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	<title>Kultur</title>
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	<title>Kultur</title>
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		<title>Karl Valentin: Der Mann, der dem Unsinn Sinn gab</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Jun 2025 20:47:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Walhalla]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Er drehte an der Sprache, bis sie sich selbst widersprach – und traf damit oft mitten ins Schwarze. Karl Valentin, ein Clown mit Tiefgang und feinem Störgefühl fürs Normale.<span id="more-6553"></span></p>
<p><strong>„Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“</strong></p>
<p>Am 4. Juni 1882 wurde Karl Valentin in München geboren. Er schuf eines der eigensinnigsten Werke der deutschen Sprach- und Komikgeschichte.</p>
<p>Valentin war kein gewöhnlicher Komiker. Er war ein Sprachzerleger, ein Logikverdreher, ein Philosoph im Dialektkostüm. Aus harmlosen Alltagsbeobachtungen schälte er den Irrsinn der Welt. Er ließ seine Figuren stottern, streiten, missverstehen – und hielt uns damit einen Spiegel vor, der oft komischer war als das Original.</p>
<p><strong>„Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“</strong></p>
<p>Karl Valentin war kein Systemkritiker im klassischen Sinn – aber ein genauer Beobachter. Seine Figuren verheddern sich in Sprache, in Vorschriften, in sich selbst. Gerade darin lag seine Wirkung. Bertolt Brecht bewunderte ihn. Loriot und Gerhard Polt ließen sich von ihm prägen. Auch Thomas Mann zählte zu seinen Bewunderern.</p>
<p>Im Jahr 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, schrieb Valentin einen Text mit dem harmlosen Titel „Kriegs-Erklärung“. Er entwarf darin eine groteske Alternative zur Gewalt: Zwei Länder führen keinen blutigen Krieg mehr, sondern ein Tauziehen mit je 1000 starken Männern, mitten auf einem Feld. Wer verliert, zahlt Lösegeld – aber niemand stirbt.</p>
<p>„Keine Blutstropfen – – nur Schweißtropfen – – werden bei diesem Kriege fließen!!!“<br />
Was wie ein kurioser Gedankengang klingt, ist in Wahrheit ein subversiver Appell für den Frieden, verpackt in der scheinbar harmlosen Logik eines Komikers. In einer Zeit, in der Kritik lebensgefährlich sein konnte, formulierte Valentin einen leisen, aber unüberhörbaren Gegenentwurf zum Wahnsinn des Krieges.</p>
<p>Auch im Film brachte Karl Valentin seinen absurden Humor zur Geltung: reduziert, sprachverliebt, oft mit minimalen Mitteln. Seine Kurzfilme wirken wie auf die Leinwand gebrachte Sprachspiele – komisch, zeitkritisch und ihrer Zeit voraus.</p>
<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wandte sich das Publikum von Karl Valentin ab. Sein sprachkritischer, hintergründiger Humor passte nicht zur Stimmung der Zeit: Die Menschen suchten Leichtigkeit, Aufbruch, Ablenkung – nicht die Konfrontation mit Absurdität und Widerspruch.</p>
<p>Valentin zog sich zurück. Seine Wohnung in München war zerstört, er lebte zuletzt in seinem Haus in Planegg bei München. Dort verbrachte er seine letzten Jahre in großer materieller Not, unterernährt, gesundheitlich geschwächt und weitgehend isoliert.</p>
<p>Am 9. Februar 1948 starb Karl Valentin an einer Lungenentzündung, vermutlich infolge von Grippe und Schwäche. Sein Tod blieb nahezu unbeachtet – sein Werk dagegen wirkt bis heute.</p>
<p><strong>„Wer am Ende ist, kann von vorne anfangen. Denn das Ende ist der Anfang von der anderen Seite.“</strong></p>
<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/6553" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der „Voltaire der Deutschen“: Christoph Martin Wieland</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5617</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Nov 2023 18:17:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten die inspirieren]]></category>
		<category><![CDATA[Walhalla]]></category>
		<category><![CDATA[Anna Amalia]]></category>
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		<category><![CDATA[Wieland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="p1">Wielands Name steht für die moderne deutsche Prosa, für die deutschsprachige Oper und für politischen Journalismus. Durch seine Übersetzungen von Shakespeare, Horaz und Cicero prägte er die deutsche Sprache und er war Begründer der Weimarer Klassik.<span id="more-5617"></span></p>
<p class="p1"><span class="s1">„</span>Bin ich gewesen, was ich sein wollte? Hab ich gewirkt, was ich wirken wollte? Hab ich mit den Kräften, die mir die Natur verlieh, als ein treuer Weltbürger so gut Haus gehalten, wie es mir unter den Umständen, die nicht von meiner Willkür abhingen, möglich war? War mein Zweck rein? War er der beste unter allen, die ich mir vorsetzen konnte? Hab ich ihn auf dem geradesten Wege, durch die einfachsten, sichersten und edelsten Mittel zu erreichen gesucht? Kann ich, wenn ich mein ganzes langes Leben hinter mir zurückschaue, mit mir selbst zufrieden sein? (&#8230;)“<span class="s2">. Diese Zeilen, die Wieland in seinem Roman „Agathodämon“ schreibt, sind bezeichnend für das Leben und Werk des Autors selbst.</span></p>
<p><em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" target="_blank" rel="noopener">Christoph Martin Wieland</a></em> gilt als einer der vielseitigsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Publizisten des 18. Jahrhunderts. Als erster Bestseller-Autor Deutschlands war er zeitweise der meistgelesene und bestbezahlte Schriftsteller seiner Epoche.</p>
<p>Wielands literarische Produktivität war beeindruckend: Er verfasste elf Romane, zahlreiche Essays, 40 Verserzählungen und Versepen, <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" target="_blank" rel="noopener">übersetzte Werke</a></em> von zehn Autoren, schrieb Dramen und Libretti, Märchen und Novellen. Als Journalist und Herausgeber hinterließ er zudem etwa 14.000 Briefe. Bereits zu seinen Lebzeiten wurden seine Werke in 13 Sprachen übersetzt.</p>
