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	<title>Traditionelles</title>
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		<title>Brauchtum zum Jahreswechsel</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Dec 2022 14:49:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bräuche sind Ausdruck der Tradition, sie vermitteln ein Gefühl von Heimat und Verwurzelung.</p>
<p>Doch damit Bräuche nicht in Vergessenheit geraten, ist es nötig, sie zu pflegen und zu leben. Insbesondere um die Weihnachtszeit, Silvester und den Anfang des neuen Jahres ranken sich viele Legenden und Mythen. <span id="more-5208"></span></p>
<p>Manche dieser Überlieferungen werden heute noch gelebt, andere haben sich weiterentwickelt und wurden dem modernen Leben angepasst.</p>
<p><b>Die Rauhnächte</b></p>
<p>Nach dem germanischen Kalender hat das Mondjahr 354 Tage und das Sonnenjahr 365 Tage. Die Differenz von elf Tagen und zwölf Nächten, die sich aus diesem Wechsel ergibt, galt als „tote Zeit“ oder auch als „Zeit zwischen den Jahren“. Jetzt stand die Sonne still, der Tod des alten und die Geburt des neuen Jahres schlug eine Brücke zwischen Diesseits und Jenseits. Die Wintersonnenwende, das „Julfest“, wurde mit allerlei Ritualen und Bräuchen zelebriert. Auch heute noch werden den Tagen zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag eine besondere Bedeutung zugeschrieben.</p>
<p>Die geschäftige Adventszeit liegt hinter uns. Eine spezielle tiefe Ruhe kehrt ein, jetzt wird es wirklich besinnlich und wir blicken zurück auf das vergangene Jahr, auf das Erreichte und auf das Nichterreichte.</p>
<p>In früherer Zeit gab es verschiedene Rituale, die sich auf Haus und Hof oder die Zukunft bezogen. Unsere Vorfahren waren überzeugt, dass sich die finsteren Geschöpfe der Rauhnächte in Chaos und Unordnung besonders wohlfühlen. Daher wurde großer Wert auf Ordnung und Sauberkeit im Haus gelegt. Das Räuchern mit Kräutern und Harzen wie Weihrauch, Myrrhe oder Tannen- und Kiefernharz trug ebenfalls dazu bei, die Bewohner vor Unheil zu schützen. Bedeutsam waren auch die Träume während der Rauhnächte. Ihnen wurde eine prophetische Eigenschaft zugeschrieben, und geglaubt, dass sie sich im jeweiligen Monat des neuen Jahres verwirklichen. Des Weiteren prognostizierten unsere Vorfahren das Wetter. Sollten die Tage sehr neblig sein, würde das nächste Jahr nass werden.</p>
<p>Auch heute noch gibt es eine abgewandelte, moderne Orakelform, die am Silvesterabend zelebriert wird – das Bleigießen.</p>
<p><b>Silvester: Vom Bleigießen zum Feuerwerk</b></p>
<p>Das Bleigießen ist ein geselliger Spaß für Alt und Jung und hat sich zu einer festen Silvester-Tradition etabliert. Ein Stück Blei wird in einem Metalllöffel so lange über einer Kerze erhitzt, bis es sich verflüssigt. Sodann wird diese Flüssigkeit in ein Glas mit kaltem Wasser gegossen. Schnell kühlt das Blei ab, wird hart und bildet Figuren oder Symbole, die dann gedeutet werden und für zukünftige Ereignisse stehen. Ein Hufeisen deutet an, dass anstehende Geschäfte positiv verlaufen. Die Schere steht für bedeutende Entscheidungen, die getroffen werden müssen. Eine gedeutete Palme verspricht, dass ein großer Wunsch in Erfüllung geht.</p>
<p>Im Jahr 2018 legte die Europäische Union einen neuen Grenzwert für den Bleigehalt in Produkten fest und dadurch wurde das Bleigießen verboten. Doch alternativ kann Zinn oder Wachs genutzt werden und somit die Silvestertradition und der Partyspaß erhalten bleiben.</p>
<p>Den Germanen standen kein modernes Feuerwerk und Böller zur Verfügung. So nutzten sie ihre Möglichkeiten und lärmten mit Peitschen und Dreschflegeln, zündeten Holzräder an, ließen es so richtig krachen und vertrieben dadurch die Dunkelheit und mit ihr die bösen Geister. So konnte das neue Jahr geister- und sorgenfrei beginnen.</p>
<p>Doch die alten Römer sollen die Ersten gewesen sein, die 153 v. Chr. das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres mit sogenannten Feuerfesten zelebrierten.</p>
<p>Der Begriff Silvester hingegen wurde durch den gleichnamigen Papst Silvester erst viele Jahre später etabliert. Dieser Stellvertreter Gottes ging am 31. Dezember 335 zu seinem Herrn. Doch erst 1.247 Jahre später, also im Jahre 1582, wurde das Jahresendfest vom heutigen Heiligabend auf den 31. Dezember, den Todestag des bekannten Kirchenoberhaupts, verlegt und nach ihm benannt. Unter seiner Regentschaft im Römischen Reich vollzog sich die entscheidende Wende von einer christenfeindlichen hin zu einer christenfreundlichen Staatspolitik. Viele Geschichten und Legenden ranken sich um Papst Silvester. Der Name kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Waldmensch“ oder „Waldmann“.</p>
<p><b>Prosit und guten Appetit</b></p>
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<p>Das viel genutzte Wort „Prosit“ stammt aus dem lateinischen Wortschatz und heißt so viel wie „Lass es gelingen“. Zum Schampus oder Sekt gehören natürlich die Gaumenfreuden. In dieser bedeutungsschwangeren Zeit ein nicht ganz unwichtiges Thema. So wird doch nach alter Tradition das Glück, der Wohlstand und die Gesundheit im neuen Jahr von den verzehrten Speisen an Weihnachten und Silvester beeinflusst.</p>
<p>Der Verzehr von Schweinefleisch soll das Glück im neuen Jahr fördern. Die vegetarische Variante wäre dann wohl ein Schweinchen aus Marzipan oder Schokolade. Meidet auf jeden Fall Geflügel! Denn dann würde Euer Glück davonfliegen.</p>
