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Zwischenwelt

Begegnungen

Noch bevor ich die Augen aufschlage, höre ich es. Zwischen den Büschen und Hecken vor unserem Fenster singt jemand. Ein Vogel, dann noch einer, dann viele. Ich liege im Warmen, lausche und freue mich auf einen milden Tag.

Dann ziehe ich das Rollo hoch.

Schnee. Über Nacht hat er sich leise auf alles gelegt, auf die Äste, auf den Gartentisch, auf die schlafenden Beete. Die Welt draußen ist weiß und still. Nur die Vögel sind es nicht.

Letztes Wochenende waren wir im Wald. Schnee lag noch, dick und fest unter den Sohlen. Aber zwischen den kahlen Ästen schien die Sonne durch. Ich blieb stehen, wie ich es immer tue, drehte mein Gesicht zur Sonne und schloss die Augen. Die Wärme traf meine Wangen, meine Stirn, während meine Füße im Schnee standen und die kalte Luft an meinen Händen zog.

Und dann hörte ich ein Klopfen, rhythmisch, nah. Da war er. Ein Buntspecht am Baumstamm. Sein roter Nacken leuchtete, sein Schnabel hämmerte gegen die Rinde. Er suchte, arbeitete, unbeeindruckt vom Schnee ringsum. Überall im Wald sangen Vögel, als wollten sie den Winter vertreiben und den Frühling herbeisingen.

Den Winter liebe ich: die klare kalte Luft, die stille Gemütlichkeit, eine Tasse Tee, ein gutes Buch, die Decke um die Schultern und den Schein einer Kerze.

Ich mag das Knirschen unter den Schuhen, die weiße Stille, diese gedämpfte friedliche Welt.

Und doch.

Ich merke, dass sich etwas in mir regt. Ein Verlangen nach dem ersten Sonnenlicht, das nicht nur leuchtet, sondern auch wärmt. Nach dem Duft von feuchter Erde, nach dem Grün, nach dem Summen der ersten Bienen, nach dem ersten Schmetterling. Die ersten Sonnenstrahlen sauge ich auf. Für die Natur ist es ein Neuanfang, für mich auch.

Aber noch ist es nicht so weit. Die Natur scheint noch unentschlossen.

Es ist keine Ungeduld, die ich spüre. Eher wie das Gefühl, wenn ich ein gutes Buch fast ausgelesen habe. Ich will wissen, wie es weitergeht, und bin gleichzeitig ein bisschen traurig, dass es bald endet.

Die Vögel zwitschern weiter. Der Schnee liegt noch immer. Ich stehe am Fenster und lächle. Vielleicht liegt die Wahrheit nicht im Anfang oder im Ende, sondern im Dazwischen.

Tags: alltagsgeschichten, augenblicke, begegnungen, beobachtungen, bloggerde, gedanken, geschichten, Inspiration, kurzgeschichten, lebensmomente, literaturblog, Naturmomente, schreiben, unterwegs

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