<blockquote>
<p class="p4">„Kinder und Bücher zugleich machen, ist zu toll – nicht wahr? (&#8230;) Also fahren wir in Gottes Namen immer fort, beides zu machen, so lang´s Zeug hält, und wir Freude daran haben.“</p>
</blockquote>
<p class="p4">In den 36 glücklichen Ehejahren schenkte ihn seine Frau Anna Dorothea vierzehn Kinder.</p>
<p class="p4">Obwohl Wieland maßgeblich die <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" target="_blank" rel="noopener">deutsche Alltagssprache</a></em> und die deutsche Kultur prägte, ist er heute, im Zeitalter der Massenliteratur, einer der am wenigsten bekannten deutschen Schriftsteller. Als hätte er diese Entwicklung vorausgesehen, sagte Wieland selbst gegen Ende seines Lebens, dass sein Name „im 19. Jahrhundert nichts bedeuten werde“.</p>
<p class="p7"><b>Die Übersetzungen</b></p>
<p class="p4">Ein bedeutender Teil von Wielands Werk sind seine Übersetzungen. In Biberach übersetzte Wieland zwischen 1761 und 1766 insgesamt 22 Dramen von Shakespeare. Dadurch erreichten diese Werke ein breites Publikum und wurden in Deutschland bekannt. Als eine Art Nebeneffekt bereicherte er bei der Übersetzung die deutsche Sprache. Zu Wielands Wortschöpfungen gehören zum Beispiel: Abschied nehmen, kaltherzig, humoristisch, Todesstimme, Anziehungskraft, heimatlos, Beobachter, scharfzüngig.</p>
<p class="p4">„Shakespearen zu übersetzen war in jenen Tagen ein kühner Gedanke, weil selbst gebildete Literatoren die Möglichkeit leugneten, daß ein solches Unternehmen gelingen könne. Wieland übersetzte mit Freiheit, erhaschte den Sinn seines Autors, ließ beiseite, was ihm nicht übertragbar schien, und so gab er seiner Nation einen allgemeinen Begriff von den herrlichsten Werken einer andern, seinem Zeitalter die Einsicht in die hohe Bildung vergangener Jahrhunderte.“, äußert Goethe in „Zu brüderlichen Andenken Wielands“</p>
<p class="p4">Während seiner Weimarer Zeit widmet sich Wieland Horaz, Lukian und Xenophon sowie Euripides und Aristophanes. Zuletzt, im Alter von 73 Jahren hegt er den Wunsch, „irgendeine große, schwere und mühselige, aber mir mit allem dem angenehme und zu meinen gewohnten Studien passende Geistesarbeit zu unternehmen“. So beginnt er 1806 mit der Übersetzung sämtlicher Briefe Ciceros, in der Hoffnung, „daß sie mir durch Lust und Liebe zur Sache und durch die mit der Ausführung selbst notwendig verbundene unvermerkte Steigerung meiner Kräfte vielleicht so weit gelingen dürfte, daß ich die Welt mit dem Troste verlassen könnte, die letzten Jahre oder Tage meines Lebens nicht ohne alles Verdienst&#8230;zugebracht zu haben.“</p>
<p class="p4"><b>Professor Primarius Philosophiae</b></p>
<p class="p4">Bevor Wieland an den Weimarer Hof kommt, ist er erster Professor für Philosophie an der Universität in Erfurt. Er soll zur Reform und Modernisierung der Universität beitragen und nicht wenige Studenten ließen sich allein wegen Wielands Namen nach Erfurt locken. Zu seiner ersten Vorlesung am 03.07.1769 kamen 300 Studenten. Die, für die damalige Zeit ungewöhnlich hohe Anzahl sank schnell herab. Denn Wieland war zwar „modern“, jedoch nicht gerade anspruchslos. Er las über „die Geschichte der Menschheit“, „die Geschichte der Philosophie“, über „Theorie und Geschichte der schönen Künste“, über „Krankheiten und Laster der menschlichen Seele“, über die antike Atomlehre und Werke Ciceros und Horaz.</p>
<p class="p4">Doch Erfurt wird für Wieland zu „einem verhaßtem Neste“, die sittenlosen Studenten sind ihm zuwider und über die Universität schreibt er am 17. Februar 1770 an Sophie La Roche: „..daß man leichter Mohren weiß waschen, als die Erfurter Universität empor bringen könnte. Man soll den Pelz waschen, aber er soll nicht nass werden.“</p>
<p class="p4">Nicht ungelegen kommt also Anfang 1772 die Einladung der Weimarer Regentin <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4873">Anna Amalia</a></em>. Wieland ist zu dieser Zeit der bekannteste deutsche Autor und führender Intellektueller. Er soll Mentor werden für ihre Söhne, den 14-jährigen Thronfolger Carl August und den 13-jährigen Konstantin.</p>
<p class="p4">Am 22. März 1772 schreibt Wieland an <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4873" target="_blank" rel="noopener">Anna Amalia</a></em>: „Bei den Prinzen hängt alles davon ab, daß sie es sich zur Gewohnheit machen, nie zu vergessen, daß sie Menschen sind, und daß sie folglich überall ihresgleichen sehen.“ Am 18. September 1772 zieht Wieland als Prinzenerzieher nach Weimar.</p>
<blockquote>
<p class="p4">„Es gibt eine Art von Ehrgeiz, die zu den Pflichten eines jeden Mannes von Ehre gehört; und das ist der Ehrgeiz, es richtig zu machen.“ Wieland am 19. Juli 1772 an Anna Amalia.</p>
</blockquote>
<p class="p4"><b>Wieland als Prinzenerzieher</b></p>
<p class="p4">Bei Wielands Ankunft besteht Weimar aus etwa 6000 Einwohnern, zwei Kirchen und einem Schloss. Abgesehen von einer großen Bibliothek unterscheidet es sich nicht von vielen anderen deutschen Kleinstädten. Herzogin Anna Amalia regiert seit 1759 anstelle ihres unmündigen Sohnes Carl August. Bis zu seinem Regierungsantritt 1775, soll Wieland den zukünftigen Herrscher auf seine Aufgabe vorbereiten.</p>
<p class="p4">Sein Ziel war, Carl August zu einem aufgeklärten Herrscher mit Herz und Gefühl für seine Untertanen heranzubilden. An <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4873" target="_blank" rel="noopener">Anna Amalia</a></em> schrieb er: „Der wirkliche Ruhm eines Herrschers besteht darin, sich selbst und sein Land gut regieren zu können, alle seine Pflichten zu erfüllen, sein Volk so glücklich wie möglich zu machen, von denen, die mächtiger sind als er soweit wie erreichbar unabhängig zu bleiben, seine Wünsche zu mäßigen, schließlich Philosoph und Christ zu sein und nie den Augenblick zu vergessen, an dem er Gott, dem allerhöchsten Herrscher, Rechenschaft darüber abgeben muss, in welcher Weise er von seiner Macht, Gutes und Böses zu tun, Gebrauch gemacht hat“.</p>