<p><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/3317" target="_blank" rel="noopener"><em>Linsen</em></a> versprechen einen prallen Geldbeutel. Sie symbolisieren Goldmünzen und harmonieren ausgezeichnet mit Schwein. Um dieses Gericht abzurunden, empfehlen sich sogenannte Gebildbrote. Diese runden Brote oder Kränze, meist aus Hefeteig, erinnern an den Kreislauf der Zeit und symbolisieren das ewige Leben.</p>
<p><b>Gute alte und neue Vorsätze</b></p>
<p>Das neue Jahr empfängt uns mit offenen Armen und mit allerlei guten Vorsätzen. Die Babylonier machten vor 4.000 Jahren den Anfang. Zu ihrer Zeit war der Jahreswechsel Mitte März, als die Felder bepflanzt wurden. Während ihres zwölftägigen Festes versprachen sie den Göttern, ihre Schulden zu begleichen und sich zu verbessern.</p>
<p>Zu späterer Zeit und an einem anderen Ort verhielt es sich recht ähnlich. Der Januar ist benannt nach dem römischen Gott Janus, der mit seinen zwei Gesichtern für das Ende und den Anfang steht. Die alten Römer verehrten diesen Gott mit Opfergaben und gelobten, sich im neuen Jahr besser zu verhalten. So verkündeten auch sie ihre guten Vorsätze und ebneten weiterhin den Weg für die heutige Neujahrstradition.</p>
<p>Der Brauch der guten Vorsätze hat sich folglich durchgesetzt, bis auf den Inhalt. Heutzutage stehen mehr Sport treiben und gesünder essen, mit dem Rauchen aufhören und weniger Alkohol trinken und mehr Zeit für uns und unsere Familie zu haben, auf der Liste. Nach der ganzen Feierei mit Familie und Freunden stufen wir diese Absichten als realisierbar ein, wir sind hoch motiviert. Doch wenn der Alltag mit seinen ganzen Tücken über uns kommt, fällt es oftmals schwer, die Vorhaben umzusetzen. Eine Erfolgsregel könnte lauten: Lieber nur einen Vorsatz haben, den man durchhält. Viele Vorsätze erzeugen zudem zusätzlichen Druck und sorgen für eine noch größere Enttäuschung. Oft sind es ohnehin kleine Veränderungen, die große Konsequenzen haben.</p>
<p>Ein Lächeln zum Beispiel. Nur eine Minute Lachen soll die gleiche gesundheitliche Wirkung haben wie 10 Minuten Joggen oder 45 Minuten Meditation. Wissenschaftlich ist bestätigt, dass Lachen Stress abbaut, das Immunsystem stärkt, die Verdauung anregt und gewiss ist ein Lächeln das Schönste, was wir tragen können.</p>
<p>Ich wünsche Euch einen guten Rutsch und ein gesegnetes neues Jahr!</p>
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		<title>Weihnachten zwischen Krieg und Frieden: Eine Erinnerung an das Wesentliche</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5205</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Dec 2022 14:48:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Traditionelles]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frieden und Harmonie sind die ureigensten Bedürfnisse der menschlichen Natur – egal wo, egal wann.<span id="more-5205"></span></p>
<p>Es ist bitterkalt. Schlamm bedeckt die Wege, teils gefroren. Erschöpfung steht den Soldaten ins Gesicht geschrieben – auf beiden Seiten der Front. Es ist Dezember 1914, und die Hoffnung, Weihnachten zu Hause bei den Liebsten zu verbringen, schwindet mit jedem Tag.</p>
<p>Doch dann, an Heiligabend, geschieht das Undenkbare. An vielen Frontabschnitten in Belgien und Frankreich sowie in anderen Gebieten zwischen Nordsee und Schweizer Grenze kehrt Ruhe ein. Der Krieg macht Pause. Deutsche Soldaten entzünden Kerzen entlang der Schützengräben, die oft nur wenige Meter voneinander entfernt sind. Die Melodie von „Stille Nacht, heilige Nacht“ erfüllt die Luft, Briten stimmen ein mit „Silent Night“, und auch Franzosen und Belgier singen „Douce nuit“. Für einen Moment sind sie keine Feinde mehr, sondern Menschen, die ein Bedürfnis verbindet: Frieden.</p>
<p>Ein bayerischer Soldat schreibt in einem Brief an seine Eltern: „Zwischen den Schützengräben stehen die verhassten und erbittertsten Gegner um den Christbaum und singen Weihnachtslieder. Diesen Anblick werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“</p>
<p>Am ersten Weihnachtsfeiertag setzt sich der Weihnachtsfrieden fort: Briten und Deutsche spielen Fußball im Niemandsland, schneiden sich gegenseitig die Haare, tauschen kleine Geschenke und Lebensmittel. Inmitten von Kälte und Krieg wird Gemeinschaft gelebt. Glaube, Hoffnung und Menschlichkeit verbinden, wo zuvor Hass herrschte.</p>
<p><strong>Von der Front ins Heute</strong></p>
<p>Über 100 Jahre später leben wir in friedlicheren Zeiten. Und doch: Für manche fühlt sich Weihnachten weniger wie ein Fest des Friedens an, sondern eher wie ein emotionales Minenfeld. Bereits Anfang Dezember beginnt die „Schlacht der Geschenke“, und spätestens an den Feiertagen entladen sich Spannungen, die sich lange angestaut haben. Es scheint fast ironisch, dass gerade ein Fest der Liebe und Besinnlichkeit für so viele zu einer Quelle von Stress und Streit wird.</p>
<p>Doch was läuft schief? Vielleicht ist es der Wunsch, es allen recht zu machen, oder unser Streben nach Perfektion. Vielleicht fehlt uns auch die Geduld, die Toleranz, mit den Eigenheiten anderer umzugehen. Dabei könnte Weihnachten eine Gelegenheit sein, nicht nur die eigenen Grenzen kennenzulernen, sondern sie auch zu überwinden.</p>
<p><strong>Das Chaos umarmen</strong></p>
<p>Ein Anfang wäre, Missgeschicke mit Humor zu nehmen. Vor einigen Jahren trugen mein Vater und ich den Weihnachtsbaum in die Wohnung, schmückten ihn und freuten uns über sein prächtiges Aussehen. Doch am Abend begann der Baum, einen seltsamen Geruch zu verströmen. Nach einigem Rätseln entdeckten wir den Übeltäter: die Katze des Nachbarn hatte den Baum markiert, während er draußen lagerte. Es war chaotisch, aber genau dieses Fest bleibt mir bis heute in liebevoller Erinnerung.</p>
