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Ein Tag für die Schönheit

Begegnungen

Es war ein besonderer Anlass. Stefan hatte Geburtstag, und wir überlegten, wie wir diesen Tag verbringen wollten. Kein großes Programm, kein Trubel. Er sagte, er möchte einfach einmal wieder schöne Bilder sehen.

So entstand die Idee, nach München zu fahren. In die Pinakothek.

Wir nahmen uns beide frei, buchten einen Zug und suchten uns ein Restaurant für den Mittag und ein Café für später. Ein Tag, an dem wir Zeit hatten. Zeit, uns treiben zu lassen, neugierig zu sein und München einfach auf uns wirken zu lassen.

Auf dem Weg durch die Stadt gingen wir also nicht einfach nur von einem Ort zum nächsten. Wir blieben stehen, schauten in Schaufenster und nahmen die Straßen wahr, landeten in Buchläden, kamen ins Gespräch und blieben ein paar Minuten länger, als wir es sonst getan hätten.

So kamen wir schließlich zur Pinakothek.

Drinnen wurde es ruhiger.

Die Räume sind nach Epochen geordnet und führen durch die Entwicklung der europäischen Malerei vom Mittelalter bis zum Rokoko. Italienische, flämische und deutsche Werke folgen aufeinander. Mit jedem Raum verändern sich Motive, Farben und die Art zu erzählen.

Ich blieb stehen und war beeindruckt, mit welcher Kunstfertigkeit gearbeitet wurde. Jeder Pinselstrich ist gesetzt, jede Figur durchdacht. Es ist erstaunlich, was vor Jahrhunderten möglich war.

Von Peter Paul Rubens hingen mehrere riesige Gemälde. Sie füllten die Räume vollständig aus. Ich konnte gar nicht anders, als überwältigt zu sein.

Ebenso beeindruckend waren die Bilder von Caspar David Friedrich, nur auf eine ganz andere Weise. Die Formate waren kleiner, die Motive ruhiger, zurückgenommen.

Besonders ein Bild hat mich überrascht. Der Sommer.

Dieses Motiv habe ich als Mauspad auf der Arbeit, weil mir diese weite Landschaft gefällt. Es begleitet mich jeden Tag. Und nun hing es vor mir, im Original, größer, klarer, ganz anders präsent.

Dann ein Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren: Das goldene Zeitalter. Ich blieb davor stehen und fragte mich, was Cranach wohl damit meinte. Wann dieses Zeitalter war. Ob es je existiert hatte oder noch kommen sollte. Das Bild zeigt tanzende Menschen um einen Obstbaum, andere liegen im Gras oder baden im quellklaren Wasser. Mensch und Tier in vollkommener Eintracht, in einem geschützten Garten. Harmonie und friedvolles Dasein. Eine Welt ohne Streit, ohne Krankheit.

Die Pinakothek war gut besucht, und doch war es ruhig. Die Menschen standen vor den Bildern, lasen, gingen ein paar Schritte zurück, traten wieder näher heran. Jeder war für sich und gleichzeitig Teil dieses Raumes. Man merkte, wie jeder seinen eigenen Gedanken nachging.

Ich ging weiter, blieb stehen, ließ den Blick wandern. Ohne Ziel, ohne Eile.

Später saßen wir bei Kaffee und Kuchen zusammen. Wir sprachen wenig. Die Bilder wirkten noch nach.

Früher war es selbstverständlich, in Gemälden Geschichten zu erzählen. Handlungen, Beziehungen, Botschaften, alles war eingebettet in ein System von Symbolen. Ein Hund stand für Treue, ein Schmetterling für Verwandlung, Efeu für Freundschaft und ewiges Leben. Wer die Zeichen kannte, las das Bild wie einen Text. Es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen. Die Bilder haben mehr zu sagen, als man auf den ersten Blick sieht.

Die Gemälde, die Art der Darstellungen, fesseln mich immer wieder aufs Neue, ziehen mich hinein in diese Zeit, in eine längst vergangene Welt. Der Alltag mit seinen Anforderungen und seinem Lärm tritt in den Hintergrund, und neue Impulse entstehen, fast wie von selbst.

Tags: alltagsgeschichten, augenblicke, begegnungen, beobachtungen, bloggerde, gedanken, geschichten, Inspiration, kurzgeschichten, lebensmomente, literaturblog, Naturmomente, schreiben, unterwegs

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