<p class="p4">Carl August wurde zu einem der fortschrittlichsten und populärsten Regenten seiner Zeit. Als erstes deutsches Land erhielt Sachsen-Weimar-Eisenach 1816 eine landesständische Verfassung, die u. a. die Pressefreiheit und das Recht der freien Meinungsäußerung gewährte. Im Jahr 1821 erließ er ein fortschrittliches Einkommenssteuergesetz und er erlaubte die Gründung der Burschenschaft 1815 und die Abhaltung des Wartburgfests 1817. Carl August machte Weimar zu einem Musterstaat.</p>
<p class="p4"><b>Die Geburtsstunde der Weimarer Klassik</b></p>
<p class="p4">Wieland hegte große Pläne für das ländliche Weimar. Die Kleinstadt sollte ein neues kulturelles Zentrum werden, das weit über die Grenzen des Fürstentums Bedeutung erlangt. So verwirklicht er kurz nach seiner Ankunft zwei Pläne. Er gründet eine literarisch politische Zeitschrift „Der Teutsche Merkur“und er schreibt für den Weimarer Hof die erste deutschsprachige Oper, „Alceste“, vertont von Anton Schweizer.</p>
<p class="p4">Durch Wielands Wirken wird Weimar für <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1314" target="_blank" rel="noopener">Goethe</a></em> attraktiv genug, um 1775 der Einladung durch Herzog Carl August zu folgen. Wieland und <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1314" target="_blank" rel="noopener">Goethe</a> </em>holen 1776 Herder nach Weimar, 1799 folgt <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/3354" target="_blank" rel="noopener">Schiller</a></em>. Diese einzigartige Konstellation wird später die Weimarer Klassik genannt.</p>
<p class="p4">„Sein Äußeres hat mich überrascht. Was er ist, hätte ich nicht in diesem Gesicht gesucht &#8211; doch gewinnt es sehr durch den augenblicklichen Ausdruck seiner Seele, wenn er mit Wärme spricht“, schreibt <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/3354">Schiller</a></em> von seinem ersten Treffen mit Wieland.</p>
<p class="p4">Nach dem Tod Wielands bezeugt <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1314">Goethe</a></em> in seiner Autobiografie „Aus meinem Leben -Dichtung und Wahrheit“: „Wieland besaß unter allen das schönste Naturell.“</p>
<p class="p4"><b>„Der Teutsche Merkur“</b></p>
<p class="p4"><span class="s1">„</span>Ich bin entschlossen eine Art von Journal zu entrepeniren, welches einige Ähnlichkeit mit dem „Merkur de France“ haben soll. Prosaische Original-Aufsätze, Litterarische Nachrichten, Recensionen und Revisionen unrichtiger Urtheile über interessante Schriften, sollen die Haupt-Artikel davon ausmachen.“ Zudem sollte das neue Journal so geschrieben sein, „daß es nicht für Gelehrte allein, sondern auch für Damen und Edelleute interessant würde“.</p>
<p class="p4">„Der Teutsche Merkur“ (1773-1789) und „Der Neue Teutsche Merkur“ (1790-1810) widmeten sich aktuellen literarischen, politischen und wirtschaftlichen Ereignissen. „Das Attische Museum“ (1796-1802) und „Das Neue Attische Museum“ (1805-1809) war hauptsächlich der Antike gewidmet.</p>
<p class="p4">Die erste Rubrik, die konstant über zwei Jahre jeden Monat erschien, war die von Wieland initiierte Reihe über historisch bedeutende Persönlichkeiten. Auch andere Gelehrte, zum Beispiel Johann Gottfried Herder schrieben regelmäßig Beiträge für dieses Format.</p>
<p class="p4">„Der Teutsche Merkur“ war die langlebigste Kulturzeitschrift jener Jahre und das einflussreichste und meist diskutierte deutsche Periodikum. Vor allem während der Französischen Revolution war „Der Neue Teutsche Merkur“ eine der wichtigsten Zeitschriften, in denen das Pro und das Contra der Ereignisse intensiv und ausgewogen erörtert wurden. Seine Leser sollten sich eine eigene Meinung bilden, denn darin sah Wieland die Aufgabe des politischen Journalismus. „Der Himmel verhüte, dass ich von irgend einem denkenden Wesen verlange, mit mir überein zu stimmen, wenn er von der Richtigkeit meiner Behauptungen oder Meynungen nicht überzeugt ist; oder daß ich jemahls fähig werde, jemandem meinen Beyfall deßwegen zu versagen, weil er nicht meiner Meynung ist.“, schreibt Wieland in „Der Neue Teutsche Merkur“ im Mai 1794.</p>
<p class="p4">Am 06. Oktober 1808 lädt sich Napoleon „zu Jagd und Tafel“ selbst nach Weimar ein. Beim abendlichen Ball im Schloss lässt er nach Wieland schicken, dem Mann, der seinen Aufstieg vorausgesagt hatte. Der greise Dichter erscheint ohne Perücke, ungepudert und schlicht gekleidet. Beide unterhielten sich anderthalb Stunden wie alte Bekannte. Napoleon würdigte den greisen Dichter und bezeichnete ihn als „Voltaire Deutschlands“.</p>
<p class="p4"><b>Die „Freyheit der Presse“</b></p>
<p class="p4">Die Ereignisse in Frankreich führten zu einer Einschränkung der Pressefreiheit in Deutschland. Doch für Wieland war die Freiheit der Presse die Grundbedingung aller politischen Freiheit. So schrieb er in „Der Teutsche Merkur“ im September 1785:</p>
<p class="p4">„Freyheit der Presse ist Angelegenheit und Interesse des ganzen Menschen-Geschlechtes. Dieser Freyheit hauptsächlich haben wir den gegenwärtigen Grad von Erleuchtung, Kultur und Verfeinerung, dessen unser Europa sich rühmen kann, zu verdanken. Man raube uns diese Freyheit, so wird das Licht, dessen wir uns jetzt erfreuen, bald wieder verschwinden; Unwissenheit wird bald wieder in Dummheit ausarten, und Dummheit wird uns wieder dem Aberglauben und dem tyrannischen Despotismus preisgeben.“</p>
<p class="p4"><b>„Die irdische Verstrickung lösen“</b></p>
<p class="p4">Im Januar 1813 bekam Wieland einen leichten Schlaganfall, von dem er sich zunächst zu erholen schien. Doch dann verschlimmert sich sein Zustand. Er spricht im Fieber, zitiert Shakespeares bekannten Vers „Sein oder Nichtsein&#8230;“ auf Deutsch und Englisch. Kurz vor Mitternacht des 20. Januar tat er seinen letzten Atemzug.</p>
<p class="p1">Ganz Weimar war von der Todesnachricht bewegt. Viele Bürger, Freunde und Verehrer statteten ihm einen letzten Besuch ab.</p>