<p>Sind es nicht oft die kleinen Pannen, die uns Jahre später noch ein Lächeln ins Gesicht zaubern? Vielleicht sollten wir uns öfter daran erinnern, dass Perfektion überschätzt wird und das wahre Glück im Unperfekten liegt.</p>
<p><strong>Toleranz üben</strong></p>
<p>Weihnachten bietet die ideale Bühne, um Toleranz zu praktizieren. Das lateinische Wort „tolerare“ bedeutet „erdulden“, und genau darum geht es: einander aushalten, Meinungen respektieren und Unterschiede annehmen. Es ist, wie Immanuel Kant sagte: „Lass doch einen jeden auf seinem Steckenpferd reiten, solange er dich nicht nötigt, mitzureiten.“</p>
<p>Wenn wir neugierig bleiben, Fragen stellen und nicht vorschnell bewerten, können Gespräche entstehen, die uns bereichern – selbst mit Menschen, die uns sonst herausfordern. Und vielleicht ist das der Schlüssel, um aus einer emotionalen „Frontlinie“ eine friedliche Gemeinschaft zu machen.</p>
<p><strong>Gemeinschaft am Tisch</strong></p>
<p>Der Tisch ist seit jeher ein Symbol der Zusammenkunft. Jesus feierte das Abendmahl mit seinen Jüngern. Im Ersten Weltkrieg saßen Feinde gemeinsam am Tisch und teilten Essen. Diese Momente zeigen: Gemeinschaft ist möglich, selbst unter den schwierigsten Umständen.</p>
<p>Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Vielleicht hat ein Familienmitglied plötzlich beschlossen, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren. Statt sich daran zu stoßen, lohnt es sich, das Positive zu sehen: Klöße und Rotkraut schmecken auch ohne Gans. Und wer sich ärgert, kann die Gelegenheit nutzen, an seiner eigenen Toleranz zu arbeiten. Denn ein guter Gastgeber ist nicht derjenige, der alles perfekt macht, sondern der, der Nähe und Herzlichkeit vermittelt.</p>
<p><strong>Zurück zum Wesentlichen</strong></p>
<p>Das Weihnachtsfest ist nicht in erster Linie eine Tradition, sondern eine menschliche Notwendigkeit. Seit Jahrhunderten vermittelt es Werte wie Hoffnung, Nächstenliebe und Gemeinschaft. Die immergrünen Zweige am Adventskranz symbolisieren Treue und Hoffnung, die Kerzen das Licht, das selbst in der tiefsten Dunkelheit leuchtet. Es sind diese Symbole, die uns daran erinnern, worauf es wirklich ankommt: nicht auf teure Geschenke oder perfekte Menüs, sondern auf das Miteinander.</p>
<p>Vielleicht sollten wir uns dieses Jahr fragen: Können wir den Tisch als Ort der Verbindung sehen, nicht als Schützengraben? Können wir uns öffnen für die Menschen um uns herum, mit all ihren Eigenheiten? Denn dann – und nur dann – können wahre Wunder geschehen.</p>
<p>Ich wünsche Euch eine Weihnachtszeit voller Frieden, Herzenswärme und unvergesslicher Momente.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Jahrhunderte währender Streit: Wie schreibt man deutsch?</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Oct 2022 19:16:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="auszug">Fraktur, Antiqua oder Minuskel, welche dieser Schriften kann wirklich als „deutsche Schrift“ bezeichnet werden? Welche Schrift fließt leicht aus der Feder und schont das Auge? In den letzten Jahrhunderten diskutierten Gelehrte, Politiker und Buchdrucker diese Fragen.</p>
<p><span id="more-4855"></span></p>
<p>Die Grundlage für unsere heutige Schreib– und Druckschrift basiert auf dem lateinischen Alphabet und besteht aus je 26 Majuskeln und Minuskeln sowie Buchstabenkombinationen mit Umlauten und Akzentzeichen. Zuvor prägten unzählige Schriftformen die gedruckten und handgeschriebenen Werke. Den gebrochenen Schriften, Frakturschriften, haftet bis heute das Odium des Deutschnationalen an, obwohl sie seit dem 16. Jahrhundert die am meisten verwendete Druckschrift im deutschsprachigen Raum war. Volkstümliche Drucke erschienen in Fraktur. Dichter, die auf eine große Verbreitung ihrer Werke Wert legten, ließen sie in Fraktur drucken.</p>
<p>Tatsächlich wurde die Frakturschrift 1941 von den Nationalsozialisten verboten, nachdem sie zuvor von ihnen propagiert worden war. Durch die fortwährende Ideologisierung der Fraktur ist der Umgang mit ihr fast vollständig verloren gegangen. Ganze Bibliotheksbestände aus Jahrhunderten drohen in Vergessenheit zu geraten, weil kaum jemand noch in der Lage ist, sie zu lesen.</p>
<p><strong>Verbot der Fraktur</strong></p>
<p>Am 17. August 1934, im Jahr nach der Machtergreifung, bekräftigte Adolf Hitler die dauerhafte Vormachtstellung der deutschen Fraktur gegenüber der lateinischen Antiqua. Er reagierte damit auf die zunehmende Verwendung der Antiqua für <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5286" target="_blank" rel="noopener">deutschsprachige</a></em> Texte im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Während im Jahr 1861 noch 78 Prozent aller in Deutschland gedruckten Bücher in Fraktur gesetzt wurden, waren es 1891 nur noch 59 Prozent und im Jahr 1928 lediglich 57 Prozent.</p>
<p>Nachdem allerdings die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg Polen, Frankreich, die Niederlande und Belgien besetzt hatte und Hitler die Feldzüge in Jugoslawien und Griechenland sowie den späteren Einmarsch in die Sowjetunion plante, warf er seine Vorstellung von der Dominanz der Fraktur recht schnell über Bord.</p>
<p>Die Fraktur behinderte die Verständigung mit der Bevölkerung in den besetzten Gebieten. Die von den Deutschen erlassenen Gesetze und Befehle waren schwer lesbar und konnten somit nicht befolgt werden. Zudem erschwerte sie die Briefzensur. In einem Rundschreiben vom 3. Januar 1941 wurde angeordnet, dass die Antiqua-Schrift künftig als Normalschrift zu bezeichnen sei.</p>
