Deutschen Wörterbuch</a></em>“, das 1854 in Leipzig erschien, schreibt er: „Es verstand sich fast von selbst, dass die ungestalte und hässliche Schrift, die noch immer unsere meisten Bücher gegenüber denen aller übrigen gebildeten Völker von außen barbarisch erscheinen lässt und einer sonst allgemeinen Übung unteilhaftig macht, beseitigt bleiben müsste. Leider nennt man diese verdorbene und geschmacklose Schrift sogar eine deutsche … Nichts ist falscher, und jeder Kundige weiß, dass im Mittelalter durch das ganze Europa nur eine Schrift, nämlich die lateinische, für alle Sprachen galt und gebraucht wurde.“<img loading="lazy" decoding="async" class="lazy" src="https://vg06.met.vgwort.de/na/cf25c4fe20b5488a880671620cef8fdc" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Seine Meinung fand nur im Rahmen der wissenschaftlichen Literatur Geltung. Selbst die <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4638" target="_blank" rel="noopener">Kinder- und Hausmärchen</a></em> der <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1470" target="_blank" rel="noopener">Gebrüder Grimm</a></em>, von denen 1899 bereits die 30. Auflage erschienen war, wurden fast ausschließlich in Fraktur gedruckt und hätten vermutlich in Antiqua nie diese gewaltige Verbreitung gefunden.</p>
<p><strong>Ohne Sprache kein Volk</strong></p>
<p><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5617" target="_blank" rel="noopener"><em>Christoph Martin Wieland</em></a> – neben <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1314" target="_blank" rel="noopener">Goethe</a></em>, <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/3354" target="_blank" rel="noopener">Schiller</a></em> und Herder der Älteste des klassischen Viergestirns von Weimar – war Lehrer, Verleger, Dichter, Übersetzer und Schriftsteller. Er zeigte sich zuerst begeistert über die Antiquaschrift und hielt sie „eines schönen Druckes vorzüglich würdig“. Ein Jahr später erschienen dann seine „Sämtlichen Werke“ in der ersten deutschen klassizistischen Antiqua, der Prillwitz-Antiqua.</p>
<p>Am 15. Juli 1799 schrieb er jedoch an seinen Verleger: „Was dem Unternehmen [Gesamtausgabe seiner Werke] nicht wenig geschadet hat, sind die verwünschten lateinischen Lettern, die wir uns von den Liebhabern der geraden und halbrunden Linien haben aufschwatzen lassen. Ich habe seit drei bis vier Jahren Gelegenheiten genug gehabt, von Herren und Damen aller Klassen und Stände zu hören, dass sie deutsche Texte lieber mit deutschen, also mit den gewöhnlichen Lettern gedruckt lesen, als mit den lateinischen. Auch ist, wenn man die Wahrheit ehrlich gestehen soll, unleugbar, dass die Breitkopfischen Formen der deutschen Lettern das Auge weniger angreifen als die lateinischen. … Sogar Engländer und Franzosen haben mir gesagt, sie läsen deutsche Bücher lieber mit deutschen Lettern.“</p>
<p>Als überzeugte Anhängerin der Fraktur zeigt sich Goethes Mutter Katharina Elisabeth. Die Schriftfrage ist Gegenstand mehrerer Briefe an ihren Sohn. Erfreut ist sie „dass Deine Schriften, alte und neue, nicht mit den mir so fatalen lateinischen Lettern das Licht der Welt erblickt haben“ und wünscht „bleibe deutsch, auch in den Buchstaben.“</p>
<p>In Anbetracht der Niederlage Preußens und der napoleonischen Besetzung bittet sie am 25. Dezember 1807: „Halte fest an deutschem Sinn, deutschen Buchstaben, denn wenn das Ding so fort geht, so wird in fünfzig Jahren kein Deutsch mehr geredet noch geschrieben, und Du und <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/3354" target="_blank" rel="noopener">Schiller</a></em>, Ihr seid hernach klassische Schriftsteller wie Horaz, Livius, Ovid und wie sie alle heißen, denn wo keine Sprache mehr ist, da ist auch kein Volk.“</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Sprachpflege</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Sprache ist Tradition, sie gilt als Immaterielles Kulturerbe und will gepflegt werden. Vor allem die deutsche Sprache ist sehr präzise und reichhaltig und war in der Geschichte durch politische oder soziale Einflüsse ständigen Veränderungen ausgeliefert. So wandelte sie sich fortwährend mit dem Stil der Architektur, der Medien und ist auch mit Religion und Weltanschauung eng verknüpft.</p>
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