<p class="p4">„Unsre größte Angelegenheit ist, zu wissen, wer wir selbst sind, wo wir sind, und wozu wir sind. Hierin führen uns unsre Sinne mit Hilfe unsrer Vernunft gerade so weit, aber nicht einen Schritt weiter, als nötig ist, um einzusehen, dass wir in diesem kurzen Dasein unsern Wünschen und Bestrebungen kein höheres Ziel setzen können, als selbst glücklich zu sein und so viel Glück als möglich um uns her zu verbreiten. Weiter reicht unser Vermögen nicht.“<span class="Apple-converted-space">  </span>(Geschichte des Agathon, III. Teil)</p>
<p>&#160;</p>
<p class="p4">Auf meinem Gan Jing World-Kanal: https://ganjing.one/BettinasJungbrunnen findet ihr ein kurzes Video über Christoph Martin Wieland.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/61e027dbb3654b4e8bd337bca4664f27" alt="" width="1" height="1" /></p>
<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5617" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Anna Amalia: Zwischen Regierungsgeschäften und Mäzenatentum</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4873</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Oct 2022 08:28:35 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Anna Amalia ist eine der bedeutendsten Frauen des 18. Jahrhunderts, zog Geistesgrößen wie Goethe und Schiller an und verhalf dem Städtchen Weimar zu Weltruhm. Doch wer war diese Frau, die oft zwischen den anderen Größen unterzugehen droht? „Erhabenes verehrend, Schönes genießend, Gutes wirkend, Förderte sie alles, Was Menschheit, Ehrt ziert und bestätigt“, lautet die Grabinschrift, die<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4873" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein Jahrhunderte währender Streit: Wie schreibt man deutsch?</title>
		<link>https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Oct 2022 19:16:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="auszug">Fraktur, Antiqua oder Minuskel, welche dieser Schriften kann wirklich als „deutsche Schrift“ bezeichnet werden? Welche Schrift fließt leicht aus der Feder und schont das Auge? In den letzten Jahrhunderten diskutierten Gelehrte, Politiker und Buchdrucker diese Fragen.</p>
<p><span id="more-4855"></span></p>
<p>Die Grundlage für unsere heutige Schreib– und Druckschrift basiert auf dem lateinischen Alphabet und besteht aus je 26 Majuskeln und Minuskeln sowie Buchstabenkombinationen mit Umlauten und Akzentzeichen. Zuvor prägten unzählige Schriftformen die gedruckten und handgeschriebenen Werke. Den gebrochenen Schriften, Frakturschriften, haftet bis heute das Odium des Deutschnationalen an, obwohl sie seit dem 16. Jahrhundert die am meisten verwendete Druckschrift im deutschsprachigen Raum war. Volkstümliche Drucke erschienen in Fraktur. Dichter, die auf eine große Verbreitung ihrer Werke Wert legten, ließen sie in Fraktur drucken.</p>
<p>Tatsächlich wurde die Frakturschrift 1941 von den Nationalsozialisten verboten, nachdem sie zuvor von ihnen propagiert worden war. Durch die fortwährende Ideologisierung der Fraktur ist der Umgang mit ihr fast vollständig verloren gegangen. Ganze Bibliotheksbestände aus Jahrhunderten drohen in Vergessenheit zu geraten, weil kaum jemand noch in der Lage ist, sie zu lesen.</p>
<p><strong>Verbot der Fraktur</strong></p>
<p>Am 17. August 1934, im Jahr nach der Machtergreifung, bekräftigte Adolf Hitler die dauerhafte Vormachtstellung der deutschen Fraktur gegenüber der lateinischen Antiqua. Er reagierte damit auf die zunehmende Verwendung der Antiqua für <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5286" target="_blank" rel="noopener">deutschsprachige</a></em> Texte im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Während im Jahr 1861 noch 78 Prozent aller in Deutschland gedruckten Bücher in Fraktur gesetzt wurden, waren es 1891 nur noch 59 Prozent und im Jahr 1928 lediglich 57 Prozent.</p>
<p>Nachdem allerdings die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg Polen, Frankreich, die Niederlande und Belgien besetzt hatte und Hitler die Feldzüge in Jugoslawien und Griechenland sowie den späteren Einmarsch in die Sowjetunion plante, warf er seine Vorstellung von der Dominanz der Fraktur recht schnell über Bord.</p>
<p>Die Fraktur behinderte die Verständigung mit der Bevölkerung in den besetzten Gebieten. Die von den Deutschen erlassenen Gesetze und Befehle waren schwer lesbar und konnten somit nicht befolgt werden. Zudem erschwerte sie die Briefzensur. In einem Rundschreiben vom 3. Januar 1941 wurde angeordnet, dass die Antiqua-Schrift künftig als Normalschrift zu bezeichnen sei.</p>
<p>Jahrzehnte zuvor plagte die Fraktur ein Akzeptanzproblem in den Volksschulen, denn sie galt als zu schwer zu erlernen. Am 4. Mai 1911 erreichte der vorangegangene Schriftstreit zwischen der Antiqua und der Fraktur im deutschen Reichstag einen neuen Höhepunkt. Das preußische Kultusministerium erteilte den Auftrag, eine einfachere, aber dezidiert „deutsche“ Schreibschriftvariante zu entwerfen, die auch als Erstschrift für Schulanfänger geeignet sei. Den ausgeschriebenen Wettbewerb konnte der Berliner Grafiker und Pädagoge Ludwig Sütterlin für sich entscheiden. Die Sütterlinschrift wurde 1917 unter dem Titel „Neuer Leitfaden für den Schreibunterricht“ präsentiert und 1934 für das gesamte Reich verbindlich. Fraktur und Antiqua wurden als Druckschrift weiterhin verwendet.</p>
<p><strong>Maximilian I. und die Schöpfung der Fraktur</strong></p>
<p>Doch wie entstand die Fraktur? Kaiser Maximilian I. war ein Kenner und Liebhaber der Kalligrafie. Er zog im 15. Jahrhundert die noch junge Kunst des Buchdrucks <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5819" target="_blank" rel="noopener">Johannes Gutenbergs</a></em> heran, um seine Macht durch schöne Schriftwerke zur Schau zu stellen. Für prächtige Bauwerke fehlten ihm die finanziellen Mittel.</p>
