„Bruckner! Er ist mein Mann!“ verkündete R. Wagner

Anton Bruckner wurde am 4. September 1824 in Oberösterreich geboren und hinterließ der Nachwelt ein außergewöhnliches Klangerlebnis. Doch um an dieses Ziel zu gelangen, musste Anton Bruckner einen weiten und beschwerlichen Weg zurücklegen.

In einfache und ländliche Verhältnisse hinein geboren, tritt er beruflich zunächst in die Fußstapfen seines Vaters und wird Lehrer. Bis weit ins Erwachsenenalter hinein zweifelte Bruckner an seiner musikalischen Begabung. So schlitterte er erst mit 31 Jahren in seine erste Anstellung als Berufsmusiker. Sein virtuoses Orgelspiel brachte ihm die Nachfolge des verstorbenen Linzer Domorganisten ein. 

„Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen.“

Trotz diesen und viele weiterer Erfolge mangelte es Anton Bruckner an Selbstbewusstsein und er unterwarf sich strengster fachlicher Qualifizierungen und strebte beharrlich nach musikalischer Vervollkommnung. Dieser immerwährende Schaffensdrang und die hohen Anforderungen an sich selbst führten in oft an seine Belastungsgrenzen und so war er gezwungen, sich zwischenzeitlich in Heilanstalten zu begeben. 

„omnia ad maiorem dei gloriam“ – „alles zur größeren Ehre Gottes“ 

Seinen vollendeten Werken fügte Bruckner die religiöse Wendung „omnia ad maiorem dei gloriam“ – „alles zur größeren Ehre Gottes“ hinzu. Denn seine wirkliche, tief ihm innewohnende Kraft fand Bruckner in seiner demütigen Liebe zu Gott. Von Kindheit an spielte die Religion eine entscheidende Rolle in seinem Leben. Zahlreiche Kalendernotizen geben Auskunft über täglich gesprochene Gebete wie das „Vater Unser“, das „Ave Maria“ oder das „Salve Regina“. Bruckners gelebter Glaube spiegelte sich auch in seinem von mönchischer Einfachheit geprägten Lebensstil wieder. Auch die Disziplin und die Tugenden des Gehorsams, der Unterordnung und der Enthaltsamkeit begleiteten ihn lebenslang. Ein Schüler Bruckners schrieb: „Manchmal geschah es, dass der Meister, zurückgelehnt in seinem Stuhl, regungslos dasaß. Erst glaubte ich, er dächte über seine Komposition nach, mit der Zeit aber fiel mir auf, dass immer bei diesem Zustand eine Glocke auf der nahen Votiv-Kirche läutete: Bruckner betete.“

„Te Deum laudamus“ – „Wir loben Dich, oh Gott“

Die tiefe Gewissheit um Gottes liebende Führung war es, die ihn befähigte seine kompositorischen Fähigkeiten voll auszuschöpfen und über schwierige Zeiten und Anfeindungen hinweg zu kommen. Denn mit seinem bescheidenen und religiösem Lebensstil, zu dem auch regelmäßiges Fasten und die Beichte gehörten, war er unter den Künstlern seinerzeit ein seltenes Exemplar und stieß oft auf Unverständnis. Auch die Wiener Presse und vor allem der Kritiker Eduard Hanslick machten ihm zu schaffen. So beklagt er bei einer Audienz Kaiser Franz Joseph sein Elend. Als der Monarch fragt, welchen Wunsch er Bruckner erfüllen könnte, da platzt es aus ihm heraus: „Majestät, verbietens allergnädigst dem Hanslick, daß er schlecht über mi‘ schreibt.“ Freundlich lächelnd antwortete der Kaiser: „Das kann wohl auch ich nicht!“ Jedoch bot er ihm finanzielle Unterstützung an, sodass Bruckner auch außerhalb Wiens seine Werke aufführen und so dem gefürchteten Kritiker aus dem Wege gehen konnte.

Weil die Vertonung des „Te Deum“ aus Dankbarkeit an Gott für seine überstandenen Leiden in Wien geschah, verdanken wir vielleicht gerade Bruckners Kritikern sein nach eigenen Angaben „Stolz meines Lebens“. Bruckner sagte einst: „Ich glaub, wenn es beim Jüngsten Gericht schief ging, möcht ich dem Herrgott die Partitur vom Te Deum hinhalten und sagen: ,Schau, das hab ich ganz allein für Dich gemacht‘, nachher würd ich schon durchrutschen“.

Bruckner als Wegweiser in die himmlische Wirklichkeit

Anton Bruckners Quelle der Kraft und Inspiration war sein tief verwurzelter katholischer Glaube und natürlich wirkte sich das auch auf seine Musik aus. So bekam er einmal nach der Aufführung seiner f-Moll-Messe von einer unbekannten Dame einen Blumenstrauß und die Mitteilung: „Sie haben meine Seele gerettet, ich glaubte gar nichts – da hörte ich Ihre Messe.“ 

Auch heute vertreten Theologen und Musikwissenschaftler die Ansicht, dass Bruckners Tonkunst die Vertiefung des religiösen Lebens stärkt, und befürworten seine Seligsprechung. Nachdem in den 1950er Jahren der erste Versuch eines Seligsprechungsverfahrens scheiterte, zeigen sich jetzt zahlreiche Unterstützer zuversichtlich. 

In Anton Bruckners Finale des „Te Deum“ heißt es: „In Te, Domine, speravi, non confundar in aeternum.“ – „Auf Dich, oh Herr, habe ich gehofft, dass ich in Ewigkeit nicht vergehe“.