<p>Jahrzehnte zuvor plagte die Fraktur ein Akzeptanzproblem in den Volksschulen, denn sie galt als zu schwer zu erlernen. Am 4. Mai 1911 erreichte der vorangegangene Schriftstreit zwischen der Antiqua und der Fraktur im deutschen Reichstag einen neuen Höhepunkt. Das preußische Kultusministerium erteilte den Auftrag, eine einfachere, aber dezidiert „deutsche“ Schreibschriftvariante zu entwerfen, die auch als Erstschrift für Schulanfänger geeignet sei. Den ausgeschriebenen Wettbewerb konnte der Berliner Grafiker und Pädagoge Ludwig Sütterlin für sich entscheiden. Die Sütterlinschrift wurde 1917 unter dem Titel „Neuer Leitfaden für den Schreibunterricht“ präsentiert und 1934 für das gesamte Reich verbindlich. Fraktur und Antiqua wurden als Druckschrift weiterhin verwendet.</p>
<p><strong>Maximilian I. und die Schöpfung der Fraktur</strong></p>
<p>Doch wie entstand die Fraktur? Kaiser Maximilian I. war ein Kenner und Liebhaber der Kalligrafie. Er zog im 15. Jahrhundert die noch junge Kunst des Buchdrucks <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5819" target="_blank" rel="noopener">Johannes Gutenbergs</a></em> heran, um seine Macht durch schöne Schriftwerke zur Schau zu stellen. Für prächtige Bauwerke fehlten ihm die finanziellen Mittel.</p>
<p>Die kaiserlichen Drucke sollten seiner national bewussten Geisteshaltung entsprechen und demnach wurde auf die Verwendung der lateinischen Schrift, die humanistischen Minuskel, verzichtet. Schreibmeister und Kalligrafen entwarfen Vorlagen, die der Kaiser korrigierte. Am 30. Dezember 1513 war der Druck des Gebetsbuches für Maximilian I. beendet. Damit war die erste Fraktur entstanden – das Buch kann als eine der größten Schöpfungen der deutschen Buchkunst bezeichnet werden.</p>
<p><strong>Grimm: „Ungestalte und hässliche Schrift“</strong></p>
<p>Im Laufe der Jahrhunderte gab es Fürsprecher und Kritiker der Fraktur. Als Streiter für die ausschließliche Verwendung der lateinischen Schrift setzte sich <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1470" target="_blank" rel="noopener">Jakob Grimm</a></em> ein. In der Vorrede zum „<em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5286" target="_blank" rel="noopener">Deutschen Wörterbuch</a></em>“, das 1854 in Leipzig erschien, schreibt er: „Es verstand sich fast von selbst, dass die ungestalte und hässliche Schrift, die noch immer unsere meisten Bücher gegenüber denen aller übrigen gebildeten Völker von außen barbarisch erscheinen lässt und einer sonst allgemeinen Übung unteilhaftig macht, beseitigt bleiben müsste. Leider nennt man diese verdorbene und geschmacklose Schrift sogar eine deutsche … Nichts ist falscher, und jeder Kundige weiß, dass im Mittelalter durch das ganze Europa nur eine Schrift, nämlich die lateinische, für alle Sprachen galt und gebraucht wurde.“<img decoding="async" class="lazy" src="https://vg06.met.vgwort.de/na/cf25c4fe20b5488a880671620cef8fdc" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Seine Meinung fand nur im Rahmen der wissenschaftlichen Literatur Geltung. Selbst die <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4638" target="_blank" rel="noopener">Kinder- und Hausmärchen</a></em> der <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1470" target="_blank" rel="noopener">Gebrüder Grimm</a></em>, von denen 1899 bereits die 30. Auflage erschienen war, wurden fast ausschließlich in Fraktur gedruckt und hätten vermutlich in Antiqua nie diese gewaltige Verbreitung gefunden.</p>
<p><strong>Ohne Sprache kein Volk</strong></p>
<p><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5617" target="_blank" rel="noopener"><em>Christoph Martin Wieland</em></a> – neben <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1314" target="_blank" rel="noopener">Goethe</a></em>, <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/3354" target="_blank" rel="noopener">Schiller</a></em> und Herder der Älteste des klassischen Viergestirns von Weimar – war Lehrer, Verleger, Dichter, Übersetzer und Schriftsteller. Er zeigte sich zuerst begeistert über die Antiquaschrift und hielt sie „eines schönen Druckes vorzüglich würdig“. Ein Jahr später erschienen dann seine „Sämtlichen Werke“ in der ersten deutschen klassizistischen Antiqua, der Prillwitz-Antiqua.</p>
<p>Am 15. Juli 1799 schrieb er jedoch an seinen Verleger: „Was dem Unternehmen [Gesamtausgabe seiner Werke] nicht wenig geschadet hat, sind die verwünschten lateinischen Lettern, die wir uns von den Liebhabern der geraden und halbrunden Linien haben aufschwatzen lassen. Ich habe seit drei bis vier Jahren Gelegenheiten genug gehabt, von Herren und Damen aller Klassen und Stände zu hören, dass sie deutsche Texte lieber mit deutschen, also mit den gewöhnlichen Lettern gedruckt lesen, als mit den lateinischen. Auch ist, wenn man die Wahrheit ehrlich gestehen soll, unleugbar, dass die Breitkopfischen Formen der deutschen Lettern das Auge weniger angreifen als die lateinischen. … Sogar Engländer und Franzosen haben mir gesagt, sie läsen deutsche Bücher lieber mit deutschen Lettern.“</p>
<p>Als überzeugte Anhängerin der Fraktur zeigt sich Goethes Mutter Katharina Elisabeth. Die Schriftfrage ist Gegenstand mehrerer Briefe an ihren Sohn. Erfreut ist sie „dass Deine Schriften, alte und neue, nicht mit den mir so fatalen lateinischen Lettern das Licht der Welt erblickt haben“ und wünscht „bleibe deutsch, auch in den Buchstaben.“</p>