<p>Die kaiserlichen Drucke sollten seiner national bewussten Geisteshaltung entsprechen und demnach wurde auf die Verwendung der lateinischen Schrift, die humanistischen Minuskel, verzichtet. Schreibmeister und Kalligrafen entwarfen Vorlagen, die der Kaiser korrigierte. Am 30. Dezember 1513 war der Druck des Gebetsbuches für Maximilian I. beendet. Damit war die erste Fraktur entstanden – das Buch kann als eine der größten Schöpfungen der deutschen Buchkunst bezeichnet werden.</p>
<p><strong>Grimm: „Ungestalte und hässliche Schrift“</strong></p>
<p>Im Laufe der Jahrhunderte gab es Fürsprecher und Kritiker der Fraktur. Als Streiter für die ausschließliche Verwendung der lateinischen Schrift setzte sich <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1470" target="_blank" rel="noopener">Jakob Grimm</a></em> ein. In der Vorrede zum „<em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5286" target="_blank" rel="noopener">Deutschen Wörterbuch</a></em>“, das 1854 in Leipzig erschien, schreibt er: „Es verstand sich fast von selbst, dass die ungestalte und hässliche Schrift, die noch immer unsere meisten Bücher gegenüber denen aller übrigen gebildeten Völker von außen barbarisch erscheinen lässt und einer sonst allgemeinen Übung unteilhaftig macht, beseitigt bleiben müsste. Leider nennt man diese verdorbene und geschmacklose Schrift sogar eine deutsche … Nichts ist falscher, und jeder Kundige weiß, dass im Mittelalter durch das ganze Europa nur eine Schrift, nämlich die lateinische, für alle Sprachen galt und gebraucht wurde.“<img decoding="async" class="lazy" src="https://vg06.met.vgwort.de/na/cf25c4fe20b5488a880671620cef8fdc" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Seine Meinung fand nur im Rahmen der wissenschaftlichen Literatur Geltung. Selbst die <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4638" target="_blank" rel="noopener">Kinder- und Hausmärchen</a></em> der <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1470" target="_blank" rel="noopener">Gebrüder Grimm</a></em>, von denen 1899 bereits die 30. Auflage erschienen war, wurden fast ausschließlich in Fraktur gedruckt und hätten vermutlich in Antiqua nie diese gewaltige Verbreitung gefunden.</p>
<p><strong>Ohne Sprache kein Volk</strong></p>
<p><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/5617" target="_blank" rel="noopener"><em>Christoph Martin Wieland</em></a> – neben <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1314" target="_blank" rel="noopener">Goethe</a></em>, <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/3354" target="_blank" rel="noopener">Schiller</a></em> und Herder der Älteste des klassischen Viergestirns von Weimar – war Lehrer, Verleger, Dichter, Übersetzer und Schriftsteller. Er zeigte sich zuerst begeistert über die Antiquaschrift und hielt sie „eines schönen Druckes vorzüglich würdig“. Ein Jahr später erschienen dann seine „Sämtlichen Werke“ in der ersten deutschen klassizistischen Antiqua, der Prillwitz-Antiqua.</p>
<p>Am 15. Juli 1799 schrieb er jedoch an seinen Verleger: „Was dem Unternehmen [Gesamtausgabe seiner Werke] nicht wenig geschadet hat, sind die verwünschten lateinischen Lettern, die wir uns von den Liebhabern der geraden und halbrunden Linien haben aufschwatzen lassen. Ich habe seit drei bis vier Jahren Gelegenheiten genug gehabt, von Herren und Damen aller Klassen und Stände zu hören, dass sie deutsche Texte lieber mit deutschen, also mit den gewöhnlichen Lettern gedruckt lesen, als mit den lateinischen. Auch ist, wenn man die Wahrheit ehrlich gestehen soll, unleugbar, dass die Breitkopfischen Formen der deutschen Lettern das Auge weniger angreifen als die lateinischen. … Sogar Engländer und Franzosen haben mir gesagt, sie läsen deutsche Bücher lieber mit deutschen Lettern.“</p>
<p>Als überzeugte Anhängerin der Fraktur zeigt sich Goethes Mutter Katharina Elisabeth. Die Schriftfrage ist Gegenstand mehrerer Briefe an ihren Sohn. Erfreut ist sie „dass Deine Schriften, alte und neue, nicht mit den mir so fatalen lateinischen Lettern das Licht der Welt erblickt haben“ und wünscht „bleibe deutsch, auch in den Buchstaben.“</p>
<p>In Anbetracht der Niederlage Preußens und der napoleonischen Besetzung bittet sie am 25. Dezember 1807: „Halte fest an deutschem Sinn, deutschen Buchstaben, denn wenn das Ding so fort geht, so wird in fünfzig Jahren kein Deutsch mehr geredet noch geschrieben, und Du und <em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/3354" target="_blank" rel="noopener">Schiller</a></em>, Ihr seid hernach klassische Schriftsteller wie Horaz, Livius, Ovid und wie sie alle heißen, denn wo keine Sprache mehr ist, da ist auch kein Volk.“</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Sprachpflege</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Sprache ist Tradition, sie gilt als Immaterielles Kulturerbe und will gepflegt werden. Vor allem die deutsche Sprache ist sehr präzise und reichhaltig und war in der Geschichte durch politische oder soziale Einflüsse ständigen Veränderungen ausgeliefert. So wandelte sie sich fortwährend mit dem Stil der Architektur, der Medien und ist auch mit Religion und Weltanschauung eng verknüpft.</p>
<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4855" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
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		<title>Clara Schumann: Die Unerschütterliche zwischen Kunst und Familie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Sep 2022 15:02:15 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Clara – „die Strahlende“ oder „die Berühmte“. Dieser Name sollte sich als prophetisch erweisen, denn Clara Schumann, die als pianistisches „Wunderkind“ gefeiert wurde, eroberte die Musikwelt im Sturm. Doch hinter dem zarten Antlitz, das uns von Porträts anmutig und verträumt entgegenblickt, verbarg sich eine unerschütterliche Frau, die heutigen Vorstellungen einer „Powerfrau“ alle Ehre machen würde.<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4824" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
