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Zwischen Schlagzeug und Zucchini

Begegnungen

Es war später Nachmittag, und ich war auf dem Heimweg von der Arbeit. Meine Gedanken kreisten bereits um das, was noch zu tun war – eine Ladung Wäsche, das Abendessen, die üblichen To-dos, die sich am Ende eines Arbeitstags ansammeln.

Ich stand an der Ampel und wartete, halb bei der Sache, halb schon in meinem Kopf beim Rest des Abends.

„Ich geh jetzt zum Schlagzeugunterricht.“

Die Stimme kam von der Seite. Ich brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass jemand mit mir sprach. Ich schaute nach unten. Große blaue Augen blickten mich erwartungsvoll an. Da stand ein kleines Mädchen, vielleicht zehn Jahre alt. Bis zu diesem Moment hatte ich sie gar nicht wahrgenommen.

„Ach“, sagte ich, aus meinen Gedanken gerissen, aber neugierig. „Schlagzeug. Das ist ja interessant.“

Die Ampel schaltete auf Grün. Wir gingen los, und sie blieb neben mir. Jetzt nahm ich sie richtig wahr: die graue Mütze, unter der blonde, lange Haare hervorschauten, zu einem Zopf geflochten. Ein altrosa Kapuzensweatshirt, eine hellblaue Jeans. Und diese Augen – klar, wach, als wüsste sie genau, was sie wollte.

„Wie lange spielst du denn schon?“

„Zwei Jahre“, sagte sie. Ihr Tonfall war erstaunlich erwachsen, sehr bestimmt. Als hätte sie ihren Platz längst gefunden.

Wir liefen weiter, Seite an Seite. Das Gespräch entwickelte sich wie von selbst.

„Und möchtest du später auch Musikerin werden?“, fragte ich.

„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf, ohne zu zögern. „Ich will Gärtnerin werden.“

Ich blieb fast stehen. Gärtnerin? Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Schlagzeug spielen – schon ungewöhnlich. Aber dann Gärtnerin werden wollen? Sie sagte es mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass kein Zweifel blieb.

„Gärtnerin“, wiederholte ich. „Das ist … das ist toll. Was würdest du denn anbauen?“

Ihre Augen leuchteten. „Zucchini! Und Auberginen. Die mag ich am liebsten.“

Und dann begann sie zu erzählen. Wie man Zucchini pflanzt, wann der richtige Zeitpunkt ist, wie viel Sonne sie brauchen. Sie erklärte es mir, als hätte sie es schon unzählige Male getan, als wäre sie längst mittendrin in ihrem zukünftigen Leben. Dann kamen die Auberginen – wie man sie am besten zubereitet, in Scheiben schneiden, salzen, dann in der Pfanne braten.

„Das hab ich mit meiner Mama zusammen gemacht“, sagte sie. „Ich helfe oft beim Kochen.“

Ich hörte zu und staunte. Hier lief ein zehnjähriges Mädchen neben mir her und erzählte von Gemüseanbau und Rezepten, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. Kein Wort über Handys, über Fernsehen, über Apps. Stattdessen: Schlagzeug, Zucchini. Auberginen. Küche. Erde. Eine Überraschung nach der anderen.

Wir gingen vielleicht zehn, vielleicht fünfzehn Minuten zusammen. Ich stellte Fragen, sie antwortete, erzählte weiter, als würden wir uns schon lange kennen. Als wäre es völlig normal, dass eine Fremde und ein Kind auf dem Heimweg über Gartenarbeit und Essen sprechen.

Plötzlich blieb sie stehen.

„Ich muss jetzt da lang“, sagte sie und deutete auf eine Seitenstraße. „Tschüss!“

„Tschüss“, sagte ich. Doch sie hatte sich schon umgedreht, bog ab und ging die Straße entlang. Der Zopf schwang fröhlich im Rhythmus ihrer Schritte.

Ich blieb stehen und schaute ihr nach, wie sie kleiner wurde in der Ferne. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, und zugleich war ich sprachlos.

Ein Mädchen auf dem Weg zum Schlagzeugunterricht, mit Plänen für Zucchini und Auberginen. Und der Selbstverständlichkeit, mit der sie einfach ein Gespräch begonnen hatte. Ich kannte nicht einmal ihren Namen – und doch hatte diese Viertelstunde, so unvermittelt begonnen und so abrupt geendet, etwas in mir berührt.

Mein Herz war warm. Es fühlte sich an wie ein Geschenk. Dass dieses Kind sich mir so geöffnet hatte, einfach so, an einer Ampel. Dass es solche Momente noch gab.

Mein Lächeln blieb.

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