<p>In Anbetracht der Niederlage Preußens und der napoleonischen Besetzung bittet sie am 25. Dezember 1807: „Halte fest an deutschem Sinn, deutschen Buchstaben, denn wenn das Ding so fort geht, so wird in fünfzig Jahren kein Deutsch mehr geredet noch geschrieben, und Du und <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/3354" target="_blank" rel="noopener">Schiller</a></em>, Ihr seid hernach klassische Schriftsteller wie Horaz, Livius, Ovid und wie sie alle heißen, denn wo keine Sprache mehr ist, da ist auch kein Volk.“</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Sprachpflege</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Sprache ist Tradition, sie gilt als Immaterielles Kulturerbe und will gepflegt werden. Vor allem die deutsche Sprache ist sehr präzise und reichhaltig und war in der Geschichte durch politische oder soziale Einflüsse ständigen Veränderungen ausgeliefert. So wandelte sie sich fortwährend mit dem Stil der Architektur, der Medien und ist auch mit Religion und Weltanschauung eng verknüpft.</p>
<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
			</item>
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		<title>Chinesisches Neujahr 2022: Der Wassertiger erhebt sich</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2022 08:41:17 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der Tiger löst am 1. Februar 2022 den Büffel ab und läutet nach dem chinesischen Kalender ein neues Mondjahr ein. Das fremde, fernöstliche Leben mit all seinen Gebräuchen und Geschichten zieht ebenso westlich Geprägte in seinen Bann, wirkt inspirierend und lehrreich. Unzählige sagenumwobene Legenden ranken sich um China, das Reich der Mitte, mit seiner 5000-jährigen<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4677" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
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		<title>Kleine Götterkunde</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2022 09:55:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Vom Anbeginn der Zeit richteten die Menschen ihren Alltag und ihr Leben nach der Natur, den Gestirnen und den Göttern aus. Auch heute noch spiegelt sich diese Gepflogenheit in unserem täglichen Leben wider.<span id="more-4670"></span></p>
<p>War es die anfängliche Leere mit einem ungeheuren, dunklen und gierig gähnenden Schlund, eine Art uranfängliches Chaos, aus dem unsere Welt entstand? Fragen über die Entstehung der Welt, der Götter und Menschen kehren bei allen Völkern wieder. Die in der Natur wirkenden Kräfte, die Bewegung der Himmelskörper und der Wechsel von Licht und Finsternis, von Sommer und Winter waren existenzielle Indikatoren für unsere Vorfahren. Die Germanen waren der tiefen Überzeugung, dass Finsternis und Kälte die Keimzeit des lichten und warmen Lebens ist. So rechneten sie die Zeit nach Nächten und Wintern.</p>
<p>Heute brauchen wir unseren Blick nicht mehr gen Himmel zu richten oder Nächte zu zählen. Wir haben einen zuverlässigen Kalender und können unser Leben schon Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre im Voraus planen. Doch der uns bekannte Jahrweiser hat eine lange Entwicklung und mehrere Reformen durchlaufen. An der Namensgebung für unsere Wochentage und Monate lassen sich noch heute Rückschlüsse auf unsere Vorfahren und ihren Glauben an Gottheiten ziehen.</p>
<p><strong>Julianischer Kalender</strong></p>
<p>Im Römischen Reich begann das Jahr ursprünglich am 1. März und wurde durch die Kalenderreform von Julius Cäsar um 45 v. Chr. auf den 1. Januar verlegt. Somit wurde der römische Kalender vom julianischen Kalender abgelöst. Beginnend mit dem Jahr 1582 wurde auch dieser schrittweise durch den in astronomischer Hinsicht verbesserten gregorianischen Kalender ersetzt. Doch in manchen Teilen der Welt blieb der julianische Kalender bis weit in das 20. Jahrhundert hinein gültig, im kirchlichen Bereich teilweise noch heute. Nach julianischem Datum wäre heute nicht der 15. Januar, sondern der 2. Januar 2022.</p>
<p><b>Gregorianischer Kalender</b></p>
<p>Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts ist der gregorianische Kalender, oder auch bürgerlicher Kalender genannt, der weltweit meistgebrauchte Jahresweiser. Der Namensgeber ist Papst Gregor XIII., der ihn 1582 mit der päpstlichen Bulle „Inter gravissimas“ verordnete. Wie sein Vorläufer, der julianische Kalender, ist auch dieser ein Solarkalender, jedoch mit einer verbesserten Schaltjahresregelung. Ein wesentlicher Bestandteil der Reform war ein korrigiertes Verfahren zur Bestimmung des Osterfestes.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Auch war ein einheitlicher Frühlingsanfang zum 21. März sowie ein einheitlicher Jahresbeginn zum 1. Januar relevant. Da Januar im Lateinischen „ianua“ heißt und „Tür“ bedeutet, ergibt das natürlich Sinn. Auch bot sich die Nähe zum Christfest und der Wintersonnenwende für diesen gewählten Neujahrsbeginn an. Im Mittelalter begannen das Jahr und somit auch die Feiertage an unterschiedlichen Tagen. So löste der gregorianische Kalender zum 5. Oktober 1582 den julianischen und auch verschiedene andere Kalendarien ab.</p>
<p><b>Jeder Wochentag für einen Gott</b></p>
<p>In vielen Kulturen wurden die Wochentage nach Gottheiten oder Himmelskörpern benannt und noch heute ist die ursprüngliche Bezeichnung erkennbar. Die Germanen nahmen sich die römischen Götter zunächst als Vorbilder, entschieden sich später jedoch dazu, ihre eigenen Bezeichnungen zu wählen. Auch lässt sich anhand der Wochentage ableiten, welcher Stellenwert diesen Göttern eingeräumt wurde.</p>
<p>Zur damaligen Zeit galt der Sonntag als Wochenbeginn und wurde bei den Römern nach dem Sonnengott Sol, also „dies Solis“ getauft. Auch die Germanen konnten sich mit der Sonne identifizieren und benannten den Sonntag nach ihrer Sonnengöttin „Sunna“.</p>