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		<title>Ludwig van Beethoven: Der Klang der Unsterblichkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Dec 2021 13:02:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beiträge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rund 240 Werke hat er der Nachwelt hinterlassen, darunter Sinfonien, Klavierkonzerte, Streichquartette und eine Oper. Seine Instrumentalwerke wurden bisher in annähernd 1.200 Filmen verwendet und seine unvollendete 10. Sinfonie mittels KI vollendet. Beethovens Faszination ist ungebrochen. Diese beeindruckende Schaffenskraft spiegelte sich auch in seinem Alltag wider. Beethoven fand Inspiration oft in der Natur, die ihm als Quelle unendlicher Kreativität diente.<span id="more-4634"></span></p>
<p>„Wir wollen heut nicht Unterricht nehmen; wir wollen lieber zusammen spazieren gehen, der Morgen ist so herrlich.“ Beethoven liebte es, durch die Natur zu wandern. Dabei blieb er keineswegs untätig, denn selbst während seiner Spaziergänge war seine kreative Energie ungebrochen. Vor sich hin summend und singend ging er einzelne Stücke im Geiste durch und schrieb neue Ideen in sein Skizzenbuch, das er bei seinen Wanderungen immer bei sich hatte.</p>
<p>Kaum im Quartier angekommen, stürmte er ans Klavier und probierte seine neuen Ideen aus – und Ferdinand Ries, der am Morgen zu ihm kam, um Unterricht zu nehmen, ward vergessen. Nach einiger Zeit blickte Beethoven auf, überrascht, seinen entzückten Schüler noch zu sehen, und sagte: „Heute kann ich Ihnen keine Lektionen geben, ich muss noch arbeiten.“</p>
<p>In einem Brief schreibt Beethoven: „… ich hätte mein Leben nicht geglaubt, daß ich so faul sein könnte, wie ich hier bin. Wenn darauf ein Ausbruch des Fleißes folgt, so kann wirklich was Rechtes zustandekommen.“</p>
<p>Diese kreativen Ausbrüche waren typisch für Beethoven, die ländliche Umgebung inspirierte ihn enorm. Hier findet seine geschundene Seele Ruhe und zu Gott. Denn in der Natur, in jedem Strauch und Baum, in Sonne, Luft und Wolken offenbart sich für ihn das Göttliche. In den Sommermonaten zieht der Komponist ganz aufs Land, fernab der Großstadthektik. So entstanden auch wesentliche Teile seiner neunten Sinfonie im idyllischen Kurort Baden, unweit von Wien.</p>
<p>Doch auch inmitten seiner produktivsten Phasen musste Beethoven persönliche und gesundheitliche Herausforderungen bewältigen.</p>
<p><strong>Heiligenstädter Testament</strong></p>
<p>Trotz seiner tiefen Verbindung zur Natur und der kreativen Hochphasen focht Beethoven schwere persönliche Kämpfe aus. Im Jahre 1802 verfasste er das berühmte Heiligenstädter Testament. Er ist 32 Jahre alt und kämpft schon mehrere Jahre gegen seine Taubheit und die gesellschaftlichen Folgen an. <img fetchpriority="high" decoding="async" class=" wp-image-6188 alignright" src="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2021/12/IMG_1280.jpg" alt="" width="271" height="204" srcset="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2021/12/IMG_1280.jpg 900w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2021/12/IMG_1280-300x225.jpg 300w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2021/12/IMG_1280-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 271px) 100vw, 271px" /></p>
<p>„… es fehlte wenig, und ich endigte selbst mein Leben – nur sie, die Kunst, sie hielt mich zurück, ach es dünkte mir unmöglich, die Welt eher zu verlassen, bis ich das alles hervorgebracht, wozu ich mich aufgelegt fühlte, und so fristete ich dieses elende Leben – wahrhaft elend, einen so reizbaren Körper, …“</p>
<p>„… Gottheit, du siehst herab auf mein inneres, du kennst es, du weist, daß menschenliebe und neigung zum Wohlthun drin Hausen, o Menschen, wenn ihr einst dieses leset, so denkt, daß ihr mir unrecht gethan, und der unglückliche, er tröste sich, einen seines gleichen zu finden, der troz allen Hindernissen der Natur, doch noch alles gethan, was in seinem Vermögen stand, um in die Reihe würdiger Künstler und Menschen aufgenommen zu werden …“</p>
<p>Trotz dieser schweren Zeiten fand Beethoven stets einen Weg, seine Leiden in schöpferische Kraft umzuwandeln. Zwischen April und Mai 1825, als er erneut schwer krank war, entstand das berührende Streichquartett Nr. 15 in a-Moll op. 132. Aus Dankbarkeit für das überstandene Leiden gab er dem Stück die Überschrift: „Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit“.<span class="Apple-converted-space"> <img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6189 alignright" src="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2021/12/IMG_1279-1024x768.jpg" alt="" width="244" height="183" srcset="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2021/12/IMG_1279-1024x768.jpg 1024w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2021/12/IMG_1279-300x225.jpg 300w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2021/12/IMG_1279-768x576.jpg 768w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2021/12/IMG_1279.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 244px) 100vw, 244px" /></span></p>
<p>Beethoven war nicht nur in seiner Musik ein Vorreiter, sondern auch in seinem Streben nach künstlerischer Unabhängigkeit.</p>
<p><strong>Musik für die Nachwelt</strong></p>
<p>Beethoven war ein Pionier in vielerlei Hinsicht. In einer Zeit, in der es keine freien Komponisten gab, an denen er sich hätte orientieren können, schuf er seinen eigenen Weg. Nur so vermag er sich selbst und seiner Musik treu zu bleiben, seine Mission zu erfüllen. Er ist überzeugt, seine Musik wird ihn überleben, er glaubt fest an die Unsterblichkeit seiner Werke.</p>
<p>Als Tonkünstler will er der Menschheit dienen, fühlt sich der Nachwelt verpflichtet und verbringt zum Ende seines Lebens viel Zeit mit der Korrespondenz mit Verlegern. Es darf nichts verloren gehen oder falsch kopiert werden, alles weist in die Zukunft.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die weltweite Anziehungskraft von Beethovens Musik zeigt sich auch in ihrer Verbreitung nach Asien. In den frühen 1900er-Jahren fand seine Werke sogar in China großen Anklang. Das chinesische Publikum fühlt sich sofort mit Beethovens Lebensgeschichte und seiner Widerstandskraft verbunden. Den Grundstein dafür legte Li Shutong.</p>
<p><strong>&#8222;Bei Duo Fen&#8220; – Ludwig van Beethoven auf chinesisch</strong></p>
<p>Der Chinese Li Shutong studierte im Jahre 1906 in Japan und setzte sich dabei intensiv mit der europäischen Kultur auseinander. So schrieb er einen Artikel über Beethoven mit dem Titel „The Sage of Music“ (Deutsch etwa: Meister der Musik).</p>
<p>Hier steht nicht etwa Beethovens außergewöhnliche Musik im Vordergrund, sondern vielmehr sein Kampf gegen Widrigkeiten, die harte Arbeit und die Überwindung von Hindernissen. Nur wenige Intellektuelle lasen diesen Text, die aber fanden in Beethoven ein moralisches Vorbild.</p>
<p>Denn 1911 geht das jahrtausendealte System der Dynastien zu Ende, das Land ist instabil, die Menschen haben Angst vor der Zukunft. Am 4. Mai 1919 finden Studentenproteste gegen die chinesische Regierung statt und auch sie befassen sich mit Beethoven. Als Mao 1966 die chinesische Kulturrevolution startet, richtet sie sich in ihrer Zerstörungswut gegen alles, was dem Aufbau einer sozialistischen Gesellschaftsordnung im Wege steht.</p>
<p>Beethoven wird als Repräsentant des westlichen Kapitalismus eingestuft und die Musiker, die vor der Revolution Beethoven spielten, als Revolutionsfeinde verdächtigt. Musikstudenten werden in Umerziehungslager gesteckt, Demütigungen, Exekutionen und Selbstmorde sind an der Tagesordnung.</p>
<p>Doch manch Unerschrockene schneiden sich eine Beethovenfrisur und treffen sich heimlich, um Beethovens Musik zu hören. 1977 wird Beethovens Fünfte mit ihrem weltbekannten Ta-ta-ta-Taaaa in Peking aufgeführt, im Radio und Fernsehen übertragen und alle wissen: Das Grauen der Kulturrevolution ist vorüber.</p>
<p>Diese dramatischen Ereignisse unterstreichen die tiefgreifende Wirkung, die Beethovens Musik auf Menschen weltweit ausübt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>Andauernde Popularität</b></p>
<p>Beethovens unerschütterlicher Geist und sein Heldentum spiegeln sich in seiner Musik wider. Trotz seiner Taubheit und vieler persönlicher Schicksalsschläge schuf er Werke, die die Menschheit bis heute inspirieren.</p>
<p>So übt Beethovens Musik noch immer eine ungeheure Anziehungskraft auf Musiker und Zuhörer gleichermaßen aus. Daher ist es nicht verwunderlich, dass seine 10. Sinfonie mittels KI vollendet wurde. Freilich lässt sich über diese Methode streiten, aber eines steht fest: Die Menschen dürsten nach Beethoven. Heute gehört er weltweit zu den meist gespielten Komponisten.</p>
<p>Er hat seine Mission, Kunstwerke für die Ewigkeit zu erschaffen, erfüllt. Seine Musik und sein starrköpfiger Charakter werden niemals in Vergessenheit geraten.</p>
<p>Bis zu seinem Ende trotzte er dem Schicksal und so wird folgende dramatische Szene über seinen Tod berichtet: Am 26. März 1827 um 17:45 Uhr erhob sich ein Sturm, Donner und Licht erfüllten den Raum. Beethoven lag auf seinem Bett, öffnete die Augen und hob mehrere Sekunden lang die rechte Faust. Sein Gesicht nahm dabei einen ernsten, drohenden Ausdruck an und als seine Faust zurückfiel, war der große Tondichter verschieden.</p>
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		<title>Benjamin Franklin: Die Kunst, sich selbst zu formen</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Aug 2018 08:02:35 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[„Ich wünschte leben zu können, ohne irgendeinen Fehler zu irgendeiner Zeit zu begehen.“ Diese Worte schrieb ein junger Mann, der kaum Chancen im Leben hatte: Mit zehn Jahren musste er die Schule abbrechen, um Kerzen zu gießen und Seife zu rühren. Doch Benjamin Franklin gab sich mit diesem Schicksal nicht zufrieden. Ausgestattet mit einem unstillbaren<div class="read-more-wrapper"><a  href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/1396" title="Read More"> <span class="nobutton"> [&#8230;] </span></a></div>]]></description>
		
		
		
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		<title>Johann Wolfgang von Goethe</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jul 2018 07:04:21 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Johann Wolfgang von Goethe gilt als bedeutendster deutscher Dichter, herausragende Persönlichkeit der Weltliteratur und wird auch im Ausland als Repräsentant des geistigen Deutschlands angesehen.<span id="more-1314"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2018/07/Anna-Amalia-Bibliothek.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-1324 size-medium" src="http://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2018/07/Anna-Amalia-Bibliothek-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" srcset="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2018/07/Anna-Amalia-Bibliothek-300x199.jpg 300w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2018/07/Anna-Amalia-Bibliothek-768x510.jpg 768w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2018/07/Anna-Amalia-Bibliothek.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Außerdem war er als Theaterleiter, Kunsttheoretiker, Oberster Bibliothekar (<em><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/archive/4873" target="_blank" rel="noopener">Anna Amalia</a></em> Bibliothek siehe Foto), Naturwissenschaftler, Politiker und Verwalter tätig. Und so ganz nebenbei war er auch noch Geschäftsmann, Ehemann und Vater und er frönte seiner Sammelleidenschaft von unzähligen Mineralien, Gemälden, Büchern, Münzen, Skulpturen und Keramik. Bei so vielen verschiedenen Verpflichtungen und Interessen bedurfte es eines guten Zeitmanagements. Wo blieb da noch der Raum für die Muse, für den kreativen und wissenschaftlichen Austausch mit Gelehrten?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Quelle seiner Kraft und Inspiration</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2018/07/Ilmpark.