<p>Da bei den alten Germanen der Mond der Bruder der Sonne ist, folgt auf den Sonntag der Tag zu Ehren des Mondes. So wurde dem Gott des Mondes, Mani, der Montag gewidmet. Die alten Römer nannten ihn „dies Lunae“, “der Tag des Mondes”.</p>
<p>Der Dienstag gedenkt des römischen Kriegsgottes Mars. Die Germanen nannten ihn Tius, Gott des Rechts und Schutzherr der Thingversammlung (Volks- und Gerichtsversammlung).</p>
<p>Da Konstantinopel an einem Dienstag fiel, gilt in der griechischen Kultur der Dienstag traditionell als Unglückstag.</p>
<p>Der germanische Göttervater Wodan wird mit dem Mittwoch geehrt. Im englischen „Wednesday“ ist dieser Ursprung noch erkennbar. In Deutschland des zehnten Jahrhunderts wurde dieser Name von der katholischen Kirche abgeschafft und schlicht zur Mitte der Woche, zum uns heute bekannten Mittwoch erklärt. Doch wurde 1976 der Wochenbeginn von Sonntag auf Montag verlegt, sodass diese Bezeichnung eigentlich nicht mehr korrekt ist.</p>
<p>Doch der Gewittertag, Donnerstag, ist schon an den Wettergott Jupiter vergeben. Für die Römer war er ihre oberste Gottheit und wurde „dies Lovis“ genannt. Bei den Germanen war Thor als Gewitter- und Wettergott bekannt und so wählten sie ihn mit „Donar“ als Namensgeber.</p>
<p>Der Freitag steht ganz im Zeichen der Liebe und der Schönheit. Bei den Germanen war es die Göttin Frija, auch Frigga genannt, die Schutzgöttin der Ehe, des Lebens und der Mutterschaft. Das römische Gegenstück ist die Liebesgöttin Venus, also „dies Veneris“.</p>
<p>Saturn war der römische Gott des Ackerbaus und Namensgeber für den Samstag. Im englischen Saturday, dem Tag des Saturns, ist diese Herkunft noch gut heraushörbar. In manchen Regionen wird der Samstag auch als Sonnabend bezeichnet. Hier ist der jüdische Sabbat im Spiel. Im Judentum ist es ein Tag der Ruhe und des Gebets, in westlich geprägten Kulturen wird jetzt der Anfang vom Wochenende gefeiert.</p>
<p><b>Göttlich inspirierte Monatsnamen</b></p>
<p>So ist der Januar dem römischen Gott Janus gewidmet, dem Gott des Anfangs und des Endes. Mit seinen zwei Gesichtern soll er in die Vergangenheit und in die Zukunft sehen können</p>
<p>Nach damaliger Tradition fand im Februar das römische Sühne- und Reinheitsritual Februa statt und so kam der Februar zu seinem Namen.</p>
<p>Der März verdankt seinen Namen dem römischen Kriegsgott Mars und war im frühen römischen Kalender der erste Monat des Jahres. Grund hierfür: der Frühlingsbeginn auf der Nordhalbkugel.</p>
<p>Namensgeber für den April ist vermutlich Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe. Da die Natur in dieser Jahreszeit aus dem Winterschlaf erwacht und sich öffnet, könnte der Name auch auf das lateinische Wort „aperire“ (öffnen) zurückgehen.</p>
<p>Der Wonnemonat Mai ist nach der römischen Göttin der Fruchtbarkeit, von Maia inspiriert.</p>
<p>Juno, die römische Göttin der Ehe, lieh ihren Namen dem Monat Juni. Im Deutschen wird der Monat zur besseren Unterscheidung zum Juli mitunter auch heute noch Juno genannt.</p>
<p>Im frühen römischen Kalender war der Juli der fünfte Monat des Jahres und hieß deswegen einfach nur Quintilis („der Fünfte“). Später wurde mit der Bezeichnung Juli dem römischen Staatsmann Julius Caesar ein bleibendes Denkmal gesetzt.</p>
<p>Kaiser Augustus begann im August sein erstes Konsulat, und so ist auch dieser Monat einem römischen Staatsmann gewidmet.</p>
<p>Der Name September ist ein Überbleibsel einer Zeit, als das Jahr noch im März begann. So deutet sein aus dem Lateinischen „septem“ (sieben) abgeleiteter Name noch immer darauf hin, dass dieser Monat eigentlich der siebte Monat des Jahres sein sollte.</p>
<p>Auch beim Oktober ist diese Zeitrechnung noch erkennbar. Der Name leitet sich von dem lateinischen Wort für die Zahl acht ab: „octo“.</p>
<p>Beim November gingen unseren Vorfahren wohl die Götter aus, denn auch hier ist noch aus alter Zeitrechnung das lateinische Wort für die Zahl neun, also „novem“ erkennbar.</p>
<p>Der Dezember reiht sich an dieser Stelle mit ein. Dieser Name leitet sich vom lateinischen „decem“ ab und bedeutet „der Zehnte“.</p>
<p>Sprache ist lebendig und verändert sich, doch die innere Bedeutung, der Ursprung der Worte hat sich nicht verändert. Mit dem Kalendarium haben uns unsere Vorfahren ein Werkzeug hinterlassen, mit dem wir zuverlässig planen und leben können und nicht im uranfänglichen Chaos versinken.</p>
<p><em><img decoding="async" class="lazy" src="http://vg05.met.vgwort.de/na/8702882e7f014337b1d2006ac6cced94" alt="" width="1" height="1" /></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Kunst des Müßiggangs: Mußestunden</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4643</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Jan 2022 12:32:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturelles]]></category>
		<category><![CDATA[Traditionelles]]></category>
		<category><![CDATA[Inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[Kreativität]]></category>
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		<category><![CDATA[Muße]]></category>
		<category><![CDATA[Müßiggang]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir können die Zeit, unsere Lebenszeit, nicht anhalten, aber wir können sie mit schönen Momenten füllen und ausschöpfen.</p>
<p>„Ich habe jetzt keine Muße“ oder „mir ist langweilig“ sind heutzutage häufig gebrauchte Redewendungen und beide stehen in Bezug zur Zeit. Sind Müßiggang und Langeweile wirklich so schlecht wie ihr Ruf?<span id="more-4643"></span></p>