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-1326 size-medium" src="http://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2018/07/Ilmpark-300x165.jpg" alt="" width="300" height="165" srcset="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2018/07/Ilmpark-300x165.jpg 300w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2018/07/Ilmpark-768x422.jpg 768w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2018/07/Ilmpark.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Die Natur prägte wesentlich Goethes dichterisches Schaffen, seine Korrespondenz und persönlichen Gespräche. Viele seiner Werke sind auf grünen Pfaden entstanden. Im Feld und Wald fand er Inspiration und er war auch maßgeblicher Gestalter ebendieser. Der Park an der Ilm (Foto) wurde nach seinen Vorstellungen, im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt. Inmitten dieser Parkanlage befindet sich sein Gartenhaus nebst Garten. Hier mischte er, wieder nach englischem Vorbild, Nutz-und Zierpflanzen und legte einladende Nischen und Sitzplätze zum Verweilen an. Wobei die Malve, Goethes Lieblingsblume, besondere Aufmerksamkeit erhält. Später, als er sein neues Haus am Frauenplan bezog, gestaltete Goethe auch hier seinen Hausgarten.<br />
Das Wissen um die Gartenkunst eignete er sich durch das Studium der Schriften des damals bedeutendsten deutschen Gartentheoretikers Hirschfeld an. Die Ergebnisse können bis zum heutigen Tag in Weimar bewundert werden.</p>
<p><strong>Goethe und die Religion</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Bibel begleitete Goethe von Kindheit an und er hat sich, auf der Suche nach einer höheren Wahrheit, zeitlebens mit ihr auseinandergesetzt. Jedoch störte ihn die Darstellung der Marterinstrumente bei der Kreuzigung und die des Todes Jesu. Er wollte nicht den Gekreuzigten, er wollte den Auferstandenen dargestellt sehen. Er beklagt in einem Gespräch mit Eckermann am 31.Dezember 1823 auch: „Die Leute traktieren den göttlichen Namen, als wäre das unbegreifliche, gar nicht auszudenkende höchste Wesen nicht viel mehr als ihresgleichen. Sie würden sonst nicht sagen: der Herr Gott, der liebe Gott, der gute Gott. Er wird ihnen, besonders den Geistlichen, die ihn täglich im Munde führen, zu einer Phrase, zu einem bloßen Namen, wobei sie gar nichts denken. Wären sie aber durchdrungen von seiner Größe, sie würden verstummen und ihn vor Verehrung nicht nennen mögen.&#8220; Goethe gebrauchte lieber Umschreibungen wie <strong>„das Unendliche&#8220;</strong>, <strong>„das Ungeheure&#8220;</strong>, <strong>„das ewig Wirkende&#8220;</strong>, <strong>„der Weltgeist&#8220;</strong>, <strong>„die Weltseele&#8220;</strong>, <strong>„das unbekannte höhere Wesen&#8220;</strong>, <strong>„die waltenden Mächte&#8220;</strong>, <strong>„das Ewig-Eine&#8220;</strong>.<br />
In „Dichtung und Wahrheit&#8220; schrieb Goethe: „Mir aber möge man erlauben, dass ich den verehre, der in dem Reichtum seiner Schöpfung so groß war, nach tausendfältigen Pflanzen noch eine zu machen, worin alle übrigen enthalten, und nach tausendfältigen Tieren ein Wesen, das sie alle enthält: den Menschen.&#8220;</p>
<p><strong>Goethe der Naturliebhaber</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Von Anfang an hat er einen besonderen Hang zur Naturfrömmigkeit und er identifiziert Gott mit seiner Schöpfung der Natur und er sieht darin vor allem die Schönheit und das Gute. Für Goethe war Natur und Göttliches identisch und die Naturwissenschaft war für ihn partielle Gotteserkenntnis. So sah er sich als Pantheisten* und weniger als Christen und stand mit dieser Auffassung von Gott und Natur quer zu allen Grundansichten des Jahrhunderts.<br />
Dennoch oder vielleicht auch wegen seines tieferen Verständnisses für die mythischen Kräfte der Natur, hat Goethe so viele Werke hinterlassen, an denen wir uns noch immer erfreuen.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2017/10/DSC02083.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-861" src="http://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2017/10/DSC02083-300x225.jpg" alt="" width="285" height="214" srcset="https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2017/10/DSC02083-300x225.jpg 300w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2017/10/DSC02083-768x576.jpg 768w, https://www.bettinas-jungbrunnen.de/wp-content/uploads/2017/10/DSC02083.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px" /></a>„Gefunden“ ist eines meiner liebsten Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe. Er schrieb es 1813 anlässlich des 25. Jahrestages der ersten Begegnung mit seiner Frau Christiane von Goethe, geb. Vulpius. Die Naturbrücke im Park an der Ilm (siehe Foto) ist der Ort dieser ersten Begegnung. Später trafen sich der Dichter und „das Blümchen“ dann häufiger im abseits gelegenen Gartenhaus.</p>
<p>&#160;</p>
<p>&#160;</p>
<p>&#160;</p>
<p>&#160;</p>
<p style="text-align: center;"><span style="text-decoration: underline;">Gefunden</span></p>
<p style="text-align: center;">Ich ging im Walde<br />
So für mich hin,<br />
Und nichts zu suchen,<br />
Das war mein Sinn.</p>
<p style="text-align: center;">Im Schatten sah ich<br />
Ein Blümchen stehn,<br />
Wie Sterne leuchtend,<br />
Wie Äuglein schön.</p>
<p style="text-align: center;">Ich wollt es brechen,<br />
Da sagt es fein:<br />
Soll ich zum Welken<br />
Gebrochen sein?</p>
<p style="text-align: center;">Ich grub&#8217;s mit allen<br />
Den Würzlein aus.<br />
Zum Garten trug ich&#8217;s<br />
Am hübschen Haus.</p>
<p style="text-align: center;">Und pflanzt es wieder<br />
Am stillen Ort;<br />
Nun zweigt es immer<br />
Und blüht so fort.</p>
<p style="text-align: center;">*Pantheismus bezeichnet die Auffassung, dass Gott eins mit dem Kosmos und der Natur ist. Hier ist kein personifizierter Gott vorhanden. Das Göttliche wird im Aufbau und in der Struktur des Universums gesehen, es existiert in allen Dingen und beseelt alle Dinge der Welt bzw. ist mit der Welt identisch.</p>
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