<p>Jeder Mensch ist ausgestattet mit einem Schöpfergeist, mit Kreativität, Talent und Schaffensdrang. So können wir selbst unser Leben und unseren Alltag gestalten und ihnen Form geben. Natürlich brauchen wir kein Einstein, Goethe oder Gutenberg zu sein, es geht also nicht um die großen weltumspannenden Errungenschaften. Nehmen wir beispielsweise einen Tischler oder einen Bäcker oder ganz allgemein das gute alte Handwerk. Auch hier wird durch Talent, Fleiß und Wissen etwas erschaffen. Und diese von Hand hergestellten Gegenstände haben Seele, man spürt einen Unterschied zur konformen Fließbandproduktion.</p>
<p>An Ostern und zu <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5205" target="_blank" rel="noopener">Weihnachten</a></em> basteln Freunde von mir zusammen mit ihren Kindern ganz zauberhafte Grußkarten. Meine Vorfreude und Neugier sind jedes Jahr ungebrochen und wenn ich dann das originelle Unikat in den Händen halte, freue ich mich über diese Würdigung. Denn mit selbst angefertigten Dingen wird auch immer Zeit verschenkt und die Zeit ist doch das kostbarste Gut, das wir besitzen. So ist es ja auch nicht verwunderlich, dass wir beständig danach streben, Zeit zu sparen und effizient zu sein. Gerade heutzutage sind die Grenzen zwischen Arbeit, Freizeit und Familie fließender geworden, der Wettbewerb herausfordernder. Zeitmanagement ist hier das Stichwort. Und was machen wir dann eigentlich mit der oftmals hart erkämpften, gewonnenen Zeit?</p>
<p><b>Consumere</b></p>
<p>Entdecken wir unsere schöpferische Muße, die ganz im Gegensatz zur mühevollen Arbeit steht oder lenken wir uns ab, verbrauchen und nicht gebrauchen unsere kostbare Zeit? Der Ablenkung oder Vergnügung, je nachdem, hat sich ein ganzer Industriezweig angenommen. Fernsehen, Computerspiele oder Social Media sind ein beliebter Zeitvertreib. Doch ist die Befriedigung nur oberflächlich, flüchtig und erfüllt uns nicht. „Erkenne dich selbst“ stand einst über dem Orakel zu Delphi und diese Aufforderung war ebenso der Leitgedanke der antiken Philosophie. Wie und mit welchen Tätigkeiten können wir also die Qualität unserer freien Zeit erhöhen, uns selbst entdecken und erkennen? Neues und vielleicht auch Spannendes erleben wir nur, wenn wir bereit sind, uns zu öffnen und neue Pfade zu beschreiten.</p>
<p><b>In der Ruhe liegt die Kraft</b></p>
<p>Zwischen To-do-Listen und Reizüberflutung lässt sich jedoch nur schwerlich der Weg zur Selbsterkenntnis nehmen. Hierfür benötigen wir die Muße oder auch den Müßiggang. Es bezeichnet die durch Zeitmanagement gewonnene freie Zeit, gepaart mit innerer Ruhe und der Möglichkeit, nun die eigenen Interessen und Talente zu entdecken und zu entfalten. Bei dem Klang des Wortes „Freizeit“ möge sich der Workaholic vielleicht schon überfordert fühlen und meinen, gegensteuern zu müssen. Denn oftmals wird das heutzutage eher negativ belastete Wort „Langeweile“ mit der freien Zeit in Verbindung gebracht. Aber entsteht denn nicht gerade aus dem Leerlauf, also der Langeweile, Ideen und Beschäftigungen, die wir sonst nicht wahrgenommen hätten? Eine Reise in die Vergangenheit, zu den kreativen Größen, kann dabei eine neue Perspektive bieten und vielleicht auch ermutigen und inspirieren.</p>
<p><b>Weimarer Musenhof</b></p>
<p>Der wohl bekannteste Musenhof fand sich um 1800 regelmäßig in und rund um Weimar zur gepflegten und geistreichen Geselligkeit ein. So versammelte <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4873" target="_blank" rel="noopener">Anna Amalia</a></em> von Sachsen-Weimar-Eisenach kulturell Interessierte aus verschiedenen Kreisen um sich. Adlige sowie Bürgerliche, Hofleute, Staatsdiener, Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler tauschten sich über gemeinsam gelesene <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5819" target="_blank" rel="noopener">Bücher</a></em>, aktuelle Theaterstücke und die musikalischen Ereignisse der Saison aus. Es wurde miteinander diskutiert, debattiert und sich inspiriert.</p>
<p>Die vermutlich prominenteste Inspirationsquelle dieser Zeit war Charlotte von Stein. Sie war Hofdame der Herzogin <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4873" target="_blank" rel="noopener">Anna Amalia</a></em> und enge Freundin und Muse von <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1314" target="_blank" rel="noopener">Johann Wolfgang von Goethe</a></em>. Mit Anmut und ihrer natürlichen Wesensart soll sie nicht nur <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1314" target="_blank" rel="noopener">Goethe</a></em>, sondern auch Johann Gottfried von Herder und <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/3354" target="_blank" rel="noopener">Friedrich von Schiller</a></em> in ihrem künstlerischen Schaffen beeinflusst haben. Doch was ist eigentlich das Musenhafte an der Muse? Es ist das Interesse, die aufrichtige Anteilnahme am schöpferischen Wirken des Künstlers.</p>
<p><b>Von der Muse geküsst</b></p>
<p>In der griechischen Mythologie sind die Musen Schutzgöttinnen der Künste und Geschöpfe der göttlichen Inspirationsquelle. In der Antike vertrat man die Vorstellung, dass die Inspiration nicht vom eigenen Selbst, sondern von Göttern oder eben den Musen von außen eingegeben werden. So gesellen sich diese neun Quellnymphen, von Zeus und Mnemosyne gezeugt, um Apoll, den Gott der schönen Künste und werden von ihm geleitet. Jede der neun Musen war für die wichtigsten der menschlichen Künste zuständig und hatte somit ihr eigenes Spezialgebiet.</p>
<p>So ist Kalliope die Muse der epischen Dichtung und Mutter des Sängers Orpheus, Kleio die Muse der Geschichtsschreibung und des Heldenliedes, Terpsichore die Muse des Tanzes und Urania die Muse der Wissenschaft, insbesondere der Sternenkunde. Dann wären da noch Melpomene die Muse der Tragödiendichtung, Thaleia die Muse der Komödiendichtung, Euterpe die Muse des Flötenspiels, Erato die Muse der Liebeslyrik und Polyhymnia, die Muse der Musik und der Hymnendichtung.</p>
<p><b>Zauberwort Entschleunigung</b></p>
<p>Auch heutzutage werden reale Personen als Musen bezeichnet, die durch ihr Wesen und ihre Ausstrahlung inspirieren. Natürlich brauchen wir nicht zu warten, bis ein solches Geschöpf an der Tür klingelt und um Einlass bittet. Es gibt viele Möglichkeiten, die ruhelosen Gedanken zu zähmen und zu sich selbst zu kommen, um dann vielleicht sogar die eigene, bislang verborgene kreative Ader zu entdecken. Zum Beispiel Spazierengehen, ohne Ziel, einfach so, langsam und bedächtig.</p>
<p>Mark Twain schreibt in Die Abenteuer von Tom Sawyer: „Im Leben eines jeden recht gestrickten Jungen kommt die Zeit, in der er eine drängende Sehnsucht verspürt, loszuziehen und nach verborgenen Schätzen zu graben.“</p>
<p>Es gibt so viel zu entdecken. Wenn wir bereit dazu sind, unseren Blickwinkel zu verändern und neue Wege zu beschreiten, finden wir verborgene Schätze oder ungenutzte Möglichkeiten auch in uns selbst. So können wir die Zeit, die uns gegeben wurde, mit echtem Leben füllen.</p>
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		<title>Gold, Pech und Lebenslektionen</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4638</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Dec 2021 13:11:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturelles]]></category>
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		<category><![CDATA[Frau Holle]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Geschichten zu erzählen ist eine Tradition, so alt wie der Mensch selbst. Sie überwinden Kulturkreise und Ländergrenzen und haben die Kraft, uns zu verbinden. Ernstes wird mit Leichtigkeit und Humor vermittelt, und so können Geschichten unser Leben bereichern und uns in unserer Entwicklung voranbringen.<span id="more-4638"></span></p>
<p><strong>Weihnachtszeit ist Märchenzeit</strong></p>
<p>Weihnachten ist für mich die Zeit, in der Märchen ihren ganz besonderen Zauber entfalten. An den Wochenenden gönne ich mir eine große Tasse heiße Schokolade, dazu Zimtsterne, Butterstollen oder Lebkuchen, und mache es mir auf der Couch gemütlich. Dann tauche ich ein in die Welt der Märchen, die mich seit meiner Kindheit begleiten. Auch wenn ich fast alle Geschichten in- und auswendig kenne, fesseln sie mich jedes Mal aufs Neue. Ich leide mit den Helden, freue mich über die Siege der Guten und verliere mich in den zeitlosen Botschaften. Für Märchen, davon bin ich überzeugt, ist man nie zu alt.</p>
<p><strong>Frau Holle – eine Geschichte, die bleibt</strong></p>
<p>Eines der Märchen, das für mich untrennbar mit der Weihnachtszeit verbunden ist, ist „Frau Holle“. Es ist eines der bekanntesten Werke der Gebrüder Grimm und erfreut sich besonders in der kalten Jahreszeit großer Beliebtheit.</p>
<p>Die Geschichte erzählt von zwei Schwestern: Die eine ist schön und fleißig, die andere eher reizlos und arbeitsscheu. Beide werden auf ihre Tugend und Reinheit des Herzens getestet. Am Ende erhalten sie ihre verdiente Belohnung – oder Bestrafung. Die Fleißige, die ihre Aufgaben stets mit Hingabe und Freundlichkeit erfüllt, wird mit Gold überschüttet. Ihre Schwester aber, die sich Arbeit und Mühe ersparen will, wird mit Pech übergossen. Es ist ein Märchen, das klar macht: Ohne Fleiß kein Preis.</p>
<p><strong>Tugend und Karma</strong></p>
<p>„Frau Holle“ vermittelt zahlreiche Werte und Lebensweisheiten. Eine davon ist der Grundsatz, dass Gutes mit Gutem und Schlechtes mit Schlechtem vergolten wird. Eine andere: Es gibt keine Abkürzungen im Leben. Wer seinen Weg geht, mit allen Prüfungen und Herausforderungen, wird am Ende belohnt.</p>
<p>Interessant ist der Bezug zum Buddhismus: Dort heißt es, dass unser Körper zwei unsichtbare Substanzen trägt. Die helle, Tugend, entsteht durch gute Taten und das Ertragen von Leid. Die dunkle, Karma, sammelt sich durch schlechte Taten an. In „Frau Holle“ werden diese Substanzen symbolisch durch Gold und Pech dargestellt.</p>
<p>Die Märchen der Gebrüder Grimm folgen diesem Prinzip oft: Gut und Böse sind klar zu erkennen, und am Ende siegt das Gute. Es gibt eine ausgleichende Gerechtigkeit. Im echten Leben, so scheint es, dauert dieser Ausgleich manchmal länger – oder wir sehen ihn erst am Ende unseres Lebens, wenn es zu spät ist, unsere Fehler wiedergutzumachen.</p>
<p><strong>Die Märchen der Gebrüder Grimm</strong></p>
<p>Jacob und Wilhelm Grimm schrieben 1812: „Kindermärchen werden erzählt, damit in ihrem reinen und milden Lichte die ersten Gedanken und Kräfte des Herzens aufwachen und wachsen; weil aber einen jeden ihre einfache Poesie erfreuen und ihre Wahrheit belehren kann, und weil sie beim Haus bleiben und sich forterben sollen, werden sie auch Hausmärchen genannt.“</p>
<p>Mit ihrer Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“, die sie im romantischen Stil niederschrieben, erlangten die Brüder Weltruhm. Übersetzt in über 160 Sprachen und Dialekte, sind sie das weltweit meistgelesene Buch der deutschen Kulturgeschichte. Für die Grimms ging es nicht nur um Unterhaltung, sondern auch um die Bewahrung alten Volksguts und die Vermittlung von moralischen Werten. Sie selbst nannten ihre Märchensammlung ein „Erziehungsbuch“.</p>
<p>2005 wurden die „Kinder- und Hausmärchen“ von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt – eine Anerkennung, die ihre zeitlose Bedeutung unterstreicht.</p>
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